Und wieder geht ein Zeugnis der Neu-Ulmer Stadtgeschichte verloren – mit der Begründung, eine Sanierung rechne sich nicht. Das stimmt im Fall des 80 Jahre alten Barfüßers wohl auch, denn der Erhalt samt Modernisierung wäre die Stadt teuer gekommen. Was aber noch schwerer wiegt: Sie als Eigentümerin hätte sich einen neuen Betreiber suchen müssen. Denn Ebbo Riedmüller wäre ausgestiegen.

Gebaut unter der Hakenkreuzfahne Ende der 30er-Jahre als Offizierskasino für Wehrmachtssoldaten ist das Ensemble an der Donau eine Reminiszenz an dunkelbraune Zeiten. Also weg damit? Gemach. Die Geschichte des Gebäudes ging ja weiter nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Flüchtlinge zogen ein, später ließen es sich dort die Offiziere der US-Armee gut gehen. Und nach deren Abzug Anfang der 90er Jahre dann die Nutzung als Gastronomie samt Biergarten.

Nun sollte man erwarten, dass die Anforderungen an dieser exponierten Stelle recht hoch sein müssen. Was der omnipräsente Gastronom Ebbo Riedmüller plant, ist sicher auf Höhe der Zeit, von den Arbeitsabläufen effektiv und modern – aber etwas anderes als der Biergarten, den viele liebgewonnen haben. Letztendlich werden die Gäste über den Erfolg abstimmen, also Riedmüller die Treue halten oder auf andere heimeligere Biergärten ausweichen.