Der auch für Stadt und Kreis Neu-Ulm zuständige Polizeipräsident Werner Strößner aus Kempten hatte am Dienstag eine Menge gute Nachrichten, aber auch eine richtig schlechte. Das Risiko, Opfer einer Straftat zu werden, sei ganz allgemein gesehen, gering. „Es ist sehr sicher, hier zu leben“, sagte der Leiter des zuständigen Polizeipräsidiums Schwaben/Südwest bei der Vorstellung der Kriminalstatistik für 2018. Ganz enorme Sorgen bereitet ihm aber die hohe Zahl an Versuchen von falschen Polizeibeamten, Menschen am Telefon zu betrügen. Strößner: „Das nimmt schon eine beängstigende Entwicklung.“

Die Form des Enkeltricks gibt es schon viele Jahre. 2017 kam die Variante auf, dass sich Anrufer bei vornehmlich älteren Menschen melden und vorgeben, von der Polizei zu sein. Auf dem Display des Telefons erscheint die Notrufnummer 110, was einen offiziellen Anstrich gibt. Dann folgen verschiedene Szenarien,  an deren Ende die Aufforderung steht, Bargeld und Schmuck an einen Polizeibeamten zu übergeben, der wenig später an der Tür klingelt.

Hohe Beute erzielt

2015 waren nur zwei solcher Vorgehensweisen angezeigt worden, 2017 waren es schon 243 und im vergangenen Jahr 1340. Für dieses Jahr geht es gerade so weiter, sagt Strößner. Allein bis Montagabend, 18. März, sei eine erneute Steigerung um 100 Prozent zu verzeichnen. Dass dabei im vergangenen Jahr nur 16 dieser 1340 Versuche erfolgreich waren, stimmt den Polizeichef nicht eben milder. In diesen wenigen Fällen ist immerhin fast eine halbe Million Euro erbeutet worden. Laut Strößner gibt es keinerlei Entspannung.

„Die Polizei ruft niemals unter der 110 an“, sagte er. Außerdem würde keine Behörde, egal ob die Polizei, die Staatsanwaltschaft oder das Finanzamt,  telefonisch die Übergabe von Wertsachen, Bargeld oder Überweisungen verlangen.  Er rät zu einem gesunden Misstrauen, und dazu, für etwaige Rückrufe ein anderes Telefon zu benutzen, weil die Täter es technisch verstünden, die Gesprächsleitung aufrecht zu erhalten. Ein beabsichtigter Kontrollanruf bei der richtigen Polizei käme dann ebenso wieder bei der falschen heraus.

Weniger Wohnungseinbrüche

Erfreuliches gibt es allerdings von den Wohnungseinbrüchen zu berichten – dem zweiten großen Thema der vergangenen Jahre. Seit dem Höchststand 2016 gehen die Zahlen zurück, im Landkreis Neu-Ulm von 126 auf 88 im vergangenen Jahr, wie der Leitende Kriminaldirektor Albert Müller sagte. Ganz offenkundig hätten die vielen verschiedenen Maßnahmen geholfen, was auch daran abzulesen sei, dass mittlerweile fast jeder zweite Einbruchsversuch misslingt. Die Aufklärungsquote freilich ist mit 18,3 Prozent weiterhin recht niedrig.

Insgesamt weist die Kriminalitätsstatistik sehr unterschiedliche Entwicklungen im Präsidiumsbereich aus. Während in Lindau 17,7 Prozent weniger Straftaten gemessen wurden, waren es im Landkreis Neu-Ulm 9,4 Prozent mehr. In der Stadt Neu-Ulm sind es sogar 17 Prozent mehr Straftaten als im Jahr zuvor. Die Details hierzu will die Polizei Neu-Ulm am Donnerstag bekannt geben. Wie aus dem Sicherheitsbericht für 2018 zu entnehmen ist, speist sich die Zunahme aber überwiegend aus Gewalt- und Drogendelikten.

Generell aber lebt es sich sicher in Stadt und Landkreis Neu-Ulm. Im ganzen Präsidiumsbereich zwischen Donau und Alpen sind 42 253 Straftaten registriert worden, was 2,2 Prozent weniger sind als noch im Jahr 2017. Strößner: „Das sind sehr gute Werte. Wir sind in Bayern auf einem sehr guten mittleren Platz.“

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