Eine Rentnerin erhält einen Anruf von einem Mann, der sich als Hauptkommissar vorstellt. „Sie sind in Gefahr“, macht er ihr klar, denn ein Einbruch in ihrer Straße habe stattgefunden und die flüchtigen Diebe hätten es auch auf ihr Haus abgesehen. Um sich zu schützen, werde man einen zivilen Beamten bei ihr vorbeischicken, der ihr Bargeld aufbewahre, bis die Gefahr vorbei ist. „Sie dürfen mit niemandem über dieses Gespräch reden, sonst machen Sie sich strafbar“, redet der vermeintliche Hauptkommissar auf die Frau ein. Er ist erfolgreich: Tatsächlich übergibt die Frau den Telefonbetrügern ihr Geld.

Zwei erfolgreiche Versuche

Was in der Polizeiinspektion Neu-Ulm in einem nachgestellten Video gezeigt wird, kommt auch in der Realität häufig vor. Der „falsche Polizist“ ist ein beliebter Trick, der  vor allem bei alten Menschen angewendet wird. 603 Betrugsversuche von falschen Bediensteten verzeichnete das Polizeipräsidium Schwaben Süd/West im Jahr 2019. In zwei Fällen waren die Betrüger erfolgreich und konnten sich einen Diebstahlwert von jeweils 25 000 und 15 000 Euro sichern.

„Bayernweit sind es insgesamt Millionenschäden“, sagt Polizeihauptkommissar Mark Schmid. Und die wenigen erfolgreichen Betrüger können im Einzelfall einen großen Schaden anrichten. „Hinter dieser Statistik stehen Menschen und persönliche Schicksale. Jedes betroffene Opfer ist eines zu viel.“

Themen glaubwürdig vermitteln

Um diese Straftaten zu verhindern, setzt das Polizeipräsidium Schwaben Süd/West schon länger auf die Hilfe von Freiwilligen. „Senioren informieren Senioren“ lautet der Name des Projektes, bei denen ältere Menschen sich gegenseitig auf die Gefahr der Trickbetrüger aufmerksam machen sollen. Gleichaltrige könnten die Themen glaubwürdiger vermitteln, so Dagmar Bethke vom Polizeipräsidium.

Schon seit etwa 20 Jahren läuft das Projekt erfolgreich. Doch mit Wolfgang Erhardt ist mittlerweile nur noch ein Seniorenberater im Landkreis Neu-Ulm aktiv. „Ich hatte beruflich viel mit Einbrüchen zu tun, also weiß ich, welchen persönlichen Schaden das anrichtet“, erklärt der ehemalige Polizeibeamte seine Motivation. 17 Mal habe er deshalb im vergangenen Jahr vor älteren Menschen über die Problematik gesprochen, bis zu 150 Menschen kamen zu seinen Vorträgen. „Es ist eine sehr interessante Arbeit, man kommt mit vielen Menschen in Kontakt“, sagt Erhardt über sein Ehrenamt.

Breites Anforderungsprofil

Das Anforderungsprofil für die neuen Seniorenberater formuliert die Polizei betont breit. „Man muss nicht unbedingt aus dem Sicherheitsbereich sein“, stellt Dagmar Bethke klar, schließlich brauche man vor allem Freiwillige, die ihren Mitmenschen die Thematik verständlich vermitteln können. Zudem werbe man explizit  um Frauen, die bisher noch nicht im Team der Seniorenberater aktiv waren.

Nach erfolgreicher Bewerbung werden die zukünftigen Seniorenberater in einer Schulung ausgebildet, in der sie neben einer thematischen Ausbildung auch über Vortragstechniken informiert werden. Interessierte können sich unter der Nummer (0831)
99 09 13 30 beim Polizeipräsidium melden.