Vor so großem Publikum sprechen die Neu-Ulmer OB-Kandidaten sicher nicht häufig. Knapp 400 Menschen sind am Donnerstagabend in den Wiley-Club gekommen, um bei der Podiumsdiskussion von SÜDWEST PRESSE und Neu-Ulmer Zeitung zu hören, welche Pläne Katrin Albsteiger (CSU), Antje Esser (PRO), Roland Prießnitz (FWG), Alfred Schömig (FDP), Karl-Martin Wöhner (Bürgerliste) und Walter Zerb (Grüne) für die Stadt haben. Ein paar Schlaglichter.

Stadtentwicklung Neu-Ulm wird immer größer. Die Kandidaten sind sich einig: Das Wachstum ist Chance und Herausforderung zugleich. Chance, weil Fachkräfte und Familien zuziehen, weil das Beleg ist für die Attraktivität der Stadt. Herausforderung, weil zum Beispiel mehr Wohnungen, Kitas und Schulen nötig sind. Schömig ist sicher: „Neu-Ulm kann den Spagat.“ Das Einfamilienhaus werde zum Luxus, meint Wöhner, der im Wohnungsbau eine 30-Prozent-Sozialquote wie in Ulm durchsetzen will. Zerb und Prießnitz denken zur Entwicklung neuer Wohngebiete auch an den Landkreis, Esser hält Nachverdichtung für nötig. Albsteiger will einen Entwicklungsplan erstellen für alle Orts- und Stadtteile.

Nur ein OB-Kandidat ist klar für die Straßenbahn

Nahverkehr Klar, alle wollen mehr und besseren ÖPNV, natürlich auch mit alternativen Antrieben. Und eine Straßenbahn? „Auf jeden Fall nach Ludwigsfeld“, sagt Wöhner. Prießnitz ist skeptisch: „Der Bau der Linie 2 war eine riesige Belastung, das will ich den Bürgern ersparen.“ Die Schiene sei zwar schnell, meint Esser, zuerst müssten aber die Buslinien optimiert werden. Albsteiger ist offen: Ob Straßenbahn oder Seilbahn – sie will erst einmal eine Machbarkeitsstudie auf dem Tisch liegen haben. Schömig ist da ganz bei der CSU-Kandidatin.

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Mobilität Weniger Autos, dafür mehr Radwege – auch da herrscht Einigkeit. Wöhner bekannte sich als einziger zum Bau einer vierten Donaubrücke: „Nicht weil ich sie will, sondern weil wir sie als wachsende Stadt einfach brauchen.“ Zerb setzt dagegen auf die Stadt der kurzen Wege. Wenn es zum Beispiel eine bessere Nahversorgung gäbe, entstünde schon mal weit weniger Verkehr, meint der Grüne. Neu-Ulm müsste sämtliche Mobilitätsformen viel besser vernetzen und dazu auch die Digitalisierung nutzen, meint PRO-Kandidatin Esser. Schömig findet: Die Stadt hätte sich die Millionen für neue Tiefgaragenplätze sparen können. Er würde sich lieber  dafür einsetzen, dass Innenstadtbewohner über Nacht das Parkhaus der Glacis-Galerie nutzen können. Aus ihrem Wahlkampf, sagte Albsteiger, wisse sie: „Mobilität ist das Top-Thema der Menschen.“ Für sie steht deshalb fest: „Wir brauchen einen Masterplan Mobilität.“

OB-Kandidaten setzen auf besseren Umgangston mit den Bürgern

Kultur Alle sechs Kandidaten hatten ihre Hausaufgaben gemacht. Sie überboten sich fast im Aufzählen der kulturellen Einrichtungen, die es in der Stadt gibt. Und hatte einer eine nicht erwähnt, nannte sie der nächste. Die Botschaft war klar: Kultur ist allen wichtig. Manche definierten den Begriff Kultur aber auch ganz anders. Als „Kultur des Miteinanders“ (Albsteiger) oder als „Kultur des Top-Downs“, in der das Rathaus die Bürger vor den Kopf stoße und die natürlich enden müsse (Schömig). Auch da waren sich die Kandidaten einig: Sie möchten die Bürger einbeziehen und mitentscheiden lassen.

OB-Kandidaten uneins über Zukunft des Barfüßers

Barfüßer Die Abriss-Pläne für den Barfüßer haben in Neu-Ulm für heftige Diskussionen gesorgt. Gastronom Ebbo Riedmüller möchte an der Donau ein Hotel bauen, eine private Initiative träumt dagegen von einem soziokulturellen Kultur-Casino, am besten dauerhaft. Die Ansichten der sechs OB-Kandidaten gehen da deutlich auseinander. Gegen eine solche Zwischennutzung hat zwar keiner etwas. Aber dauerhaft? Ja, sagt Schömig, „ich unterstütze das komplett und möchte den Barfüßer auf Dauer erhalten“. Zerb hängt nicht an dem ehemaligen Offizierscasino, aber an dem Grundstück. „Ich will dort kein Hotel, und ich möchte die Bäume erhalten“, sagte der Grüne. Er könnte sich an der Stelle einen Neubau vorstellen als „Ort für die Bürger“. Neu-Ulm könne sich das nicht leisten, meint Esser. Sie will „keine falschen Erwartungen wecken“. Lieber wäre ihr, „die Idee vom Bauwerk zu trennen“. Das sieht Albsteiger genau so. Was mit dem Gebäude passieren soll, will Prießnitz die Bürger entscheiden lassen. Für ihn steht aber fest: Ein Hotel will er „auf dem letzten Filet-Grundstück an der Donau“ nicht.

Für Sie beim Wahlforum im Einsatz


Berichterstattung Die OB-Kandidaten stellten sich im Wiley-Club den Fragen von Niko Dirner (SÜDWEST PRESSE) und Michael Ruddigkeit (Neu-Ulmer Zeitung). Über die Diskussion berichten Chirin Kolb, Christoph Mayer, Hans-Uli Mayer und Laura Liboschik. Fotos: Matthias Kessler.