Die Reuttier Straße ist eine der am meisten befahrenen Straßen Neu-Ulms, „eine Hauptschlagader“, sagt die dritte Bürgermeisterin Rosl Schäufele. Doch was heißt befahren – zu Hauptverkehrszeiten stehen die Autos mehr als dass sie rollen. Die Stadt Neu-Ulm will für mehr Verkehrsfluss sorgen und Ordnung schaffen im Straßenraum. Die Reuttier Straße soll breiter werden, mehr Fahrspuren für Abbieger erhalten und eine neue Kreuzung mit Ampel an der Industriestraße.

Den Stand der Planungen stellte die Stadtverwaltung im Johanneshaus den Bürgern vor. Knapp 60 waren gekommen, und ihre Begeisterung hielt sich in Grenzen. Vor allem bei einem Thema gab es Kritik von Anwohnern. Sie sehen nicht ein, warum Parkplätze wegfallen sollen.

Der Umbau soll im April 2020 beginnen und Mitte 2022 beendet sein. Anlass ist der notwendige Austausch des Abwasserkanals. Die Stadtverwaltung will im Zuge dieser Arbeiten die Probleme in der Reuttier Straße angehen, und zwar im Abschnitt zwischen Meininger Allee und Finninger Straße. Dabei denkt die Stadt nicht  nur an den Autoverkehr, sondern auch an Radfahrer und Fußgänger, sagte Chef-Stadtplaner Jörg Oberle. „Es soll für alle komfortabler und sicherer werden.“ Eingriffe sind vor allem an drei Stellen geplant:

Diese Umbauarbeiten sind geplant

Industriestraße/Waldeck

An dieser Stelle soll eine richtige Kreuzung entstehen, mit Abbiegespuren in der Reuttier Straße und der Industriestraße sowie Mittelinseln, die den Fußgängern das Queren erleichtern. Künetteweg und Gedeckter Weg sollen nicht mehr einzeln in die Reuttier Straße münden. Sie werden gebündelt zu einer einzigen Zufahrt direkt gegenüber der Industriestraße.

Dafür muss nicht nur die Haltestelle „Waldeck“ weichen. Viel kritischer sehen die Anwohner, dass auch die Parkplätze wegfallen sollen. Acht zählte die Stadtverwaltung, ein Anwohner sprach von „30 bis 40“. Die Stadtplaner wollen den Bereich mit etlichen Bäumen verschönern, „damit Sie nicht nur auf Asphalt und Blech schauen“, warb Oberle. Vergebens. Die Wortmeldungen zeigten deutlich, dass den Anwohnern die Stellplätze wichtiger sind.

Starkfeldkreuzung

Auch an der Kreuzung Ringstraße/Im Starkfeld wird die Reuttier Straße breiter mit längeren Abbiegespuren und Mittelinseln.

Am Vorgraben

Diese Aufweitung hat Auswirkungen auf die Einmündung Am Vorgraben. Von dort wird es künftig definitiv nicht mehr möglich sein, nach links Richtung Innenstadt abzubiegen. Oberle stellte den Bürgern drei Varianten für die künftige Verkehrsführung vor. Rund zwei Drittel befürworteten eine Variante, bei der die Einfahrt von der Reuttier Straße nur von der Innenstadt her möglich ist. Aus der Gegenrichtung ist ein Einbiegen nur nach einem U-Turn an der Starkfeldkreuzung vorgesehen. Eine weitere Ausfahrt gibt es über die Ringstraße.

Anwohner kritisieren Vorhaben

Einige Anwohner stellten den Ausbau der Reuttier Straße generell in Frage. „Wir leben jetzt schon auf der Autobahn“, sagte eine Frau. Eine andere berichtete von Staus und allmorgendlichem Hupkonzert. „Warum muss die Reuttier Straße noch mehr Spuren und Verkehr kriegen?“ Weil Neu-Ulm wächst, antwortete Oberle. Und weil die Stadtverwaltung überzeugt ist, dass der Verkehr nach dem Umbau besser und geordneter fließt.

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Entwässerung Anlass für die Umgestaltung der Reuttier Straße ist der notwendige Austausch des Kanals. Der jetzige ist zu klein dimensioniert, undicht, korrodiert, also schlicht marode, berichtete Abteilungsleiter Jochen Meissner. „Das Grundwasser spritzt fingerdick rein.“ Wenn die Straße schon aufgegraben wird, kann sie auch gleich neu gestaltet werden.

Kosten Kanalaustausch und Straßenumbau sind auch finanziell Sache der Stadt. Die Anwohner müssen sich nicht an den Kosten beteiligen, „die Straßenausbaubeitragssatzung ist abgeschafft“, antwortete Bürgermeisterin Rosl Schäufele auf besorgte Fragen von Anwohnern.