In manchen Medien scheint die Welt seit der großen Flüchtlingswelle 2015 aus den Fugen geraten zu sein. Die Zahlen der Jahresstatistik des Amtsgerichts Neu-Ulm geben diesen düsteren Blick auf die Lage in Stadt- und Landkreis Neu-Ulm aber nicht her, sagt Amtsgerichtsdirektor Thomas Mayer jetzt vor Vertretern der Medien, denen er die Jahreszahlen seiner Behörde vorstellte.

Laut Mayer gibt es keinerlei Grund zur Panik und auch keinen zu Befürchtungen, dass sich in nächster Zeit die Stabilität des Landes verändern werde. „Man muss den Populisten den Wind aus den Segeln nehmen. Unsere Zahlen jedenfalls geben derlei Bewertungen nicht her“, sagt der Behördenchef.

Vor allem beim Blick auf die im vergangenen Jahr angefallenen Neufälle im Jugendstrafrecht seien völlig unauffällig. Die Zahl liege mit 481 Fällen nur 8 über dem Vorjahr aber immer noch 24 unter denen aus dem Jahr 2015. „Wir haben bei der Jugendkriminalität keinen Anstieg, sondern verzeichnen in den vergangenen zehn Jahren sogar einen erheblichen Rückgang“, sagte Mayer gestern.

Insgesamt steht das Amtsgericht nach den Worten seines Direktors gut da. Die Zahl der Erledigungen sei höher als die der Neuzugänge, lediglich die Dauer der Verfahren habe geringfügig zugenommen, was aber im wesentlichen mit Krankheitsausfällen und einer Neubesetzung einer Richterstelle zu tun habe, bei der sich der Freistaat sechs Monate Zeit gelassen habe.

Mehr Freisprüche

Einzig bei der Entwicklung von Verurteilungen und vor allem bei den Freisprüchen wird der Amtsgerichtschef etwas nachdenklich. Die Quote der Freisprüche habe sich nämlich von 2,7 Prozent aller Fälle auf 4,4 Prozent erhöht. Nach den Worten Mayers handelt es sich dabei vornehmlich um notwendige Freisprüche, weil die Ermittlungsverfahren nicht tiefgründig genug seien und noch weitere Hintergrundermittlungen notwendig hätten, bevor sie zu Gericht kommen.

Mayer wollte aber keine pauschale Schelte gegen Staatsanwaltschaft und Polizei aussprechen, verhehlt aber nicht, dies kritisch zu sehen. „Ich will mir aber keine abschließende Meinung anmaßen. Das kann auch ein einmaliger Ausrutscher gewesen sein“, sagte er.

Mayer startete außerdem einen Aufruf an die Bevölkerung, sich als Schöffe bei Gericht zu bewerben. „Jeder kann sein Interesse bei seiner Kommune anmelden“, sagt der Gerichtsdirektor. Insgesamt werden 40 Personen für das Amts- und das Landgericht gesucht.