„Stadt frei, Kreis frei, stark!“ Blaue Plakate mit diesem Schriftzug stehen seit Wochenanfang in der Neu-Ulmer Innenstadt. Sie sollen für die Kreisfreiheit werben, die die Stadt anstrebt. Die Auftraggeber dieser Kampagne sind die Rathaus-Fraktionen von CSU, SPD, Grünen und PRO Neu-Ulm. Wer hinter dieser Kampagne steht, wird auf die Plakate allerdings nicht klar, denn die Initiatoren sind nachträglich überklebt worden.

Das Ganze hat eine Vorgeschichte: Die SPD-Fraktion ist zwar mit Ausnahme dreier Stadträte für den Nuxit, die Parteibasis in Neu-Ulm und Pfuhl eher dagegen, wie auch deren Vorsitzende, die Stadträte Erich Krnavek (Neu-Ulm) und Rudolf Erne (Pfuhl). Wie Erich Krnavek berichtet, habe die SPD-Fraktionsvorsitzende Antje Esser über die gemeinsame Plakataktion in der SPD-Fraktion abstimmen lassen, als diese schon gedruckt waren. Bei dieser Abstimmung habe es dann ein Patt gegeben, also keine Mehrheit. Die Folge: Die SPD musste auf den Plakaten im Nachhinein unkenntlich gemacht werden. Weil das offenbar einen schlechten Gesamteindruck gemacht hätte, so vermutet Krnavek, seien wohl alle Fraktionsnamen überklebt worden. „Das ist tatsächlich saublöd gelaufen“, gesteht Fraktionschefin Esser ein.

Karl-Martin Wöhner, wie Antje Esser ein Befürworter der Kreisfreiheit, begründete das Abstimmungsverhalten in der SPD-Fraktion. Diese 4000 Euro teure Imagekampagne pro Nuxit mache doch wenig Sinn angesichts der Tatsache, dass über die Kreisfreiheit nicht die Neu-Ulmer Bürgerschaft, sondern allein der bayerische Landtag abstimmen werde. Ein per Bürgerbegehren gefordertes Votum aller Neu-Ulmer war im Mai dieses Jahres im Stadtrat als unzulässig bezeichnet und auch verhindert worden.