Neu-Ulm / Christine Liebhardt Um ihr Kanalnetz zu sanieren und zu erhalten, muss die Stadt Neu-Ulm in den kommenden Jahren 35 Millionen Euro investieren.

Es liegt etwas im Argen im Neu-Ulmer Untergrund: Knapp die Hälfte des Kanalnetzes muss saniert werden. Billig werden die Maßnahmen nicht – um die 35 Millionen Euro wird die Stadt in den nächsten Jahren investieren müssen. „Das hört sich wahnsinnig viel an“, sagte Martin Wolf von der Münchner Ingenieurgesellschaft Siwa Plan im Technischen Ausschuss Öffentlicher Lebensraum und Verkehr des Stadtrats.

Stadt hinkt hinterher

Dessen Mitgliedern hat er die Sanierungsstrategie vorgestellt – und die Kosten, die auf die Stadt zukommen. Sie betragen 9 Millionen Euro mehr, als vor einem Jahr berechnet. Was sich relativiere, wenn man den Betrag ins Verhältnis zum Neubauwert setzt, rechnete Wolf vor: Dann spreche man gerade mal von zwölfeinhalb Prozent.

Auf knapp 279 Kilometern Länge verlaufen Kanäle unter Neu-Ulm. Mit der Sanierungsstrategie verfolgt die Stadt abgesehen vom Erhalt der Funktion vor allem zwei Ziele: Zum einen will sie Synergien schaffen, etwa beim Straßenbau. Zum anderen sollen die Belastungen für die Bürger durch die Zusammenfassung von Maßnahmen minimiert werden.

Ein Großteil der mangelhaften Stellen im Netz kann zwar repariert oder renoviert werden, mehr als 20 Kilometer müssen aber erneuert werden. Dabei ist das Kanalnetz verglichen mit anderen Städten eigentlich in gar keinem so schlechten Zustand, versicherte Martin Wolf. Immerhin gibt es bei etwas mehr als 40 Prozent der Röhren im Stadtgebiet gar keinen Sanierungsbedarf.

Eine Frage der Investition

Aber: „Sie hinken hinterher“, antwortete der Ingenieur auf die Frage von SPD-Stadtrat Karl-Martin Wöhner, ob Neu-Ulm im Vergleich im Durchschnitt liege oder im Verzug sei. Sprich: Bisher ist zu wenig getan worden. Immerhin steht die Stadt bei der Nutzungsdauer nicht ganz schlecht da. Die beträgt im Schnitt 50 bis 100 Jahre. „Neu-Ulm liegt eher an der oberen Grenze“, sagte Wolf.

Die große Frage, die Fachbereichsleiter Tobias Frieß in den Raum stellte, lautet also: „Wie viel müssen wir investieren, um den heutigen Zustand zu erhalten?“ Antworten darauf gibt es mehrere, je nach Vorgehen. Das Ingenieurbüro hat gleich sieben Varianten erarbeitet, darunter eine Minimalstrategie. Schäden würden mit ihr nur behoben, wenn sie auftreten. „Damit verschieben wir die Sanierung nur nach hinten raus“, erläuterte Wolf. Was zwar jetzt Geld spart, später aber teuer wird und die Betriebssicherheit gegenüber dem jetzigen Zustand nicht verbessert.

An den 35 Millionen führt kein Weg vorbei

Die Verwaltung ist für eine so genannte Vorzugsstrategie, die das Ingenieurbüro vorschlägt: Kanäle werden dann saniert, wenn sie mindestens mittlere Mängel haben, und zwar so wirtschaftlich wie möglich. So soll der vorhandene Investitionsstau bis 2033 abgearbeitet werden. Die Betriebssicherheit wird verbessert, der Wert des Kanalnetzes erhalten. Wird diese Strategie umgesetzt, steigen die Abwassergebühren um drei Prozent: „Das entspricht der allgemeinen Preissteigerung und ist eigentlich nicht viel“, versicherte Wolf.

Die Stadträte hatten zwar ob der veranschlagten 35 Millionen Euro ganz schön zu schlucken, sahen aber, dass an der Investition kaum ein Weg vorbei führtGabriele Salzmann (Grüne) war sich sicher: „Ich glaube, dass wir die Mehrkosten meistern werden, denn wir wachsen ja.“ Umsonst gebe es nichts. Johannes Stingl (CSU) sprach von einer gewaltigen Aufgabe und einem „planvollen, vorbildlichen Weg“. Auch Rudolf Erne (SPD) sah eine „gute und durchdachte Sache“.

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279

Kilometer lang ist das Kanalnetz. Bei 236 Kilometern weiß die Stadt bereits, wie der Zustand ist. Der fehlende Teil ist zu groß für eine Kamera und muss zu Fuß begangen werden.

Aktuelle Arbeiten

Messerschmittstraße Für rund 850 000 Euro muss dringend ein Kanal saniert werden. Die Leitung ist stark korrodiert, vor allem an der Einleitungsstelle der Lebkuchenfabrik Weiss. Die Verwaltung vermutet, dass aggressive Abwässer die Schäden verursacht haben. Weiss soll 60 Prozent der Sanierungskosten zahlen.

Kappellenstraße In Burlafingen wird der Kanal im Bereich zwischen der Friedhofstraße und der St.-Konrad-Straße ausgewechselt, damit auch bei Starkregen das Wasser abgeleitet werden kann. Die Arbeiten sind von Juni bis Mitte August vorgesehen. Kosten: 425 000 Euro.