Neu-Ulm / Chirin Kolb Die von SV Oberelchingen, TSV Pfuhl und FC Burlafingen gewünschte neue Sporthalle wirft in Verwaltung und Politik viele Fragen auf.

Der Vorstoß von Vertretern dreier Vereine, am Schulzentrum Pfuhl eine Sporthalle mit 1500 bis 2500 Zuschauerplätzen zu bauen, sorgt für Gesprächsstoff in Neu-Ulm. Die Halle soll ihren Wünschen nach vor allem für die Basketballer des SV Oberelchingen, die Turner des TSV Pfuhl und die Handballer des FC Burlafingen zur Verfügung stehen sowie dem Schul- und Breitensport dienen. Die Protagonisten  rechnen mit Kosten im mittleren einstelligen Millionenbereich. Bezahlt werden soll die Halle zu 60 Prozent von der Stadt Neu-Ulm, zu 20 Prozent vom Bayerischen Landessportverband und zu 20 Prozent von den Vereinen oder Sponsoren. Das Gelände gehört dem Landkreis.

TSV Pfuhl, FC Burlafingen und SV Oberelchingen wünschen sich den Bau einer Sporthalle am Schulzentrum Pfuhl.

Eine Halle mit 1500 bis 2500 Zuschauerplätzen fehle in Neu-Ulm, sagt der Vorsitzende des TSV Pfuhl, Patrick Winter. So viel Platz biete nur die Ratiopharm-Arena. „Aber sie ist zu groß, und wir können sie uns nicht leisten.“ Für die Pfuhler Bundesliga-Turner wäre die neue Sporthalle jedenfalls ideal, „wir könnten dort unsere Wettkämpfe austragen“. Das 2015 eröffnete Turnzentrum ist eigentlich nur als Trainingshalle gedacht.

Laufende Kosten stemmen

Am liebsten würden die drei Vereine die Sporthalle in eigener Regie führen, etwa über eine Betreibergesellschaft. Zusätzlich zur einmaligen Investition beim Bau fielen Jahr für Jahr laufende Kosten an.  Andreas Werther, der Vorsitzende des SV Oberelchingen, ist zuversichtlich, dass alles zu stemmen ist. Der Businessplan für die Sporthalle sei „zu 80 Prozent fertig“, sagt er. „Die Belastung für die Vereine wird sich auf ein Minimum reduzieren.“

Bei der Idee, eine große Sporthalle in Neu-Ulm zu bauen, überwiegt die Skepsis. Zu Recht, meint Chirin Kolb.

Andere sind davon noch nicht überzeugt. Johannes Stingl, der stellvertretende Vorsitzende des TSV Pfuhl, ist zwar sehr zufrieden mit dem Betrieb des Turnzentrums, das den Hauptverein finanziell nicht belaste. Allerdings habe der TSV strukturelle Probleme, die erst gelöst werden müssen. „Wir müssen die Weichen dafür stellen, dass der Verein auf lange Sicht finanziell leistungsfähig bleibt.“ 2018 hatten die Mitglieder eine Art „Sonderopfer“ zur Konsolidierung abgelehnt. Generell sei die Hallen-Idee „ein interessanter Ansatz durch die Verbindung von Schulen, Vereinen und Wirtschaft“, sagt Stingl, der auch Fraktionschef der CSU im Neu-Ulmer Stadtrat ist. Viele grundlegende Fragen seien aber noch nicht beantwortet, beispielsweise zu Grundstück, Finanzierung des Baus und des laufenden Betriebs, Planungsrecht, Kooperation der drei Vereine. Rudolf Erne, SPD-Fraktionschef und ehemaliges Vorstandsmitglied des TSV Pfuhl, hat zwar von den Plänen „munkeln gehört“, offiziell sei aber noch niemand an die Politik herangetreten. Er ist skeptisch. Die Stadt finanziere gerade den Orange Campus der Basketballer mit und sei dem TSV Pfuhl schon beim Bau des Turnzentrums sehr entgegengekommen. Außerdem: „Was geht uns der Elchinger Basketball an?“

Bedarf auch bei anderen Vereinen

Auch Erich Niebling, Vorsitzender des FC Burlafingen, hat Zweifel. Er fürchtet, dass sich der Klub übernehmen könnte. Noch gebe es weder Vorstands- noch Mitgliederbeschluss. „Das Konzept mit den Schulen ist grundsätzlich nicht schlecht“, sagt der Neu-Ulmer Fachbereichsleiter Ralph Seiffert. Die Vereinsvertreter haben ihm in einem ersten Gespräch ihre Idee präsentiert. Um Wunsch und Realität zusammenzubringen, sei es aber noch ein sehr weiter Weg. „Wir stehen noch nicht mal an der Startlinie.“ Es gebe „Fragen über Fragen“. Was die Finanzierung angeht, gebe es klare Regeln bei der Stadt Neu-Ulm. Die Belange des SV Oberelchingen gingen die Stadt Neu-Ulm nichts an.

Ohnehin, sagt Seiffert, sei die Hallen- und Sportstättenplanung äußerst diffizil. Auch andere Vereine wie der SV Holzschwang hätten Bedarf, TSV Pfuhl und FC Burlafingen wünschten sich für die Fußballer seit Jahren ein Kunstrasenfeld. Seifferts Abteilung ist gerade dabei, alles zusammenzutragen, den Bedarf zu ermitteln und zu planen.

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Noch keine Beschlüsse der Mitglieder

TSV Pfuhl: Die rund 1600 Turner stellen fast die Hälfte aller Mitglieder. Eine Mitgliederversammlung ist laut Vorstand Patrick Winter noch nicht terminiert.

FC Burlafingen: Der Verein hat rund 1300 Mitglieder, besonders erfolgreich sind die Handballerinnen. Die Tendenz ist steigend, sagt der Vorsitzende des Handball-Fördervereins, Anton Glöckler. „Vor zehn Jahren trainierten 80 Kinder, jetzt sind es mehr als 200.“

SV Oberelchingen: Der Verein verzeichnet laut Vorsitzendem Andreas Werther einen Mitgliederzuwachs. Derzeit sind es 1230. In der Mitgliederversammlung Anfang April will er über die Sporthallen-Pläne informieren.