Mit deutlicher Verspätung und unter großem Sicherheitsaufgebot hat am Donnerstagmorgen (15.10.2020) in der Memminger Stadthalle der Prozess gegen sechs mutmaßliche Drogenkuriere begonnen.

Kokain-Fund im Fruchthof Nagel: der Sachverhalt

Die zwischen 23 und 40 Jahre alten Männer hatten im Dezember 2019 mitten in der Nacht rund eine halbe Tonne Kokain aus Bananenkisten im Neu-Ulmer Fruchthof Nagel holen wollen. Die Angeklagten werde vorgeworfen, die 500 Kilo Kokain nach Deutschland geschmuggelt zu haben, um es hier gewinnbringend zu verkaufen, so das Landgericht Memmingen. Der Betreiber des Fruchthof Nagel wusste nichts von dem versteckten Kokain.
Zum Prozessauftakt wurde zunächst nur die Anklageschrift verlesen, bevor die Verteidigung eine Unterbrechung für ein Rechtsgespräch beantragte. Dabei soll es wohl darum gehen, ob die sechs Angeklagten als Bande gehandelt haben - was ein höheres Strafmaß zur Folge haben könnten.

Drogenhandel: Prozess in Memmingen

Die mutmaßliche Bande war aufgeflogen, weil ein Mitarbeiter des Betriebs Kokain-Päckchen bei einer Kontrolle der Kisten entdeckte. Ein Spezialeinsatzkommando nahm die sechs Männer Mitte Dezember fest, als sie in das Lager des Obsthandels einbrachen.
Von wem sie das Kokain gekauft haben könnten und an wen sie es weiterverkaufen wollten, blieb in der Anklageschrift offen. Vor Prozessbeginn schwiegen die Beschuldigten nach Angaben des Landgerichts entweder zu den Vorwürfen oder gaben an, nichts vom Kokain gewusst zu haben.
Beim Prozessauftakt war die Polizei vor, in und hinter der Stadthalle in Memmingen deutlich präsent. Die Angeklagten wurden einzeln nacheinander mit angelegten Handschellen und Fußfesseln von jeweils zwei Beamten zum Hintereingang hereingebracht.
Wegen Corona, und weil das Aufgebot mit 12 Verteidigern plus vier Übersetzern recht groß ist, hat das Landgericht den Prozess in die Stadthalle verlegt.