Neu-Ulm / Edwin Ruschitzka  Uhr

Jetzt also doch Antje Esser. Sie wird in Neu-Ulm mit dem Amt einer ehrenamtlichen Zweiten Bürgermeisterin dafür belohnt, dass sie vor ein paar Monaten im Streit aus der SPD ausgetreten und zu PRO Neu-Ulm gewechselt ist. Zu einer Fraktion also, der in Neu-Ulm in weiten Teilen die politische Basis fehlt, die im Rathaus hauptsächlich von Überläufern aus anderen politischen Lagern lebt – gerade aus dem Fundus der SPD, zuvor auch noch der Freien Wähler.

Zugegeben, Antje Esser hat vieles, was sie zur Bürgermeisterin befähigt. Sie ist freundlich, ihr Auftreten ist eloquent. Aber sie hat, wo sie politisch aktiv war, verbrannte Erde hinterlassen: bei den Sozialdemokraten in Senden, jetzt in Neu-Ulm. Weil sie sich selten als Mannschaftsspielerin sieht. In der SPD-Fraktion, so ist zu hören, hat sie die Arbeit verweigert, sich oft entschuldigen lassen. Mal sehen, wie sie ihren neuen Job ausübt. Auf jeden Fall ist mit ihrer Wahl eine Chance vergeben worden, die zementierten Lager im Stadtrat aufzubrechen.

Neu-Ulm nimmt keinen Schaden an dieser Entscheidung. Aber zehn Monate vor der Kommunalwahl wird sie weiter für Politikverdrossenheit sorgen. Dazu gehören auch ein OB und in der Mehrheit ein Stadtrat, die den Bürgern ein Mitspracherecht beim Nuxit verweigert haben. Wie die angestrebte Kreisfreiheit die Stadtgesellschaft eher gespalten als geeint hat.