Neu-Ulm / Von Edwin Ruschitzka  Uhr
Auf vielen Wiesen im Neu-Ulmer Stadtgebiet wachsen neuerdings Blumen. Ein El Dorado für Insekten – und ein Beitrag für den Artenschutz.

Wolfgang Gaus, der Geschäftsführer des Gerlenhofener Arbeitskreises Umweltschutz (GAU), war ganz euphorisch: Zusammen mit Landwirten und der Stadt Neu-Ulm ist es gelungen, eine Fläche so groß wie 30 Fußballfelder zu so genannten Blühwiesen umzuwandeln, insgesamt 20 Hektar. Dort wachsen 29 verschiedene Blumensorten und zwölf verschiedene Gräser – ein El Dorado für Insekten und ein Rückzugsgebiet für seltene Schmetterlinge wie den Schwalbenschwanz.

Angefangen hat es im vergangenen Jahr, als der GAU mit Hilfe von zwei Landwirten auf drei Hektar Ackerland Blumensamen ausgesät hat. Diese Flächen stehen bereits in voller Blüte – und das mit roten Lichtnelken, dem Wiesen-Bocksbart, der gelb blüht, oder den blauen Flockenblumen, um nur drei Sorten zu erwähnen, die die Farbenvielfalt zeigen.

Beitrag zum Artenschutz

In diesem Jahr kamen weitere 17 Hektar Flächen dazu, neun Hektar von der Stadt, acht Hektar wieder von Landwirten. Die ganze Aktion war übrigens lange vor dem Volksbegehren „Rettet die Bienen!“ aufs Gleis geschoben worden.

Mit knapp einer Million Unterschriften hat das Volksbegehren zur Artenvielfalt in Bayern „Rettet die Bienen“ die erste Hürde gemeistert.

Die Stadt Neu-Ulm hat den Samen gekauft. Und sie verzichtet auf die Pacht. „Das ist unser Beitrag zum Artenschutz“, sagte OB Gerold Noerenberg bei der Präsentation einer Blühwiese in Gerlenhofen, „wir wollten ein Zeichen setzen.“ Gegen private Steingärten beispielsweise, die ihm ein Dorn im Auge sind. Die Leiterin der städtischen Garten- und Friedhofabteilung Doris Stieglitz ergänzte noch, dass die Stadt das so genannte Straßen­begleitgrün in Blühwiesen umwandeln wird, „dort, wo es nicht gegen die Sicherheit spricht.“

In Baden-Württemberg machen sich Imker sorgen um die Zukunft der Bienen - und der Artenvielfalt. Auch sie wollen nun ein Volksbegehren.

Wolfgang Gaus findet die ganze Aktion nur noch „grandios“. 20 Hektar Blühwiesen seien eine „echte Hausnummer“ und ein Zeichen, „was möglich ist, wenn alle ein gemeinsames Ziel vor Augen haben.“ Er hat auch schon Menschen beobachtet, die die Blüten sammeln. Und so mancher Muttertagsstrauß sei auch schon gepflückt worden. Das alles sei erlaubt. Und wenn Heu nach dem zweimaligen Mähen pro Jahr gemacht wird, hätten auch die Landwirte etwas davon.

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Wer ist der GAU?

Verein: Der Gerlenhofener Arbeitskreis Umweltschutz wurde 1980 gegründet und hat inzwischen fast 1000 Mitglieder. Geschäftsführer ist Wolfgang Gaus. Der Verein hat sich auf die Fahne geschrieben, dafür zu sorgen, dass die Heimatregion „vielfältiger und bunter“ wird. Zu den Projekten gehören die Renaturierung des Plessenteichs, der Biotopverbund Illerschleife, die Pflege von Streuobstwiesen, Exkursionen und Führungen sowie die jährliche Apfel- und Pilzausstellung im Autohaus Wuchenauer. Von der Stadt wird der GAU mit jährlich 65.000 Euro unterstützt.