Bereits zum 78. Mal besuchten die Freien Demokraten ein interessantes Unternehmen in der Region. Zahlreiche Teilnehmer waren der Einladung des liberalen Arbeitskreises Ermstal-Alb um den Vorsitzenden Wolfgang Reiser nach Maßhalderbuch gefolgt und ließen sich so den Besuch auf dem Bio-Bauernhof, der eine Außenstelle der Justizvollzugsanstalt (JVA) Rottenburg ist, nicht entgehen. Mit dabei waren auch der Münsinger FDP-Ortsvorsitzende Helmut Kaden sowie der liberale Landtagsabgeordnete und stellvertretende Vorsitzende der FDP-Fraktion im Landtag von Baden-Württemberg Andreas Glück. „Wir machen hier Therapie mit Strafgefangenen“, brachte es der landwirtschaftliche Leiter und Agraringenieur Georg Schulze-Schilddorf auf den Punkt. Auf dem 400 Jahre alten Hof stünden vor allem der Behandlungsvollzug und die Resozialisierung der Straftäter im Vordergrund. 20 bis 25 Gefangene leben und arbeiten auf dem Hof, zurzeit werde auf 30 Plätze ausgebaut. Das Herzstück der Staatsdomäne sei die Tierhaltung, erklärte Schulze-Schilddorf. Rund 260 Rinder, davon etwa 100 Milchkühe, circa 360 Gänse, 160 Enten und etwa 400 Hühner werden von den Gefangenen versorgt. So könnten die Straftäter Empathie, Verantwortungsbewusstsein und strukturierte Abläufe lernen, betonte Schulze-Schilddorf. Klar sei, dass nicht jeder Strafgefangene nach Maßhalderbuch kommen könne. Jeder Häftling werde genau überprüft, ob er für den teiloffenen Vollzug geeignet sei. Schließlich können sich die Häftlinge tagsüber auf dem Hof frei bewegen.

Die Justizbeamten tragen keine Waffen. Das Leben auf dem Hof sei für die Häftlinge eine Bewährung. Wer nicht mitmacht, komme unmittelbar zurück in die JVA Rottenburg.

Das Verhältnis zu den Bewohnern von Ödenwaldstetten sei gut. Der Weihnachtsgottesdienst finde sogar in der Kapelle von Maßhalderbuch statt. Die Produkte sowie das in der JVA Rottenburg angebaute Gemüse werden direkt im Hofladen verkauft. „Maßhalderbuch ist ein tolles Beispiel dafür, wie Strafvollzug zwischen JVA und ökologischer Landwirtschaft aussehen kann“, so MdL Andreas Glück.