Was bedeutet Selbstständigkeit? Damit haben sich im Rahmen von „Wir lesen intensiv“ die Schüler der Abschlussklasse des Neu-Ulmer Lessing-Gymnasiums beschäftigt. Referent des Video-Seminars für die Q12 mit dem Titel „Mal mein eigener Chef sein! Unternehmen gründen oder übernehmen“ war Thomas Beuchel, Bereichsleiter Firmenkundengeschäft bei der Sparkasse Neu-Ulm/Illertissen. Wir dokumentieren einige der dabei entstandenen Texte.

Text von Moritz Baierl

Selbstständigkeit bedeutete für mich bis jetzt auf Grund meiner Erfahrungen mit Selbstständigen aus meinem Bekanntenkreis eigentlich das, was in den Worten „selbst“ und „ständig“ steckt. Ich hatte auch Einblicke in die Unternehmensgründung bekommen, als sich ein Verwandter im Handwerk selbstständig machte.
Durch den Vortrag der Sparkasse Neu-Ulm/Illertissen konnte ich jedoch noch detaillierter erfahren, was alles dahintersteckt, bis man mit der „eigentlichen“ Arbeit anfangen kann.
Zu Beginn, so erfuhr ich, muss eine Idee mit ausreichend Potential gefunden werden. Grundsätzlich ist es möglich und rentabel, sich in jeder Branche selbstständig zu machen, solange man eine Marktlücke gefunden hat. Meistens muss außerdem schon bald nach dem Start zu dem selbst eingebrachten Kapital noch Fremdkapital beschafft werden.

Gute Planung ist notwendig

Hierfür sind selbstsicheres und überzeugtes Auftreten, gute Planung und eine gute Zusammenfassung der Geschäftsidee notwendig. Sonst wird man Investoren, Sponsoren oder die Bank nicht überzeugen.

Innovationen sind wichtig

Um das Unternehmen am Laufen zu halten, ist es wichtig, dass offene Forderungen eingeholt werden, eine qualifizierte betriebswirtschaftliche Betreuung seitens des Selbstständigen oder eines Angestellten gewährleistet ist, dass es Innovationen gibt.
Insgesamt konnte ich aus dem Vortrag viele neue Erkenntnisse ziehen und weiß nun, was auf mich zukommen würde, wenn ich mich für die Selbstständigkeit entschiede. Trotzdem bin ich nach wie vor der Meinung, dass ich mich nur mit einer sehr vielversprechenden Idee und mit genügend betriebswirtschaftlichen Kenntnissen an ein eigenes Unternehmen wagen würde.

Text von Beatrice Frese

Beruflich selbstständig ist jemand, der seine Arbeitszeit selbst bestimmt und organisiert und in seinem Beruf von niemandem, außer von sich selbst, abhängt. Dabei gibt es unzählige Geschäftsmöglichkeiten. Man kann seinen Ideen freien Lauf lassen und seine Individualität voll ausleben. Des Weiteren profitiert man von finanzieller und zeitlicher Freiheit, wobei man unbegrenzte Gewinnmöglichkeiten hat. Selbstständigkeit kann viele Vorteile mit sich bringen, birgt aber auch zahlreiche Risiken und verlangt große Verantwortung.
Denn man ist auf sich allein gestellt und es gibt niemanden, der einem eine Richtlinie gibt. Man muss bereit sein, dass man sein eigener Chef und Mitarbeiter ist. Außerdem arbeitet man überdurchschnittlich viel. Dabei hat man weder regelmäßiges Gehalt, noch eine soziale Absicherung. Das alles ist mit einer großen Unsicherheit verbunden und kann zu einer hohen psychischen Belastung führen. Nicht jeder Mensch ist dafür geeignet.

Text von Anna Tomczak

 Es gibt wohl keine größere Herausforderung in der Arbeitswelt als das Ziel, selbstständig zu werden. Man hat tausende Fragen und genauso viele Herausforderungen zu meistern. Beides mit Hindernissen, die man immer wieder aufs Neue überwinden soll. Der Weg zur Selbstständigkeit ist steinig und riskant – das ist das Erste, woran ich bei dem Thema Selbstständigkeit denke.
Woher die Sicherheit, dass die eigene Geschäftsidee eine gute ist? Das ist die erste Schwierigkeit. Es gibt immer wieder andere, die es komplett anders sehen als man selbst, von denen man sich das auf dem Weg zur Unternehmensgründung nicht einreden lassen darf. Man muss bei seinem Plan bleiben.
Sobald man dann sein Unternehmen hat, kämpft man sich durch verschiedenen Phasen, vom Start-Up bis zum expandierenden Unternehmen. Sich oben zu halten, erfordert nicht nur Verantwortungsbewusstsein, sondern auch Unterstützung und Zusammenarbeit mit anderen. Es ist sicher nicht jedem bestimmt, selbstständig zu werden, egal in welchem Bereich. Das heißt aber nicht, dass nicht jeder das Potential dazu hat.
Es gibt eben keine Richtung in der Arbeitswelt, in die jeder einzelne gehen wollen würde. Genauso wie viele Bereiche zur Wahl stehen, gibt es viele verschiedene Positionen in diesen Bereichen. Geschäftsführer ist nur eine mögliche Position, die wieder eigene Qualifikationen und Interessen verlangt. Ein Ingenieur im Betrieb hat beispielsweise andere Aufgaben- und Interessensbereiche als der Geschäftsführer.

Große Abhängigkeit von anderen

Selbstständig heißt nicht „besser“ oder „erfolgreicher“, es ist einer der Träume, einer der vielen möglichen Wege, Karriere zu machen. Ein Teil von diesem Weg sind das Risiko, die vielen Unsicherheiten und die große Abhängigkeit von der Unterstützung anderer – finanziell wie mental.
Menschen, die sich trauen, diesen Weg zu gehen, verdienen meiner Meinung nach großen Respekt. Nicht nur der Aufwand dahinter, sondern das vorhin erwähnte Risiko haben dieses Thema aus meinem Leben längst herausgestrichen. Es kommt für mich nicht in Frage. Für Leute wie mich, die bei jedem Schritt eine gewisse Absicherung brauchen, ist Selbstständigkeit nichts.

Weitere Stimmen von Q12-Schülern zum Thema


Lukas Hübner Mit der richtigen Idee, der richtigen (Voraus-)Planung und einer wohlwollenden Prise Selbstbeherrschung hat man die Chance, sein Unternehmen immer weiter auszubauen und ein wohlhabendes Leben zu führen. Für mich persönlich muss ich sagen, dass ich wohl nicht nach Selbstständigkeit streben, sie aber auch nicht umgehen werde.

Isabel Münzing Ob ich in Zukunft wirklich selbstständig werden möchte, bin ich mir noch nicht sicher. Doch so eine Entscheidung sollte ja auch nicht zu spontan getroffen werden. Zum Glück habe ich noch etwas Zeit, mir das in Ruhe zu überlegen – abgeneigt bin ich jedenfalls nicht.