Neu-Ulm / Chirin Kolb Hilmar Brunner tritt beim CSU-Ortsverband Neu-Ulm nicht mehr als Vorsitzender an. Die Mitglieder sind überrascht, einige verärgert.

Mit dieser Wendung hatte kaum jemand gerechnet. Und die, die Bescheid wussten, konnten auf die Schnelle nichts mehr ausrichten. Der CSU-Ortsverband Neu-Ulm steht seit der Hauptversammlung jedenfalls ohne Vorsitzenden da. Hilmar Brunner hatte den überraschten Mitgliedern verkündet, dass er sich nicht erneut zur Wahl stellen werde. Er könne das Amt zeitlich nicht mehr vereinbaren mit seinem Job und seiner Familie.

Rückzug mit Ankündigung

Schon vor Wochen hatte Brunner, wie zu hören ist, seinen Vorstandskollegen mitgeteilt, dass er sich mehr Entlastung wünsche. Erst zwei Wochen vor der Hauptversammlung habe er aber angekündigt, er werde sich vom Amt des Vorsitzenden ganz zurückziehen. Daraufhin liefen die Telefone heiß, die Suche nach einer Nachfolgerin oder einem Nachfolger hielt den örtlichen Parteivorstand in Atem. Vergebens. „In so kurzer Zeit hat sich niemand gefunden“, sagt die stellvertretende Vorsitzende Waltraud Oßwald.

Hilmar Brunner wirbt um Verständnis für seine Entscheidung. Erst im Februar hätten sich an der Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung in Mannheim, wo der Jurist eine Professur hat, Änderungen ergeben, die von ihm mehr Präsenz erfordern. Das bedeute auch: weniger Zeit für die Familie und die älter werdenden Eltern. Deshalb müsse er bei seinem „Hobby und Ehrenamt“ Politik kürzer treten.

Dass kein Nachfolger bereit steht, bedauert er. „Ich habe bis zwei Minuten vor Sitzungsbeginn versucht, jemanden zu finden.“ Aus satzungsrechtlichen Gründen sei es nicht möglich gewesen, die Hauptversammlung zu verschieben. Durch die drei Stellvertreter sei aber sichergestellt, dass die Arbeit geregelt weiterläuft.

Unruhe im Publikum

Für die Mitglieder kam diese Entwicklung überraschend. Etliche reagierten laut Augenzeugen auf Brunners Rückzugs-Ankündigung mit Rätselraten und Unverständnis, andere wie OB Gerold Noerenberg und Brunners Vorgänger Reinhard Junginger ungehalten. Die Neu-Ulmer CSU fasst die Reaktionen auf ihrer Homepage so zusammen: „An der Unruhe im Publikum konnte man feststellen, dass die meisten der Anwesenden von dieser Aussage überrascht wurden. Entsprechende Wortmeldungen von Reinhard Junginger und Oberbürgermeister Gerold Noerenberg vertieften diesen Eindruck.“

Unter Mitgliedern ist von „konsterniert“ und „überfahren“ die Rede. Für Verwunderung sorgt auch, dass es im CSU-Vorstand nicht gelungen ist, für einen geordneten Übergang zu sorgen. Begriffe wie „fehlende Abstimmung“ und „mangelnde Kommunikation“ machen die Runde. Waltraud Oßwald will sich nicht weiter äußern. Ihr Vorstandskollege Thomas Mayer versucht, den Vorgang tiefer zu hängen. „Die Arbeit wird trotzdem gemacht, jetzt eben zu dritt“, sagt Mayer. Er und Stephan Schlüter wurden an dem Abend neu zu Stellvertretern gewählt, Waltraud Oßwald im Amt bestätigt. Das Trio sucht nun einen neuen Vorsitzenden oder eine neue Vorsitzende und hofft, bis Pfingsten fündig geworden zu sein. „Jetzt haben wir etwas mehr Luft und stehen nicht mehr so unter Zeitdruck“, sagt Oßwald. „Wir wollen dem Neuen ein geordnetes Feld übergeben.“

Großes Echo unter Mitgliedern

Der Vorgang habe „ein großes Echo“ unter den Mitgliedern ausgelöst, sagt Johannes Stingl, der als Vorsitzender des CSU-Stadtverbands die Wahlen des Neu-Ulmer Ortsverbands leitete. „So etwas verunsichert die Mitglieder.“ Die CSU brauche aber ruhiges Fahrwasser vor der Europawahl und der Kommunalwahl 2020.

Für die Kommunalwahlen am 26. Mai sind in der Region knapp eine Viertel Million Menschen wahlberechtigt. Ende März laufen erste Fristen aus.

Hilmar Brunner ist wie Oßwald, Mayer und Stingl Stadtrat. Er führte den CSU-Ortsverband seit 2015 und rückte für den Ende 2017 verstorbenen Rupert Seibold in den Stadtrat nach.

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Neu-Ulmer CSU

113 Mitglieder hatte der CSU-Ortsverband Neu-Ulm zum Stichtag 31. Dezember 2018, fast drei Viertel davon sind Männer. Der Altersdurchschnitt der Mitglieder beträgt 58 Jahre.