Neu-Ulm / Julia Kling  Uhr
Die Zahl der Wohnungslosen in der Region wächst. Die ökumenische Wohnungslosenhilfe unterstützt die Betroffenen seit fünf Jahren.

Gründe, warum Menschen ihre Wohnung verlieren, gibt es viele. Gescheiterte Beziehungen, der Verlust der Arbeitsstelle, psychische Probleme, häufig kommen auch mehrere Faktoren zusammen. Und manchmal kann es dann schnell gehen, dass das Geld für die Miete auch bei arbeitenden Menschen nicht mehr da ist. „Eine unvorhergesehene Autoreparatur oder eine kaputte Waschmaschine können da schon reichen“, weiß Susanne Deininger.

In den vergangenen Jahren verzeichnete die Leiterin der ökumenischen Wohnungslosenhilfe Neu-Ulm einen Anstieg bei den Betroffenen. „Es werden mehr Wohnungslose.“ Inzwischen sei das Problem in Neu-Ulm auch in der Mittelschicht angekommen. „Allein im vergangenen Jahr haben wir 15 Frauen betreut, die allein aufgrund einer Trennung ohne Wohnung dastanden.“ Zudem seien vor allem Alleinerziehende immer häufiger betroffen.

Jedes Jahr, wenn die Temperaturen unter den Gefrierpunkt sinken, wird es für Obdachlose lebensgefährlich.

Die ökumenische Wohnungslosenhilfe gliedert sich in die Obdachlosenarbeit Senden, die Sozialberatung im Nuißlheim und die Beratungsstelle für Wohn­raum­erhalt in der Neu-Ulmer Innenstadt. Dort gehe es vor allem darum, Obdachlosigkeit zu verhindern. „Das geht besser, je früher sich die Leute an uns wenden“, macht Deininger deutlich. „Noch bevor eine Räumungsklage ansteht.“ Am besten sei es jedoch, wenn sich bereits der Vermieter an die Beratungsstelle wende, sobald es Probleme mit dem Mieter gibt. „Aber viele wissen gar nicht, dass es uns gibt.“ Auch dass das Angebot der ökumenischen Einrichtung kostenfrei ist und die Beratungen der Schweigepflicht unterliegen, sei vielen nicht bekannt.

Belastende Situation

„Aber wenn jemand aus seiner Wohnung geklagt wird, steht er nicht automatisch auf der Straße“, erklärt Deininger. „Der Wohnungslose muss zunächst von der Stadt untergebracht werden.“ Um das zu garantieren, könne die Stadt zu Not auch Wohnungen, aus denen Betroffene etwa wegen Mietrückstands oder verhaltensbedingt raus müssen, beschlagnahmen. „Aber nur vorübergehend“, betont Deininger. Solch ein Schritt sei für alle Beteiligten „unglaublich belastend“. Denn es handle sich dabei um kein Mietverhältnis, sondern werde über eine Nutzungsvereinbarung geregelt, die dem Mieter keinerlei Rechte einräume.

Ihr Ziel sei es, die Betroffenen nur vorübergehend in einer der Einrichtungen wie dem Nuißlheim oder dem Multikulti-Haus unterzubringen. „Das Obdachlosenheim ist eigentlich eine Notunterkunft“, betont Dietmar Merz, der dort in der Beratungsstelle arbeitet. Auf dem Wohnungsmarkt finde jedoch gerade bei günstigen Wohnungen ein enormer Verdrängungswettbewerb statt. „Und immer weniger Menschen ziehen aus günstigen Wohnungen aus. So wird es immer schwerer, Leute unterzubringen.“ Was dazu führe, dass Betroffene über längere Zeit in der Unterkunft lebten. „Daher wäre es schön, wenn Wohnungseigentümer mehr Mut zeigen würden, an Leute zu vermieten, die nicht die größte Sicherheit bieten können“, wünscht sich Deininger. „Aber die Leute lassen ihre Wohnungen manchmal teilweise lieber leer stehen, anstatt unseren Klienten eine Chance zu geben.“

Zurück in die Gesellschaft

Die Arbeit der Beratungsstelle geht über die Hilfe bei der Unterbringung der Betroffenen hinaus. „Wir wollen unsere Klienten wieder in die Gesellschaft eingliedern.“ Dazu gehöre es auch, diejenigen, die eine eigene Wohnung gefunden haben, noch über ein Jahr hinweg regelmäßig zu besuchen und etwa bei Amtsgängen oder Arztterminen zu unterstützen. Allein 2018 suchten rund 350 Frauen und Männer ohne akute Mietschulden Rat bei der Beratungsstelle, 180 waren von Wohnungsnot bedroht.

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Am Freitag wird gefeiert und diskutiert

Feier Anlässlich ihres fünfjährigen Bestehens veranstaltet die ökumenische Wohnungslosenhilfe Neu-Ulm im Dietrich Theater am Freitag, 25. Januar, eine Feier. Nach der Begrüßung durch die Leiterin der Beratungsstelle Wohnraumerhalt, Susanne Deininger, wird der Film „Draußen“ (80 Minuten Spielzeit) gezeigt. Im Anschluss an ein kurze Pause mit Imbiss diskutieren im Saal Herbert Pressl, Vertreter des Landrats, Neu-Ulms Oberbürgermeister Gerold Noerenberg, Volker Munk vom gleichnamigen Immobilienunternehmen, Jörn Scheuermann, Koordinator der Wohnungslosenhilfe Südbayern und Susanne Deininger. Tickets gibt es an der Kinokasse für 6,50 Euro.