Evakuierung Neu-Ulm am Tag vor der Entschärfung der Fliegerbombe

Gelbe Zettel in Neu-Ulm kennzeichnen Gebäude, die evakuiert werden müssen.
Gelbe Zettel in Neu-Ulm kennzeichnen Gebäude, die evakuiert werden müssen. © Foto: Susanne Klöpfer
Neu-Ulm / Susanne Klöpfer 12.04.2018
Wegen der Entschärfung der Fliegerbombe in Neu-Ulm wird am Freitag ab 8 Uhr evakuiert. Am Tag davor sind die Betroffenen entspannt.

Am Freitag, 13. April, wird die Fliegerbombe auf dem Gelände des Südstadtbogens in Neu-Ulm entschärft. In einem Radius von 500 Metern müssen alle Gebäude verlassen werden. Rund 12.000 Menschen sind davon betroffen. Was auch bedeutet: Die Inhaber von Geschäften im betroffenen Bereich müssen ihr Laden schließen – und das an einem wichtigen Geschäftstag.

Einen Tag vor der Bombenentschärfung fallen rund um den Petrusplatz in Neu-Ulm gelbe Zettel an den Türen von Gebäuden auf. Diese Informationen zur Evakuierung hatte die Stadt Neu-Ulm am Mittwoch ausgehängt. Sie kennzeichnen die Wohnungen, Häuser und eben Firmen, die sich im Evakuierungsbereich befinden. So erfahren die Betroffenen, ob sie zu den Personen zählen, die den Bereich am Freitag ab 8 Uhr verlassen müssen.

Evakuierung der Fliegerbombe bedeutet Umsatzverlust

„Ich werde morgen über 1000 Euro Umsatz verlieren. Für mich ist der Freitag einfach ein wichtiger Geschäftstag“, sagt Murat Poyraz einen Tag vor der Evakuierung. Der Besitzer des Frückstückparadies Menemenci ärgert sich: „Und meine drei Mitarbeiter muss ich ja auch bezahlen. Die können ja nichts für die Bombe.“ Auch hier wurden die gelben Zettel der Stadt Neu-Ulm aufgehängt. Poyraz meint „Ich bekomme von der Stadt nichts bezahlt oder rückerstattet.“

Slatan Tyme, der Besitzer des Lokals PP1 in Neu-Ulm, sieht das anders: „Die Leute spinnen doch, wenn sie über so etwas verärgert sind.“ Die Menschen würden einfach davon ausgehen, dass bei der Entschärfung nichts passiert: „Wenn die Bombe explodiert, dann gibt es Verletzte. Das ist eine 500-Kilogramm-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg.“ Die Stadt Neu-Ulm würde das schon gut machen: „Es ist wichtig das alles evakuiert wird“.

Der Friseur „Tylla“ musste für Freitag alle Termine mit Kunden absagen. Dafür muss an anderen Tagen dann eben länger gearbeitet werden. Christian Tylla, der Sohn der Besitzerin, meint: „Und wir erhalten eben auch keinen finanziellen Ausgleich dafür. Aber das ist okay, weil es geht ja um den Schutz der Bevölkerung“ Bei der Evakuierung wird Tylla trotzdem in Neu-Ulm sein: Zusammen mit seinen Kollegen der Freiwilligen Feuerwehr Pfuhl wird er bei den Evakuierungen mithelfen.

Für die Mitarbeiterin am Petrusplatz-Kiosk ist noch nicht klar, ob sie am Freitag öffnen. „Bisher haben wir keinen gelben Zettel bekommen“, sagt sie. An der Türe des Hörgeräte-Akustikers gegenüber klebt aber schon einer der Evakuierungs-Zettel.

Niki Raptis im „Eisacafé Venezia“ findet die Evakuierung auch ärgerlich, schließlich sei ein Sonnentag für eine Eisdiele natürlich wichtig. „Wir nehmen das hin, weil das ist ja auch wichtig. So haben wir jetzt eben am Freitag alle unseren freien Tag.“ Eine Mitarbeiterin hat auch schon ein Ersatzprogramm: „Ich fahre dann eben raus zu meinem Gartenhäuschen. Und mache eben mein Sport drüben in Ulm.“

Verständnis für die Evakuierung der Bombe

Monika Plappert, die Inhaberin der Drogerie Plappert, sagt: „Ich habe dafür völliges Verständnis. Wie soll es denn anders laufen?“ Die Kunden würden dann eben einfach an einem anderen Tag vorbeikommen.

Die Metzgerei Brenner am Petrusplatz ist gerade so an der Evakuierungsgrenze. „Ich darf am Freitag arbeiten“, erklärt Verkäuferin Olga. Aber sie macht sich keine Gedanken: „Das bekommen die schon gut hin.“

Facebook-Gruppe zur Bombenentschärfung

In einer extra eingerichteten Facebook-Gruppe zur Fliegerbombe in Neu-Ulm erfahren Sie live und exklusiv alle Neuigkeiten und wichtigen Informationen zur Evakuierung und Entschärfung:

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