Neu-Ulm / Von Edwin Ruschitzka  Uhr
Der Gastronom Ebbo Riedmüller wirbt in einer Veranstaltung der Freien Wähler für den Abbruch und seine Neubaupläne. Andere wollen das alte Kasino in Neu-Ulm unbedingt erhalten und könnten sich dort ein Kulturzentrum vorstellen.

Ebbo Riedmüller bleibt bockelhart: Sollte es darauf hinaus laufen, dass er seine Neubau-Pläne auf dem Barfüßer-Gelände an der Donau in Neu-Ulm nicht verwirklichen darf, ist bei ihm an dieser Stelle am Jahresende Schluss: „Ich stehe für nichts anderes zur Verfügung, weil das Gebäude maus-maus-hee ist.“ Also so kaputt, dass es sich nicht mehr lohnen würde, das alte Offizierskasino auf Vordermann zu bringen.

Es sei denn, die Stadt, der das Gebäude gehört, würde dafür acht bis zehn Millionen Euro ausgeben. Das war die zentrale Botschaft des Gastronomen in einer Veranstaltung, zu der die Freien Wähler am Dienstagabend eingeladen hatten. Gut 80 Interessierte waren gekommen.

Wie berichtet, will Riedmüller das Gelände von der Stadt pachten, besagtes Kasino abbrechen und an dessen Stelle einen siebengeschossigen Hotel- und Gastronomiekomplex samt Tiefgarage und Biergarten bauen. Kosten: mehr als zehn Millionen Euro. Eine Entscheidung darüber ist im Stadtrat aber noch nicht gefallen.

Als Investor sperrt sich Riedmüller aber nicht gegen einen Wettbewerb fürs Barfüßer-Areal an der Donau.

Kontroverse Diskussion um Nutzung

In der Bürgerschaft wird Riedmüllers Ansinnen kontrovers diskutiert. Wie auch in der Veranstaltung im Barfüßer. Die Besucher wurden während der Diskussion gruppenweise durch den Bierkeller und durchs Hotel geführt, damit sie sehen, in welchem Zustand das Gebäude ist. In der Tat: Die Bierbrauer im Keller müssen treppauf, treppab laufen, um in die kleinen Räume zu gelangen, wo im Jahr gut 4000 Hektoliter Bier gebraut werden. Das Hotel ist nicht barrierefrei und auch nicht klimatisiert.

Eine Besucherin war davon beeindruckt: „Ich war am Anfang komplett gegen den Abbruch. Nach dem Rundgang habe ich meine Meinung total geändert.“ Es gab aber auch Stimmen, die den Abbruch weiter ablehnen: „Mir liegt das Kasino sehr am Herzen, weil es in Neu-Ulm nicht viel gibt, das erhaltenswert ist.“ Ein anderer schlug vor, aus dem Barfüßer ein sozio-kulturelles Zentrum zu machen, eine dem Ulmer Roxy ähnliche Veranstaltungshalle. Diese Wortmeldung kam bei der FWG-Fraktionschefin Christina Richtmann gut an: „Es wäre doch interessant, wenn man sich ganz andere Nutzungsgedanken machen würde.“

Riedmüller quittierte das mit den Worten: „Mir ist das egal“, der Barfüßer sei der schwierigste all seiner Betriebe. „In den ersten drei Monaten jedes Jahres machen wir zwischen 100.000 und 170.000 Euro Verluste.“

Richtmann, die zur Veranstaltung eingeladen hatte, nutzte das Forum natürlich, um ihre eigene Ansicht und die der FWG kundzutun: „Das hier ist eine Perle, die wir in der Stadt haben, dazu in einer wunderbaren Lage.“ Richtmann denkt an den Erhalt des Kasinos, eine Sanierung und eine neue Verpachtung. „Dafür“, sagte Riedmüller, „stehe ich nicht zur Verfügung. Definitiv!“ Einen Erhalt mit den hohen Sanierungskosten bezeichnete Riedmüller als „puren Wahnsinn“.

Vergleich mit dem Brückenhaus

Sollte der Erhalt nicht mehr wirtschaftlich sein, müsse man über einen Gestaltungswettbewerb nachdenken. Richtmann erinnerte an das Brückenhaus. Die ersten Pläne aus dem Verwaltungsrat der Sparkasse waren in der Politik nicht gut angekommen. Ein nachgeschobener, eingeschränkter Wettbewerb brachte dann das bestehende Ergebnis, dass auch in der Politik akzeptiert wurde. Richtmann kritisierte die Stadtverwaltung, die das Thema Barfüßer zu lange habe schleifen lassen. Auf die Frage, wie der Stadtrat den Neubauplänen gegenüber stehe, sagte sie: „Die werden mehrheitlich wohl zustimmen.“

Am Ende wurde abgestimmt. Riedmüller wollte wissen, wer für sich für seinen Neubau erwärmen könne. 15 Hände gingen hoch. „Ist doch gar nicht so schlecht“, sagte der Großgastronom. Richtmann wollte herausfinden, wer sich für den Erhalt ausspricht. Wieder gingen etwa 15 Hände nach oben. Das letzte Wort, so ein Diskussionsteilnehmer, werde ohnehin der Stadtrat sprechen.

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Der alte und der neue Barfüßer im Vergleich

Größen Das alte Barfüßer im alten Wehrmachtskasino verfügt über 19 Hotelzimmer, ein Lokal mit 220 Sitzplätzen und einen Biergarten mit über 600 Sitzplätzen. Sollte nach Riedmüllers Plänen (siehe nebenstehende Animation) neu gebaut werden, werde das siebengeschossige Hotel über 100 Zimmer verfügen. Im Lokal könnten 300 Menschen Platz finden, im Biergarten dann zwischen 400 und 500 Besucher. Der Biergarten würde sich dann auf dem Dach der Tiefgarage befinden. Vereinzelte Bäume sollen durch Freiräume in der Tiefgarage nach oben wachsen können. So zumindest lautet die Idee von Architekt Olaf Neusch.