Justiz Neu-Ulmer Gericht schickt Grapscher ins Gefängnis

Neu-Ulm / Thomas Vogel 11.01.2019

Mehrfach versagte der jungen Frau vor dem Amtsgericht die Stimme, mehrfach brach sie in Tränen aus. Und doch schaffte sie es, das Geschehen der fraglichen März-Nacht vorigen Jahres sachlich und „ohne Belastungseifer“ zu schildern, wie Richterin Gabriele Buck später in ihrer Urteilsbegründung sagen sollte.

Der Angeklagte dagegen erweckte den Eindruck, als habe er kein Bewusstsein für die Tragweite seiner Tat, die er als Bagatelle darzustellen versuchte. Den Termin hatte er verschlafen, er war von der Polizei vorgeführt worden. Die junge Frau hat an den Folgen bis heute zu leiden. „Es geht mir nicht gut.“ Sie musste, wie sie sagte, ihre Schulausbildung abbrechen, nächtens gehe sie kaum noch aus dem Haus.

Wohl auch, weil sich aus einer solchen Ausgeh-Situation heraus das horrible Geschehen entwickelt hatte. Mit zwei Freundinnen hatte sie sich am Abend des 17. März vorigen Jahres von der Kasernstraße aus auf den Weg zur Bushaltestelle am Neu-Ulmer Rathaus gemacht. Kaum auf der Straße, traf das Trio auf sechs Männer, „eine Horde“, wie das Opfer sagte. Sie habe ein mulmiges Gefühl bekommen, es sollte sie nicht trügen. Einer aus der Gruppe habe sie am Arm gepackt, ein anderer – der Angeklagte – im Intimbereich angegrapscht.

Video zeigt Tat

In der Ludwigstraße dann ein zweiter Vorfall. Dort umzingelte die Gruppe die Frauen. Während die Freundinnen sich losreißen konnten, wurde die junge Frau vom Beschuldigten erneut unsittlich berührt. Und gleich darauf noch ein drittes Mal, als sie in einen zwischenzeitlich angekommenen Bus einsteigen wollte. Bei der Verhandlung gab der Angeklagte an, diesmal abseits gestanden zu haben. Eine Lüge, wie eine Videoaufnahme beweist, auf der das Geschehen am Einstiegsbereich des Busses festgehalten ist.

Wenige Tage später führten die Ermittlungen der Polizei zum Erfolg. Der Grapscher ist ein 27-jähriger anerkannter Asylbewerber aus Eritrea, der im Alb-Donau-Kreis wohnt. Ehefrau und Sohn leben in seiner Heimat. Eine Tischlerlehre nennt er als sein nächstes Ziel.

Richterin Buck reichte dies nicht für eine positive Sozialprognose. Sie ließ sich auch von Pflichtverteidiger Georg Mayer nicht davon überzeugen, dass sich das Delikt „im unteren Rahmen“ bewege. Die Vorsitzende maß der Entschuldigung des Täters bei seinem Opfer kein größeres Gewicht bei, wohl aber der Tatsache, dass dieses bis heute „echte Probleme“ habe. Mit einem Jahr und drei Monaten blieb sie nur um einen Monat unter der Strafe, die der Staatsanwalt gefordert hatte.

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