Neu-Ulm / Beate Storz

Vorteil der Doppelstadt: Es gibt vieles doppelt. Auch den Weihnachtsmarkt. Der große Ulmer hat überregionalen Charakter, dagegen ist der kleinere in Neu-Ulm eher familiär angelegt. Er ist auch die Alternative für diejenigen Besucher, die den großen Trubel rund ums Münster nicht mögen. Der Neu-Ulmer mittelalterliche Weihnachtsmarkt ist überschaubar, so dass man beim Verlassen nicht das Gefühl haben muss, das Wichtigste nicht gesehen zu haben. Nein, man hat alles gesehen und kann alles nutzen.

Wer in Ulm den Eindruck hat, dass die Essstände überwiegen – was sie aber rein zahlenmäßig nicht tun –, den beschleicht dieses Gefühl in Neu-Ulm auf den Rathaus- und dem Johannesplatz nicht. Dies- und jenseits der Ludwigstraße finden sich natürlich Stände mit weihnachtlich oder profan Essbarem von der heißen Wurst über Wildgulasch, Käs­spätzle, Langos, Ofenkartoffeln bis hin zu Crêpes. Erwärmend sind Glühwein, die Feuerzangenbowle oder der Kirschmet.

800 Jahre alte Technik

Daneben gibt es genügend Kunsthandwerker, die ihre Erzeugnisse anbieten. Da ist Meister Friedrich aus München. Der Drechsler zeigt seine selbst gebaute Wibbogen-Drechselbank. Er weiß, dass derartige Drehbänke im zwölften Jahrhundert eingesetzt wurden.

Kinder dürfen bei ihm an die Maschine und selbst das Drechseln ausprobieren. Für die Großen gibt es kunstvoll hergestellten Holzschmuck. „Die Haarnadeln sind sehr beliebt, vor allen die dünneren“, erzählt er. Herzchen und Engelchen hat er als Kettenanhänger im Angebot, außerdem eine große Auswahl an Flaschenkorken. Sie sind alle aus Holz gedrechselt, manche haben auch geschnitzte Endstücke.

Meister Friedrich arbeitet am liebsten mit dem Holz von Zwetschgenbäumen oder Eiben. „Die Eibe hat ja eine mystische Bedeutung und wer sie bei sich trägt, ist vor dunkler Gewalt geschützt“, weiß er. Der Kunsthandwerker kann auch historische Drehleiern bauen und spielen. Er erklärt den Besuchern gern, was er tut und warum er es so tut, wie er es macht. Wer mag, darf auch selbst mal an die Werkzeuge.

Das passende Wams

Mittelalterliche Kleidung und Bestecke bietet Hannes Wünsche an. Bei ihm kann man sich komplett mittelalterlich mit Hose, Hemd, Rock, Wams und Mantel einkleiden. Er hat auch kleine Accessoires wie Gürteltaschen aus Leder. „Die nähen wir in unserer Werkstatt in Leipzig. Für die Taschen verwenden wir Rindsleder, für die Kleidungsstücke ist das weichere Ziegenleder besser geeignet“, erläutert Wünsche.

Seine Gürteltaschen gibt es auch mit echten Tierfellen, wie beispielsweise Silberfuchs. Im mittelalterlichen Design gibt es auch passende Trinkflaschen. Sie sind außen aus Leder und innen aus Kunststoff. „Eigentlich müsste das innere Gefäß aus Darm sein, das wäre historisch korrekt. So will es aber keiner.“ Was er immer gut verkauft – und das beileibe nicht nur an Mittelalter-Fans – sind Chefkochmesser.

Sie sind aus Werkzeugstahl und deshalb sehr scharf, aber nicht rostfrei. Daher kommt es auf die richtige Pflege an, macht Wünsche deutlich: „Entweder sind Messer rostfrei, dann sind sie nicht scharf. Oder aber sie sind sehr scharf, dann aber nicht rostfrei. Damit sie nicht rosten, reibt man sie am besten immer mit Fett ein.“

Auf dem mittelalterlichen Weihnachtsmarkt sollen alle Sinne beansprucht werden. Deshalb gibt es auch ein kleines Kulturprogramm. Gaukler treten mit ihrer Feuershow auf, der Posaunenchor Pfuhl, die Musikkapelle Grimmelfingen, die Singklasse der Musikschule Neu-Ulm, die Stadtkapelle oder der Gospelchor Neu-Ulm bringen musikalische Weihnachtsstimmung auf den Markt.

Die Öffnungszeiten bis 20. Dezember

Programm Der mittelalterliche Weihnachtsmarkt ist bis zum 20. Dezember auf dem Rathaus- und Johannesplatz in Neu-Ulm. Geöffnet hat er Montag bis Mittwoch von 11.30 bis 21.30 Uhr, Donnerstag bis Sonntag von 11.30 bis 22 Uhr. Die Märchenzeit in der Kinderjurte ist von Donnerstag bis Sonntag jeweils um 15.30, 16.30 und 17.30 Uhr. Die Lesepaten kommen am 17., 18. und 19. Dezember jeweils um 16 Uhr in die Kinderjurte.