Neu-Ulm / Frank König  Uhr
Bei der „Brobiera“ stellten Food-Manufakturen faire Schokolade, Craft-Biere und die „Wilde Hilde“ vor: einen Ketchup.

Mit ihrer komplett fair produzierten Schokolade verspricht die Münchener Manufaktur Chocion den Himmel auf Erden: „Heaven on Earth“ lautet das Motto von Gründer Andreas Mohrs, der als Pilot in Afrika die Kinderarbeit bei der Kakao-Ernte gesehen hatte. Chocion zählte mit Pralinen und Schokolade zu den 25 Ausstellern der ersten Genussmesse „Brobiera“ (also: Ausprobieren) in der Neu-Ulmer Passigatti-Eventhalle. Gin-Produzent Frank Steinle, der außerdem über eine Marketing-Agentur verfügt, hatte die zweitägige Veranstaltung ins Leben gerufen. Und zwar als Plattform für kleine, regionale Lebensmittel-Manufakturen: „Das wird immer mehr.“ Dies spiegelten zwar auch die Street-Food-Märkte wider, aber da lautet seine Erfahrung: Man isst sich meistens an einem Stand schon satt. Daraus resultierte das Konzept der Messe – zu dem auch eine Open Stage mit Musikern wie Sängerin Boneca gehörte.

Alte Biersorten neu gebraut

Es zeigte sich, dass insbesondere die bayerische Seite der Region gourmet-mäßig einiges zu bieten hat, so auch mit der neuen Event-Location „The Kitchen“ von Sauer Gastrotechnik in der Reuttier Straße. Nächstes Thema im März: Portugal. Im „Hirsch“ in Attenhofen setzt Robert Neumaier ebenfalls auf Veranstaltungen – hier Kurse zum Bierbrauen. Er hat die frühere Brauanlage im „Hirsch“ wiederbelebt und stellt alte Sorten wie Export und Märzen her, die Bier als traditionelles Kulturgut darstellen sollen.

Bei Passigatti präsentierte auch Andreas Beer aus Senden sein erstes selbstgebrautes Produkt. Da passt es sehr gut, dass sein Name auf Englisch schonmal „Bier“ bedeutet. Die erste Sorte heißt Beerhemian, weil sie mit Bohemian-Malz gebraut ist, auf einer Anlage in Schorndorf, in kleinen Mengen. Aus Gundremmingen war sodann Richard Stetter mit seinem Kaffeeröster „Kultbohne“ vertreten, er hatte in Ulm mit dem „Segafredo“ selber schon eine Art Kultstatus. Stetter hat direkte Kontakte zu Anbau-Kollektiven in Lateinamerika.

Ein Hingucker auf der Messe war zweifellos die „Wilde Hilde“ – ein auffällig in Orange und Rot vermarkteter Ketchup, der als „Currywürzsoße“ läuft. Christian Hübner aus Burgrieden bei Laupheim hat ein Rezept seiner Oma Hildegard Epple neu aufgelegt: mit Plaumen, Tomaten und Zuckerrübensaft, daher vegan, auch gut zum Abschmecken von Ofengemüse. Der Vertrieb läuft, wie teilweise bei den anderen Ausstellern, nicht nur übers Internet, sondern den Laden „Gutes von Hier“ in der Herrenkellergasse. Die Internet-Schiene repräsentierte bei Passigatti auch „Fund your Farmer“, eine regionale Plattform aus Pfuhl mit 300 bis 400 Lebensmittelprodukten.

Viel los war am Stand von Anna-Lisa Thanner von der Billbar, die im Herbst zusätzlich den Caterer „Alma Kochart“ von Anja Maier übernommen hat. Thanner setzt bei ihren Buffets auf „moderne und vegane Küche“ und nennt als Beispiele Artischoken in Panko-Teig oder Orangen-Salsa mit schwarzen Oliven.

Dabei kommen nur regionale und saisonale Produkte zum Einsatz. Zu den Kunden des seit zehn Jahren etablierten Caterers zählen Firmen, Kanzleien und Arztpraxen. Außerdem wichtig: Hochzeiten. Anja Maier konzentriert sich inzwischen auf Ernährungsberatung und das Thema Trinkwasser(-reinheit). Sie entwickelte die Food-Kombinationen für ihren „Nischen-Caterer“ nicht zuletzt mit ihrer Tochter in Berlin: „Dort ist die Ideen-Schmiede.“

Veranstalter plant Messe für Food und Fitness

Erstauflage Zur ersten „Brobiera“ kamen etwa 600 Besucher. 2019 soll es eine Neuauflage geben, vorher eventuell eine Messe für Food und Fitness.