Mehrstetten Zinspolitik führt bei Raiffeisenbank zu Einbußen

Die Mitglieder der Raiffeisenbank Mehrstetten zogen Bilanz.
Die Mitglieder der Raiffeisenbank Mehrstetten zogen Bilanz. © Foto: kü
Mehrstetten / ab 04.07.2018

Der Ausblick ist erfreulich, ist sich der Vorstand der Raiffeisenbank Mehrstetten eG einig. Zahlreiche Mitglieder kamen dieser Tage zur Generalversammlung im Gasthaus „Adler“ in Bremelau zusammen.

Zunächst stellte sich das neue Vorstandsmitglied Hubert Knupfer der Versammlung vor. Der 57-Jährige arbeitet seit dem 1. Januar 2013 für die Mehrstetter Raiffeisenbank. Zum 1. November 2017 wurde er vom Aufsichtsrat in den Vorstand bestellt. Am 1. Februar 2018 übernahm er die Nachfolge des bisherigen Vorstandsmitgliedes Rudolf Hansmann an. Danach ging Knupfer auf die gesamtwirtschaftliche Lage ein. Der deutschen Wirtschaft gehe es gut. Seit 2013 befinde sich die Wirtschaft im Aufschwung und sei 2017 im vierten Jahr in Folge schneller als im langjährigen Trend gewachsen. Und auch die Prognosen klingen zuversichtlich: Der kräftige Aufschwung gehe also weiter. Die Entwicklung wurde maßgeblich von der Industrie getrieben. Weniger stark, aber immer noch überdurchschnittlich, haben die Dienstleister zum Wachstum beigetragen, sagte Knupfer.

Die im Inland erwirtschafteten Einkommen seien gemessen am preisbereinigten Bruttoinlandsprodukt 2017 um 2,2 Prozent angestiegen. Gleichzeitig wurden am Arbeitsmarkt immer neue Beschäftigungsrekorde verzeichnet.

In Deutschland gebe es rund 915 selbstständige Volksbanken und Raiffeisenbanken mit mehr als 11 108 Bankstellen – Tendenz rückläufig. Neben einer zunehmenden Zahl von Fusionen sei vor allem ein starker Rückgang bei der Anzahl der Filialen zu beobachten. Die Genossenschaftliche Finanz-Gruppe betreue rund 30 Millionen Kunden. 18,4 Millionen Menschen sind Mitglieder und damit Teilhaber einer Volksbank oder Raiffeisenbank, so Knupfer.

Die Rahmenbedingungen in der Kreditwirtschaft haben sich in den letzten Jahren gravierend und elementar verändert. Vier Trends seien dabei für Knupfer maßgeblich: Niedrigzinsen, Digitalisierung, Demografie und Regulatorik.

Die Niedrigzinspolitik der EZB führe bei den Regionalbanken wie Sparkassen und Genossenschaftsbanken unweigerlich zu kontinuierlichen Rückgängen der Zinsergebnisse und zu einer deutlichen Beeinträchtigung der Ertragslage. Diesen Auswirkungen könne sich auch die Raiffeisenbank Mehrstetten eG nicht entziehen. Und auch der demographische Wandel führe zu Veränderungen im Geschäftsgebiet.

Danach legte der Vorstandsvorsitzende Erich Striebel den Geschäftsbericht 2017 vor.  Die Bank habe am Jahresende 2017 eine Bilanzsumme von 62 582 000 Euro erreicht. Diese sei um 9,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr angestiegen. „Das betreute Kundenkreditvolumen beläuft sich auf 43 152 000 Euro (Vorjahr 38 398 000 Euro)“, so Striebel.

In der Gewinn- und Verlustrechnung weise die Bank per Jahresende einen Zinsüberschuss inklusive Erträge aus Beteiligungen über 1 128 000 Euro aus, dies seien 44 000 Euro weniger als im Vorjahr. Auslaufende Festzinskonditionen bei Darlehen und die allgemeine Niedrigzinsphase zeigten hier ihre Auswirkungen.

Der Provisionsüberschuss betrage 125 000 Euro, er sei um 37 000 Euro höher als im Vorjahr. Das gesteigerte Provisionsgeschäft bei den Verbundunternehmen (Bausparkasse und Münchener Hypo-Bank) war hier ebenso ausschlaggebend, wie die neu eingeführten Kontoführungsgebühren, sagte Streibel. Bei Finanz­ierungen im privaten Wohnungsbau sei vermehrt der Kundenwunsch nach Zinssicherheit über einen längerfristigen Zeitraum.

Der Rohertrag aus dem Warengeschäft und Nebenbetrieb war mit 84 000 Euro um 8000 Euro höher als im Vorjahr.

Höherer Personalaufwand

Der Personalaufwand war mit 676 000 Euro, bei gleicher Mitarbeiteranzahl, tarifbedingt und durch Zahlung von Jubiläumszuwendungen um 28 000 Euro höher, ebenso stiegen die anderen Verwaltungsaufwendungen um 23 000 Euro auf 355 000 Euro gegenüber dem Vorjahr.

Bei nur geringem Investitionsbedarf waren die Abschreibungen auf Anlagegüter mit 26 000 Euro um 5000 Euro niedriger als im Vorjahr. Kurswertabschreibungen auf den Wertpapierbestand in Höhe von 67 000 Euro und Zuführung zu EWB mit 14 000 Euro kompensiert mit Kursgewinnen belastete das Betriebsergebnis nach Bewertung mit 72 000 Euro zusätzlich.

Nach gewinnabhängigen Steuern über 49 000 Euro und der Zuführung zum Fonds für allgemeine Bankrisiken über 50 000 Euro verbleibe ein Jahresüberschuss in Höhe von 117 249,17 Euro, schloss Striebel seine Ausführungen.

Über diesen Jahresüberschuss musste die Versammlung entscheiden, was sie, nach kurzer Diskussion, auch tat.

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