Krankenhäuser und Ärzte klagen in der Covid-19-Pandemie über vielfachen Mangel: Neben Beatmungsgeräten und Masken sind auch Desinfektionsmittel knapp und Lieferungen selbst für Krankenhäuser und Arztpraxen unsicher. Die Regale in Supermärkten und Drogeriemärkten sind leer. Dabei zeigt eine Studie von Prof. Johannes Schmitz von der Hochschule Neu-Ulm (HNU), dass die derzeitigen Versorgungsengpässe für Händedesinfektionsmittel in kürzester Zeit gelöst werden könnten. Das teilt die HNU mit.

Experte für Risikomanagement

Die Studie heißt „Desinfektionsmittel statt Kraftstoff: Eine einfache Lösung für den Versorgungsengpass für das Gesundheitssystem und die Allgemeinheit“. Schmitz ist Professor für Strategie und Unternehmensführung an der Hochschule Neu‐Ulm und hat mehr als 15 Jahre Erfahrung als Berater für strategisches Risikomanagement und Risikomodellierung.

Produktion von 800 Millionen Liter

Um den Versorgungsengpass zu lösen, kann laut der Studie Bioethanol verwendet werden, das heute weitgehend in die Produktion von Kraftstoffen geht. Deutschland produziert jährlich etwa 800 Millionen Liter Bioethanol. Das ist genug für etwa 1 Milliarde Liter Desinfektionsmittel. Es steht damit in genügender Menge zur Verfügung und das zu geringen Kosten von unter 50 Cent pro Liter. Neueste Tests der deutschen Bioethanolhersteller zeigen auch, das die Qualität die Spezifikationen für die Desinfektionsmittelherstellung erreicht.

Organisatorische Hürden

Um genug Desinfektionsmittel bereitzustellen, müssten vor allem regulatorische Hürden beseitigt werden. „Die bisherige Salamitaktik der Bundesregierung ist ineffizient.“ Noch immer sei strikt reguliert, wer Desinfektionsmittel für die Allgemeinheit herstellen darf. Zusätzlich ist Ethanol, dass für Desinfektionsmittel verwendet werden soll, nicht in allen Fällen von der Alkoholsteuer befreit. Ohne Befreiung müssen aber pro Liter Ethanol 13,03 Euro Steuern gezahlt werden. Dann kostet Ethanol nicht mehr 50 Cent sondern 13,50 Euro. Bei einem entschiedenen Abbau dieser Hürden könnte Desinfektionsmittel in kürzester Zeit in ausreichender Menge bereitgestellt werden.