Münsingen / Reiner Frenz

Was Schwaben und Österreicher verbindet – und was sie vielleicht auch trennt: Am Freitagabend konnten sich die sichtlich vergnügten Zuhörerinnen und Zuhörer im ausverkauften Theatersaal der Münsinger Zehntscheuer davon ein Bild machen. Ein urkomisches. Denn, was Gunter Haug als Vertreter der schwäbischen Fraktion und Jimmy Schlager und Chris Heller, die aus dem niederösterreichischen Weinviertel nahe Wien stammen, auf Einladung der Stadtbücherei in ihrem zweistündigen Programm boten, das war allererste Sahne. Selten hat man in Münsingen Musik, Songs, Sketche und Kabarett derart augenzwinkernd dargereicht bekommen.

Und Jimmy Schlager stellte gleich zu Beginn klar, was er, was die Österreicher alles vertragen: „Nur ka Wasser net, so was vertrag’ i net“. Wenn dazu sein Kollege Chris Heller virtuos in die Keyboard-Tasten haute, dann erläuterte Schlager sogleich: „Das ist jetzt ein Klaviersolo, sehr bemüht, aber an Besseren hab i nöt gfunda am Freitagabend“. Schon nach dem ersten Song war der Bann gebrochen, das Publikum sang den Refrain voller Inbrunst mit.

Die Antwort, was denn die beiden Österreicher mitten auf der Alb machen würden, die sollte derjenige geben, „der ihnen das eingebrockt hat“, lachte Schlager und gab den Ball weiter an Gunter Haug. Der Autor, der in der Region als ehemaliger Gomadinger natürlich bestens bekannt ist, reist gerne in das österreichische Weinviertel – „bei uns Schwaben ist der Trollinger die Blutgruppe, bei den Österreichern der GV, der Grüne Veltiner“ – war zu Gast bei einer Lesung, bei der ein Sänger auftrat, von dem er sich sogleich eine CD kaufte, weil er so gut war. Der Kontakt zu Schlager war hergestellt und eines Tages die Idee geboren, „alpenländische Songs mit schwäbischer Poesie zu veredeln“. Haug klärte die beiden Österreicher auf, dass Schwäbisch die Sprache des Herrn ist, eine sehr direkte Sprache. „Ich liebe Dich, das gibt’s nicht.“ Da kommt höchstens mal ein „Bu bist mei liebe Sau“ raus. Die schwäbische DNA gebe schließlich vor, dass man net viel schwätzt, sondern schafft. Haugs Oma spendierte dem Jungen mal ein kleines Eis am Stiel. Warum sie nicht auch eins esse, wollte er wissen: „Wenn des die Leut sehen, dann saget se, hat die nix zum schaffa“, lautete die Antwort. Jüngst habe er einen Flaschner im Haus gehabt, der dann irgendwann mit der Frage herausplatzte: „Aas schaffet Sie eigentlich?“ „Ich bin Autor“, so die Antwort. „Aha, aber was machet Sie sonscht?“.

„Wir Österreicher sind das einzige Volk, dessen Sprache auf der ganzen Welt verstanden wird“, betonte Schlager. Neulich in Kroatien hätten sich österreichische Touristen in einer Gaststätte an den Nebentisch gesetzt. Der kroatische Kellner fragte höflich: „Was darf ich Ihnen bringen?“. „Du haben Kaffee?“ lautete die Antwort. Die Deutschen sind ja in Österreich als „Piefkes“ verschrien. Ein Relikt aus dem österreichisch-preußischen Krieg von 1866, als die Preußen siegten und der Siegesmarsch dazu von Gottfried Piefke komponiert wurde, der mit seinem Bruder an der Spitze einer Militärparade bei Gänserndorf marschierte. Seither heißt es: „Die Piefkes kommen“.

Während der Lieder, die Schlager sang und die sich oft um die Liebe oder den Wein drehten, erzählte Schlager immer wieder kuriose, urkomische Geschichten, etwa vom Besuch im Opernhaus oder den Schönheitskliniken in Ungarn.

Gunter Haug konterte mit schwäbischem Humor, sprach über das Mosten oder Robert Bosch, seine Schulzeit in Gomadingen, den hektischen Einkauf bei Aldi – „ich habe da eine Guerilla-Taktik entwickelt“ – und beendete den vergnüglichen Abend mit  seiner Eloge aufs Schwabenland.