„Ich kann mich ja in einen Regenbogen reinsetzen.“ Michaela Meliáns Vorschlag für das Fotomotiv ist nicht so absurd, denn hinter ihr an der Wand wandern wirklich hin und wieder „Regenbögen“. Lichtbrechungen, die vom Schein des Projektors auf rotierende Prismen geschaffen werden und wieder verschwinden.

„Lunapark“ heißt die Installation, die die Künstlerin auf dem runden Tisch im Edwin-Scharff-Museum aufbaut, indem sie verschiedene Gläser hin- und herrückt: teure Kristallkaraffen, billige Plastikbecher, durchsichtige Kassettenhüllen, wertvolle Prismen. Es ist ihr Beitrag zur Ausstellung „Ausgezeichnet!“, die kommende Woche in Neu-Ulm eröffnet und zehn Träger des Hamburger Edwin-Scharff-Preises vorstellt. Melián, Professorin an der Hamburger Akademie, ist aktuelle Preisträgerin, außerdem sind wichtige Künstler wie Hanne Darboven, Daniel Richter oder Franz Erhard Walther vertreten. Als sie von ihrer Auszeichnung erfuhr, habe sie sich erstmal über Scharff informieren müssen, erzählt Michaela Melián – eine Skulptur aber erkannte sie gleich. Wie sehr sich der Begriff von Bildhauerei seit Scharff erweitert hat, kann man am „Lunapark“ schön sehen. Je nachdem, was beim meditativen Rumschieben herauskommt, verändert sich das Schattentheater, das von einem Gläser-Sound begleitet wird; mit jedem Millimeter entsteht eine neue „Skyline“. Denn eine der Assoziationen, die diese wunderschöne Installation erweckt, ist die einer utopischen Stadt. Der Titel nimmt Bezug auf die futuristische Oper „Sieg über die Sonne“, die 1913 im Lunapark-Theater in St. Petersburg uraufgeführt wurde.

Und: „Durch den Projektor hat man auch den Begriff der Projektion drin“, sagt Melián freudig. Womit sie selbst erklärt, wie ihre Kunst funktioniert – als ein Netz aus Bedeutungen, Assoziationen, Diskursen, die man aber nicht alle entschlüsseln muss, um einen Anknüpfungspunkt zu finden.

Netz aus Bezügen

Einen dieser Bezüge erklärt Michaela Melián noch, bevor sie die Journalisten freundlich verscheucht, um weiter Gläser zu rücken: Der Projektor sei ein HfG-Produkt. Die 62-Jährige kennt sich aus, für ihre Videoinstallation „Speicher“, zu sehen 2008 im Ulmer Museum, hat sie sich mit der Geschichte der Ulmer Hochschule für Gestaltung befasst. Nun schafft Melián wieder eine Verbindung, von Ufer zu Ufer.

Info Die Ausstellung „Ausgezeichnet!“ eröffnet im Edwin-Scharff-Museum am Freitag, 1. März, um 19 Uhr.