Flüchtlinge Panische Angst vor der Abschiebung

Kritische und mahnende Worte sagten die Gesprächsteilnehmer auf dem Podium im Anschluss an den Film. 
Kritische und mahnende Worte sagten die Gesprächsteilnehmer auf dem Podium im Anschluss an den Film.  © Foto: Barbara Hinzpeter
Neu-Ulm / Barbara Hinzpeter 20.09.2018

Scharf kritisierte der SPD-Bundestagsabgeordnete Karl-Heinz Brunner beim Filmabend über Afghanistan die Ausländerbehörden: „Wie die Bittsteller bei der Zentralen Ausländerbehörde gnadenlos angelogen werden, das ist die Saat, die dazu geführt hat, dass man Menschen verwaltungsrechtlich korrekt in Konzentrationslager schickte.“ Er habe Angst, dass diese Saat aufgehe, so Brunner. Diese Aussage provozierte nicht nur einen empörten Zwischenruf, ein Zuhörer will den Politiker zudem „wegen Volksverhetzung und Diffamierung von Behörden“ anzeigen, wie er der SÜDWEST PRESSE schriftlich mitgeteilt hat.

Veranstaltet hatten diesen Film­abend über freiwillige und abgeschobene Rückkehrer nach Afghanistan der Elchinger Freundeskreis Asyl und die Friedrich-Ebert-Stiftung. Deren Büroleiter in Afghanistan, Mirco Günther, hat den Film „Return to Afghanistan – Die vielen Gesichter von Flucht und Migration“ produziert. Terror, Krieg und Kriminalität forderten immer mehr Opfer – 80 bis 100 pro Tag und auf allen Seiten, betonte er beim Podiumsgespräch. Die Hauptstadt Kabul habe sich in den vergangenen Jahren völlig verändert: Anstelle von Gärten sehe man heute Stacheldraht und Mauern, er selbst fahre nur noch im gepanzerten Fahrzeug. Urs Fiechtner (Amnesty International und Behandlungszentrum für Folteropfer Ulm) und der Dornstadter Miernasrodien Rafizada bestätigten die Einschätzung, dass sich die Sicherheitslage dramatisch verschlechtert habe. Rafizada, der jedes Jahr mit Hilfsgütern in sein Heimatland reist, ist beim letzten Mal selbst nur knapp einem Anschlag entkommen. „Die Terroristen haben jetzt ihre Taktik geändert und feuern mit Raketen auf Kabul“, beschrieb er die aktuelle Situation in dem Land, das seit 40 Jahren von Krieg und bewaffneten Auseinandersetzungen gebeutelt wird. Unter den hier lebenden Afghanen, die nur geduldet seien und die ihre Zeit hier genutzt hätten zum Lernen, grassiere panische Angst vor Abschiebung, sagte Sigrid Thelen vom Freundeskreis Asyl in Elchingen. Zusätzlich zum Flucht-Trauma und zur Furcht vor Abschiebung komme neuerdings auch die „Angst vor den Deutschen“ hinzu, berichtete Fiechtner.

Thelen erinnerte an Namid A., der am Tag seiner Hauptschul-Abschlussprüfung abgeschoben wurde und einen Tag lang nicht gewusst habe, wo er sich befand.  Für denselben Flug am 3. Juli sei auch Basir S. vorgesehen gewesen. Die Polizei hatte ihn jedoch nicht in der Asylunterkunft in Unterelchingen angetroffen. Sein Fall wird erneut geprüft.

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