Leitartikel Michael Janjanin zur Landtagswahl aus regionaler Sicht Armer reicher Landkreis

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Autorenfoto © Foto: Könneke Volkmar
Neu-Ulm / jan 13.10.2018

Stell Dir vor, es ist  Landtagswahl in Bayern, und nur wenige haben Grund zum Feiern.  Die beiden traditionellen Volksparteien CSU und SPD im Stimmkreis Neu-Ulm verkneifen sich bewusst den Begriff Wahlparty am morgigen Sonntag. Zu düster sind die Prognosen. Dabei  darf CSU-Direktkandidatin Beate Merk begründet hoffen, die Mehrheit der Erststimmen auf sich zu vereinen und erneut in den Landtag einzuziehen.

Man möchte meinen, dass es zumindest auf den Listen im Regierungsbezirk Schwaben spannender zugeht. Das tut es auch – aber leider hauptsächlich im Allgäu, in Augsburg und in Günzburg. Die Kandidaten aus der Region Neu-Ulm sucht man auf den Spitzenplätzen vergebens. Nur Klaus Rederer von den Neu-Ulmer Grünen kann von einem Einzug über die Liste träumen. Die anderen Kreisverbände konnten ihre Kandidaten gerade mal ins Mittelfeld schieben. Diese sind zwar in ihrem Berufsleben erfolgreich, aber im Politikbetrieb eher unerfahren. Nur bei der ÖDP belegt Krimhilde Dornach aus Weißenhorn Platz vier. Die Piraten schicken den Neu-Ulmer Benjamin Gasser als schwäbischen Spitzenkandidaten ins Rennen. Deren Aussichten, es in den Landtag zu schaffen, tendieren gleichwohl gegen Null.

Für einen an Bedeutung reichen Landkreis an der Schnittstelle zum Oberzentrum Ulm und angesichts der mit Länder-Kooperation zu erledigenden Aufgaben ist das ein Armutszeugnis. Fortsetzung der ICE-Strecke von Ulm nach Augsburg. Weiterentwicklung des S-Bahnkonzepts. Wirtschaftsförderung. Die Industrie- und Handelskammern Ulm und Schwaben erwarten hier politischen Einsatz, jüngst formuliert auf einer gemeinsamen Regionalversammlung. Mit einer auch zahlenmäßig schlagkräftigeren Neu-Ulmer Besatzung im neuen Landtag ließe sich dies besser bewerkstelligen.

Aber wir wollen nicht heulen und mit den Zähnen klappern: Es gibt Lösungen, bis die Parteien mit dem Aufbau von Kandidaten fertig sind. Eine davon ist im bayerischen Landeswahlrecht begründet und betrifft die Zweitstimme. Diese kann der Wähler einer Partei geben und damit die Reihung auf der Wahlkreisliste akzeptieren. Es besteht aber auch die Möglichkeit, den Wahlstrategen der Parteien ein Schnippchen zu schlagen und die Stimme einem Listenkandidaten eigener Wahl zu geben. Dazu bedarf es nur  zweier Schritte: Erst in sich und dann zur Wahl zu gehen.

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