Zwiefalten / Von Ralf Ott  Uhr

Halbzeit der Zwiefalter Festspiele: Nach der Premiere am Donnerstagabend und der gestrigen Aufführung haben bereits rund 1000 Zuschauer das aufwendig inszenierte Spektakel über die Geschichte des Zwiefalter Klosters und der Braukunst gesehen. Die rund 150 Akteure erhielten lang anhaltenden Applaus für ihre Darbietung.

Das Zwiefalter Kloster war damals ein florierender Betrieb mit eigenen Ländereien, Handwerksberufen und einer Klosterschule, in der die Söhne des heimischen Adels und der höheren Verwaltungsbeamten unterrichtet wurden, erzählte Sprecher Hans-Jörg Karrenbock und kündigte den Zuschauern eine Zeitreise ins 16. Jahrhundert an.

Und so steht in dem Stück aus der Feder von Brauereichef Peter Baader zunächst die Figur des Benedikt im Fokus. Im Unterschied zu seinen Altersgenossen zeigt der Junge eine außergewöhnliche Begabung, die sein Vater mit den Worten „Bildung kann man nicht essen“ abtut. Als die Mönche auf ihn aufmerksam werden, willigt die Mutter ein, ihren Sohn ins Kloster zu geben, damit er dort eine handwerkliche Ausbildung erhält. Doch er zeigt darin nicht nur Geschick und Umsicht, sondern interessiert sich für die Schriften aus der Klosterbibliothek. Schließlich wird er in den Kreis der Benediktinermönche aufgenommen. Bald darauf erreicht das Gerücht von einem neuen Getränk den Orden. Benedikt und sein Klosterbruder Theobald beginnen heimlich zu forschen. Als der Abt sie entdeckt, erhält Benedikt offiziell den Auftrag, den „Gerstentrunk von besonderer göttlicher Güte“ zu entwickeln.

Ein langer Weg mit vielen Rückschlägen liegt vor ihm – schließlich jedoch bringt der Einsatz von Hopfen den Erfolg. Er verfasst die zehn goldenen Regeln der Braukunst und eine Abordnung des bayerischen Fürsten, die im Kloster erscheint, um das Reinheitsgebot zu verkünden, ist begeistert von dem in Zwiefalten gebrauten Bier. Das gilt natürlich auch für die Mönche, die nun besser durch die Fastenzeit kommen. Das 500-jährige Bestehen des Klosters wird mit einem großen Fest und viel Bier gefeiert. Doch dann ereilt die Mönche das Schicksal – der 30-jährige Krieg und die Pest fordern ihren Tribut. Die Hälfte der Ordensbrüder stirbt. Es dauert lange, bis sich das Kloster erholt. Die Braukunst entwickelt sich weiter und 1724 verfügt Abt Beda Sommerberger den Bau eines eigenen Bräuhauses gegenüber dem Kloster. Auf die Blütezeit folgt jedoch 1803 mit der Plünderung und Übernahme des Klosters durch württembergische Truppen das Ende. Es ist der aus Bad Buchau stammende Anton Götz, der die Brauerei später dem württembergischen Staat abkauft und die Tradition der Benediktiner fortsetzt. Von ihm erwirbt 1897 mit Albert Baader der Urgroßvater des heutigen Brauereichefs die Zwiefalter Klosterbräu – die Brautradition lebt bis heute fort.