Neu-Ulm Das Riedwirtshaus ist Geschichte

„Das hier war mein Leben“, sagt Dieter Bayer, der das Riedwirtshaus an der Alten Römerstraße mit seiner Frau Anita 43 Jahre lang betrieben hat. Gestern war es letztmals geöffnet.
„Das hier war mein Leben“, sagt Dieter Bayer, der das Riedwirtshaus an der Alten Römerstraße mit seiner Frau Anita 43 Jahre lang betrieben hat. Gestern war es letztmals geöffnet. © Foto: Matthias Kessler
Neu-Ulm / Von Edwin Ruschitzka 31.08.2018
Gestern haben Anita und Dieter Bayer den Betrieb der Ausflugsgaststätte an der alten Römerstraße in Neu-Ulm eingestellt. Der Abschied fällt beiden alles andere als leicht.

Am Ende des Gesprächs werden die Augen von Dieter Bayer feucht. „Jetzt muss ich doch noch heulen“, sagt er, um nachzuschieben: „Das hier war mein Leben.“ Seit 1975 hat er zusammen mit seiner Frau Anita das Riedwirtshaus an der Alten Römerstraße in Neu-Ulm geführt. Das Rentenalter hat er längst erreicht und auch mangels Personal war die Ausflugsgaststätte gestern das letzte Mal geöffnet. Viel Tamtam zum Abschied war nicht geplant: „Wir lassen es einfach auslaufen.“

1859 gebaut, ist das Haus älter als die Stadt Neu-Ulm, die im nächsten Jahr ihre Stadterhebung vor dann 150 Jahren feiern wird. In vierter Generation haben die Familien Adrion und Bayer das Riedwirtshaus geführt. Und es hätte durchaus weitergehen können, hätte sich die Stadt Neu-Ulm vor 15 Jahren etwas entgegenkommender gezeigt.

Große, gescheiterte Pläne

Die Bayers hatten 2003 nämlich große Pläne an der Alten Römerstraße. Sie wollten das Anwesen erweitern, damit ein Sohn dort einziehen kann, der damals auch signalisiert hatte, den Betrieb der Eltern übernehmen zu wollen.

Doch Oberbürgermeister Gerold Noerenberg habe ihnen in einem Gespräch im Rathaus unmissverständlich zu Verstehen gegeben, dass die Stadt das nicht genehmigen werde. Das Riedswirtshaus liege im Außenbereich. Basta! Bei einem Anbau, ein paar Jahre zuvor noch unter OB Peter Biebl sei das kein Problem gewesen, erinnern sich die Bayers. Und auch dessen Nachfolgerin Beate Merk habe sich gesprächsbereit gezeigt. Nicht aber Noerenberg. Und so liegt der Zeitpunkt des Anfangs vom Ende auch in den Jahren 2003 und 2004 begründet.

Große warme Küche gab’s im Riedwirtshaus eigentlich kaum, mit wenigen Ausnahmen über den Winter, als Sauerkraut und Schlachtplatte angesagt waren. Es war halt die ganzen Jahre über eher ein Ausflugslokal, vor allem im Sommer. Brotzeit und Sulzen, wie die Wurst selbstgemacht – und wie viele behaupten: alles sehr, sehr lecker. Zu seiner Blütezeit fanden im Riedswirtshaus drinnen 80 Menschen Platz, draußen 120. Aber vor allem den Außenbereich haben die Bayers dann reduziert, die die Gastronomie zuletzt nur noch zu zweit betrieben hatten. „Uns fehlte, wie vielen anderen in dem Gewerbe, das Personal.“

Die Bayers wohnen nicht mehr im Riedwirthaus, sondern in der Stadt. Die drei Kinder sind längst erwachsen und leben ihr eigenes Leben. Und so ist eben vorbei mit der Tradition an der Alten Römerstraße. Das Haus, so sagen sie, möchten sie gerne verkaufen, wohlwissend, dass der Zahn der Zeit an ihm genagt hat. Es ist sanierungsbedürftig. Eine Verpachtung komme nicht in Frage.

Dank an die Stammkunden

Pläne haben die Bayers nicht: „Wir lassen das Ganze erst mal sacken. Vielleicht haben wir zusammen noch ein paar gute Jahre.“ Auch, um viel Rad zu fahren. Zum Schluss ist es ihnen ein Bedürfnis, sich bei den vielen Stammkunden zu bedanken, die dem Riedwirtshaus treu verbunden geblieben sind. Und irgendwie sind die beiden ganz still und etwas sentimental.

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Bauen im Außenbereich ist nicht ganz einfach

Gesetz Das Bauen im Außenbereich regelt der Paragraph 35 des Bundesbaugesetzes. Solche Aktivitäten sind nicht einfach, aber möglich, wenn öffentliche Belange nicht entgegen stehen und die Erschließung gesichert ist. Land- und forstwirtschaftliche Betriebe haben es diesbezüglich leichter. Andere Vorhaben können im Einzelfall zugelassen werden, es sei den es sprechen der Landschafts- oder Naturschutz dagegen. Die Erweiterung eines Wohngebäudes lässt das Gesetz auch zu, wenn das Bauvorhaben angemessen ist und vom Eigentümer und seiner Familie selbst genutzt wird.

Entscheidung Die Stadt Neu-Ulm, so deren Auskunft, habe eine Baugenehmigung seinerzeit deshalb ablehnen müssen, weil ein kompletter Neubau beantragt worden sei. Das gebe besagter Paragraph 34 im Außenbereich nicht her. Das Ganze sei auch im April 2004 im zuständigen Fachausschuss Stadtentwicklung, Hochbau und Umwelt besprochen worden. Das Bauvorhaben sei mit zwölf zu vier Stimmen abgelehnt worden, so Pressesprecherin Sandra Lützel, die in den Akten des Rathauses gewühlt hat.

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