Neu-Ulm CSU watscht Parteiobere ab - Neu-Ulm wird grün

Klaus Rederer, Grüne, freut sich über sein gutes Ergebnis bei der bayerischen Landtagswahl.
Klaus Rederer, Grüne, freut sich über sein gutes Ergebnis bei der bayerischen Landtagswahl. © Foto: Volkmar Könneke
Neu-Ulm / Edwin Ruschitzka 15.10.2018
Die christsozialen Parteichefs lassen ordentlich Dampf ab. Die Neu-Ulmer Innenstadt ist durch die Landtagswahl grün geworden.

Katzenjammer nach der bayerischen Landtagswahl in den drei Neu-Ulmer CSU-Ortsverbänden: Mit deutlichen Worten haben die drei Vorsitzenden Hilmar Brunner (Neu-Ulm), Johannes Stingl (Pfuhl) und Thomas Ott (Burlafingen) mit der Parteiführung abgerechnet. Und das schonungslos.

Was wenig wundert, angesichts der christsozialen Verluste vor allem in den städtisch geprägten Teilen Neu-Ulms, also der Kernstadt und in Offenhausen, wo inzwischen die Grünen dominieren.

„Vorbelastetes Personal“

Die Schlappe bei der Wahl am Sonntag ist für die drei CSU-Chefs wenig überraschend: Markus Söder habe zwar gut gekämpft, aber als Ministerpräsident sei er unbeliebt. Die Präsentation eines bayerischen Raumfahrtprogramms habe Kopfschütteln ausgelöst. Seinen Kruzifix-Zwang an bayerischen Schulen hätten die Bürger nicht mit einem liberalen und weltoffenen Bayern in Verbindung gebracht.

Dem Trio Brunner, Stingl und Ott ist am späten Sonntagabend, 23.32 Uhr, als sie die Mail an die Medien verschickten, noch viel mehr zu ihrer Parteispitze eingefallen: die Diesel-Affäre, der lange und zähe Kampf in der Flüchtlingskrise, die Causa Maaßen und vor allem der „Rücktritt vom Rücktritt“ Horst Seehofers. „Wenn die Partei es nicht schafft, Probleme zumindest im Ansatz zufriedenstellend zu lösen, wird sie vom Wähler halt abgestraft. Die vom Bürger negativ bewertete Politik des CSU-Spitzenpersonals auf Bundesebene hat voll nach unten durchgeschlagen.“

„So kann kein neues Denken gelingen“

Die CSU, so die Neu-Ulmer Führung, habe „zu viel vorbelastetes Personal im Gepäck, das sich unaufhörlich selbst nominiert und den rechtzeitigen Absprung verpasst. So kann kein neues Denken gelingen.“ Das i-Tüpfelchen der Wahlkampfpannen sei aber der Entschluss der Kreistags-CSU gewesen, sich der Petition des Grünen-Landtagskandidaten gegen die Kreisfreiheit Neu-Ulms anzuschließen und das Ganze damit zum Landtagswahlkampfthema zu machen.

Der Kandidat der Grünen habe das als eigenen Erfolg verbuchen und das Thema, „fröhlich unterstützt vom CSU-Spitzenpersonal auf Kreisebene“, zu seinen Gunsten auskosten können. So gut sei noch nie ein Landtagskandidat der Grünen auch von der Kreis-CSU unterstützt worden. „Rückenwind für die eigene Partei in Zeiten des Wahlkampfes zu erzeugen, geht anders.“

„Neu-Ulm ist moderner“

Tatsächlich hat der Grünen-Kandidat Klaus Rederer vor allem in der Neu-Ulmer Innenstadt 30 Prozent und mehr geholt und die CSU samt ihrer Kandidatin Beate Merk weit hinter sich gelassen. Ähnlich sieht es in Offenhausen aus, wo die Grünen ebenfalls stärkste Kraft geworden sind. Rederer selbst erklärt sich das damit, dass Neu-Ulm eben moderner und urbaner geworden sei.

Sicher habe sein Engagement gegen die Kreisfreiheit dabei auch positiv gewirkt: „Vielleicht gibt es ja bei der Kommunalwahl in eineinhalb Jahren die nächste Bewegung in Neu-Ulm.“ Ob er dann 2020 für den Neu-Ulmer Stadtrat kandidiert, vielleicht sogar als OB-Bewerber? „Ich will diese Frage noch nicht beantworten“, sagte er gestern. „Aber ich gehe davon aus, dass sich bald einiges bewegen wird“, orakelte er.

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Grünen-Kandidat Klaus Rederer schafft es nicht

Sechs Direktmandate haben die Grünen bei der Landtagswahl in ganz Bayern geholt, fünf in München und eines in Würzburg. In Schwaben gab es allerdings kein Direktmandat, aber sechs Grüne ziehen aus dem Regierungsbezirk über die Schwabenliste ins Maximilianeum ein.

Klaus Rederer aus Neu-Ulm, gestartet auf Listenplatz 8,  hat es nicht geschafft. Ohne die stimmenstarken Wahlkreise in und um Augsburg herum hatte er bis in den Abend hinein auf Rang vier gelegen. Letztendlich reichten die Stimmen für ihn nicht.

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