Der Regionaldirektor Alb-Neckar des ZfP Südwürttemberg, Prof. Gerhard Dr. Längle, stellte gleich zu Beginn der Tagung klar: „Heute arbeiten wir zusammen.“ Professionelle Helfer aus Kliniken, Psychiatrieerfahrene, Angehörige, Ehrenamtliche, die Polizei sowie Vertreter verschiedener Institutionen: Sie alle diskutierten, jeder aus seinem Blickwinkel, den Begriff der Verantwortung. Längle erklärte warum: „Der Begriff bildete eine Klammer hinter den Themen der letzten 30 Ethiktagungen – heute wollen wir diesen gemeinsam weiterdenken.“

Versorgung kranker Flüchtlinge

Alljährlich findet die Ethiktagung am Welttag für seelische Gesundheit am 10. Oktober statt, Veranstalter sind das ZfP Südwürttemberg und die Klinik für Psychiatrie und Psychosomatik Reutlingen (PP.rt). Die Themen bewegen sich im Grenzbereich zwischen rein fachlichen und allgemein menschlichen Fragestellungen, die insbesondere seelisch Erkrankte berühren. In den vergangenen Jahren waren das unter anderem die Rollenfindung in der aufsuchenden Psychiatrie, die Versorgung psychisch kranker Flüchtlinge oder Krankheitsbilder wie Schizophrenie.

In sechs Workshops diskutierten die Teilnehmer in kleineren Gruppen zu verschiedenen Themen, die in Verbindung mit „Verantwortung“ stehen: Vertrauen, Zeitgeist, Wirtschaftlichkeit, Gleichberechtigung, Selbstbestimmung und Freiheit. Jeder Workshop wurde von einem Moderator geleitet, der zu Beginn mit einer kurzen thematischen Einführung für Impulse sorgte. Ebendiese wurden dann gesammelt und vier Ebenen der Verantwortung zugeordnet: der individuellen, institutionellen, politischen und kommunalen Verantwortung. Die Ergebnisse wurden anschließend im Plenum vorgestellt.

Einheitliches Handeln

Für die abschließende Plenumsdiskussion griff Moderator Dr. Berthold Müller einzelne Themen aus den Ergebnisvorstellungen auf und formulierte dazu eine Zielführung: „Was können wir selber leisten? Was erwarten wir von Kommunen und der Politik?“

Kritisch diskutiert wurden unter anderem im Rahmen der Tagung in Zwiefalten das Menschenbild als eine wichtige Voraussetzung für einheitliches Handeln in der Psychiatrie und Gesellschaft sowie die generelle Streikbereitschaft in Deutschland, die eher niedrig sei.

In den Workshops als auch im Plenum kam ein weiteres Thema immer wieder auf: Die neue Personalverordnung für die Psychiatrie, die ab Januar 2020 gelten soll, und für die sich die Bundesverbände der Krankenkassen und der Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses verantwortlich zeichnen. Die Tagungsteilnehmenden waren sich einig, dass die Verordnung ein erheblicher Rückschritt für die psychiatrische Versorgung ist. Die Frage sei nun, wie man sich dagegen wehren könne.

Doch auch positive Entwicklungen in der psychiatrischen Versorgung kamen zur Sprache. So habe sich beispielsweise in Zwiefalten einiges zum Guten verändert, wie zum Beispiel der Austausch zwischen dem ZfP und der Polizei oder die Zwiefalter Bevölkerung, die mit so manchen Themen beeindruckend gelassen umgehen würde.

Austausch ist wichtig

Eine Angehörige lobte zudem die hohe Konfliktlösebereitschaft von Menschen, die psychisch Kranken helfen. Sie sei jedem sehr dankbar, der sein Herzblut hierfür einbringe.

Abschließend stellten die Tagungsteilnehmenden fest: „Wenn wir nur versuchen in unseren Einzelbereichen zu wirken, funktioniert das nicht. Wir müssen uns austauschen und den anderen nachvollziehen können. Dann können wir gemeinsam etwas bewegen.“

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