Stadtentwicklung Neu-Ulm: Bürger kritisieren Bauprojekt am Neu-Ulmer Bahntrog

Blick von der Reuttier Straße aus: Dieses Hotel markiert das Eingangstor zum geplanten Großprojekt am Neu-Ulmer Bahntrog. Dahinter entsteht weitere Wohnbebauung.
Blick von der Reuttier Straße aus: Dieses Hotel markiert das Eingangstor zum geplanten Großprojekt am Neu-Ulmer Bahntrog. Dahinter entsteht weitere Wohnbebauung. © Foto: Büro Obermeier und Traub
Neu-Ulm / Christoph Mayer 14.02.2019

Rund 10 000 Quadratmeter misst die Brachfläche östlich der Reuttier Straße zwischen Bahntrog und Neu-Ulmer Bahnhofstraße. Auf dem schmalen, knapp 450 Meter langen Grundstück hat der Ulmer Investor Bekir Cam  viel vor. Er will dort ein achtgeschossiges Hotel mit 130 Zimmern sowie sechs Wohnhäuser mit insgesamt 100 Wohnungen (davon 23 sozial geförderte) bauen. Zum Projekt gehören auch 65 Studentenwohnungen im alten Leplat-Gebäude, das am östlichen Ende des Baufelds an der Bahnhofstraße liegt.

Linksabbiegen ist tabu

Am Dienstagabend stellte die Stadt den Bürgern im voll besetzten Johannessaal die Planungsentwürfe vor, Stadtbaudirektor Markus Krämer stand Rede und Antwort. Vor allem wegen der geplanten Erschließung des Areals durch eine Stichstraße gab es kritische Fragen. Denn die Einfahrt auf das wie auch die Ausfahrt aus dem künftigen Wohngebiet wird nur für Rechtsabbieger über die stadteinwärts führende Fahrspur  der Reuttier Straße möglich sein. Linksabbiegen ist tabu. Wer von der stadtauswärts führenden Seite der Reuttier Straße kommt oder beim Ausfahren dorthin will, muss eine längere Strecke bis zur nächsten Kreuzung/Kreisverkehr zurücklegen, um dort zu wenden. Eine Anbindung über die angrenzende Bahnhofstraße wird es nicht geben. Anwohner fürchten, dass die ohnehin staugeplagte Reuttier Straße die zusätzliche Belastung nicht verkraftet.

Verkehrssituation Droht ein Verkehrskollaps? Mit wie vielen zusätzlichen Autos rechnet die Stadt? Stadtbaudirektor Krämer spricht von „zuverlässigen Berechnungen“ eines Gutachterbüros. Demnach ist nach Fertigstellung und Bezug des Wohn- und Hotelareals mit 625 zusätzlichen Fahrten täglich zu rechnen. Selbst zu Spitzenverkehrszeiten morgens und abends werde nur ein Auto pro Minute prognostiziert, das auf das oder vom Gelände fahre.  „Das ist harmlos und wird keine Staus verursachen“, so Krämer. Er verglich die Situation mit der Ulmer Zinglerstraße in Höhe Zinglerberg. Auch dort seien ein Hotel sowie mehrere Gebäude nur von einer Seite anfahrbar. „Das klappt gut.“

 

Bebauung  Warum wird das Gelände überhaupt bebaut? Grünflächen täten der Stadt dort besser – zumal dies im ursprünglichen Flächennutzungsplan auch so vorgesehen war. Ein Bürger unter Applaus: „Machen sie das Projekt rückgängig!“ In der Tat wurde der ursprüngliche Flächennutzungsplan vom Stadtrat erst 2011 geändert und dort Bebauung zugelassen. Als Gründe nannte Krämer den großen Zuzugsdruck. „Neu-Ulm wächst.“ Da sei es sinnvoller, eine innerstädtisch gut erschlossene Brachfläche zu bebauen als Neubaugebiete auf der grünen Wiese  auszuweisen. „Der Flächenfraß kann so nicht weitergehen.“ Mit den Glacis-Anlagen, dem Wiley-Park und dem Donauufer gebe es genügend Naherholungsflächen in der Nähe.

Weltkriegsbomben Wird – wie bei den Bauarbeiten am Südstatdtbogen – wieder mit zig Funden von Blindgängern aus dem Zweiten Weltkrieg zu rechnen sein, was die Bauarbeiten verzögert und Evakuierungen nach sich zieht? Damit sei nicht zu rechnen, so Krämer. Eine Luftbildauswertung habe nichts Nennenswertes ergeben. „Das Gebiet ist nicht so intensiv bombardiert worden wie das Gelände unmittelbar beim Bahnhof.“

 

Parkplätze Im neuen Wohngebiet wird es pro Wohneinheit einen Stellplatz (in insgesamt zwei Tiefgaragen) geben. Doch viele Bewohner, vor allem berufstätige Paare, werden zwei Autos haben. Wohin mit dem ganzen Blech? In Innenstädten herrsche nun mal Parkplatznot, sagte der Stadtbaudirektor. Die Stadt biete jetzt schon jede Menge Mietparkplätze in der benachbarten Industriestraße an, die aber kaum nachgefragt würden. „Einfach so kostenlos im Innenstadtbereich parken, das geht nicht mehr.“

 

Luftqualität  Bauliche Verdichtung, dazu mehr Autos, wird das nicht zu  schlechterer Luft führen? Krämer: „Wir haben in der Innenstadt sicher keine Waldluft aber die gesetzlichen Grenzwerte werden nicht überschritten.“

Info  Die Bebauungsplanentwürfe liegen bis Freitag, 8. März, Im Rathaus Neu-Ulm (Stadtplanung, 3. Stock) aus. Während dieser Zeit kann jeder Bürger schriftlich oder mündlich Stellungnahmen einbringen.

Satzungsbeschluss im Sommer, Baubeginn 2020  

Rückschau Nach langen Diskussionen hatte der Neu-Ulmer Stadtrat im vergangenen Dezember die Bebauungspläne für das Cam-Areal auf den Weg gebracht. Seit 2011 hatte Investor Bekir Cam versucht, die Bebauung genehmigt zu bekommen, erst nur für die Studentenwohnungen im Leplat-Gebäude. Als er dann von der Bahn AG das fast 9000 Quadratmeter große Grundstück am Trog kaufte, plante er Größeres. Cam hatte sich in einem Bieterverfahren der Bahn durchgesetzt, die Stadt hatte erfolglos mitgeboten.

Vorschau Nach Ende der Auslegungsfrist (siehe Info) prüft und behandelt die Stadt die eingegangenen Stellungnahmen von Bürgern und anderen Trägern öffentlicher Belange. Ein formaler Satzungsbeschluss soll noch vor der Sommerpause erfolgen. Theoretisch könnte der Investor danach sofort mit den Bauarbeiten beginnen. Bekir Cam zufolge dürfte es aber erst Anfang 2020 losgehen.

Investition Das Investitionsvolumen beträgt mehr als 40 Millionen Euro.

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