Eine der wohl kleinsten Destillerien der Welt steht im Neu-Ulmer Stadtteil Reutti und hier wird „herrlicher Gin“ hergestellt. Ganz nach dem Motto „klein, aber fein“, hat dieser gerade auch noch mehrere Medaillen abgeräumt. Brenner des guten Tropfens ist Frank Steinle. Er begrüßt seine Kunden in seinem Haus in Reutti: Er rollt einfach das Garagentor hoch – und schon steht man mittendrin in der Destillerie Château Steinle. Darin duftet es würzig und mediterran nach vielen verschiedenen Kräutern, denn hier lagern auch die sogenannten Botanicals. Es handelt sich dabei um:
  • Beeren
  • Kräuter
  • und Früchte,
die für die Herstellung von Gin verwendet werden.

Château Steinle: Wie aus einer Schnapsidee ein Hobby wurde

Der 49-Jährige zeigt stolz seine kleine Brennerei. Zu Recht – denn eine Destillerie in der Garage sieht man ja nicht alle Tage. Wie kommt man dazu? „Eigentlich war es eine Schnapsidee“, lacht Steinle. „Ein guter Freund von mir ist Gin-Liebhaber und vor Jahren fingen wir an, Tonic Water selbst herzustellen. Dann war schnell die Idee da, auch den Gin selbst zu brennen, deshalb bekam ich vor vier Jahren zum Geburtstag eine kleine Destille geschenkt und damit hat eigentlich alles angefangen“, so Steinle. „Im ersten Jahr habe ich sehr viel gelesen und überlegt, was kräutertechnisch zusammenpassen könnte. Das hab ich dann direkt ausprobiert. Das fertige Produkt war einfach herrlich – da war auch der Name für den Gin  geboren, Herrlich-Gin“, grinst er.

Frank Steinle absolvierte Brenn-Lehrgang in Österreich

Steinles Freunde  gaben so viel positives Feedback, dass die Idee aufkam, das Ganze professionell zu betreiben. „Aber ich hatte zu der Zeit weder Platz – da stand noch ein Auto in der Garage – noch Zeit. Und an Geld für so ein Projekt mangelte es auch“, erklärt Steinle, der eine kleine Marketingagentur führt, aber auch als DJ arbeitet, zum Beispiel beim Disco Inferno. Eine Lösung war schnell gefunden: „Ich habe es mit Crowdfunding probiert und siehe da, in kürzester Zeit  hatte ich 300 Flaschen vorverkauft. Ich gebe zu, da hab ich auch ein bisschen Bammel gekriegt – jetzt musste ich 300 Flaschen Gin ausliefern“, erinnert sich Steinle. Also hieß es Auto raus aus der Garage, Mini-Destille bauen lassen und ab zu einem Brennlehrgang nach Österreich.

Bei den „World Spirit Awards“ abgeräumt

Dann hat Steinle auch noch die Behörden abgeklappert, Zoll, Gesundheitsamt und so weiter. Und als alles erledigt war, stand der Ginbrennerei nichts mehr im Weg. „2016, im Dezember, hab ich den ersten Gin ausgeliefert, eben an die Crowdfunder. Und dann lief es eigentlich vom ersten Tag an richtig gut. Ich bin sogar in der Zeitschrift ,Beef´ gelandet und wurde gut bewertet – wunderbare Werbung.“ Letztes Jahr beschloss Frank Steinle, sich bei den „World Spirit Awards“ zu bewerben. „Ich dachte ursprünglich, das läuft wie bei vielen anderen Marketing-Preisen, man kauft sich da quasi ein. Es war aber doch anders, wovon ich mich persönlich überzeugen konnte, denn ich bekam einen Anruf, dass ich nach Venedig kommen solle, weil ich Medaillen abgeräumt hätte ...“

Gin aus Reutti: Preise steigern Bekanntheit

„Da war ich schon baff, der Gin wird dort tatsächlich von einer Jury aus 70 Leuten bewertet, die alle Destillate blind verkosten. Dabei haben die von den 32 von mir verwendeten Kräutern tatsächlich 28 rausgeschmeckt, das ist ziemlich gut. Ich habe auch einige Tipps bekommen, was man noch verbessern könnte. In diesem Jahr hab ich dann nochmal mitgemacht und tatsächlich dreimal Gold und einmal Silber für meine Gins bekommen, da bin ich schon stolz drauf. Deswegen habe ich auch schon Nachschub gebrannt, die Nachfrage hat dank der Medaillen gut angezogen und Händler aus ganz Deutschland melden sich nun bei mir.“