Bis 2050 wird die Weltbevölkerung um ein Viertel ansteigen, und sich dann vermutlich bei zehn Milliarden Menschen einpendeln. Wie sollen all diese Menschen dann satt werden, wenn schon jetzt jeder dritte Mensch auf diesem Planeten hungert oder fehlernährt ist? Der Filmemacher Valentin Thurn, der jetzt auf Einladung des Biosphärenzentrums, der Münsinger Tafel, der Eine-Welt-Initiative, der VHS-Bad Urach-Münsingen, der Greenpeace-Gruppe Münsingen und des BUND Landesverbandes im Biosphärenzentrum zu Gast war, zog aus in die Welt, um mit seinem Filmteam Antworten auf diese Frage zu finden. Er fand Lösungen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Menschen aus der industriellen und der ökologischen Landwirtschaft kommen zu Wort. Fest steht: Ein Blick auf den Teller zeigt schon jetzt ganz plastisch auf, wer zu den Gewinnern und wer zu den Verlieren dieser Thematik zählt.

„Wir haben die Lösung“, ist in dem Streifen die Agrarindustrie überzeugt. Der Bayer-Konzern zum Beispiel, der weltweit die meisten Patente auf Samen besitzt, setzt auf Gentechnik und Hybride, was Thurn als Strategie mit unkalkulierbaren Folgen sieht, Bayer hingegen verweist auf die Ertragssteigerung. Hybridpflanzen jedoch müssen die Bauern jedes Jahr neu mit den entsprechenden Pestiziden kaufen.

Kusum Misra, die Thurn in der indischen Saatbank getroffen hat, ist deshalb überzeugt: „Wir haben keine andere Wahl, wir müssen zu den alten Saatgutsorten zurückkehren und die Saat soll den Bauern und nicht den Konzernen gehören“. Eindrucksvoll zeigt sich in dem Film, wie Pflanzen alter Saatsorten beispielhaft auch bei Überschwemmungen Stand halten.

Beim Besuch im Kalibergwerk erfährt Thurn, dass wir  aufgrund der hohen Nachfrage kurz vor dem Ende des Kunstdüngerzeitalters stehen. Biobauer Felix zu Löwenstein hat dies längst erkannt und glaubt deshalb, dass nur die Nachhaltigkeit Zukunft haben kann. Er setzt auf die aufwändigere aber seiner Meinung nach langfristige Landwirtschaft und pflügt statt Kunstdünger immer wieder Klee unter, um die Humusschicht zu verbessern. Auch wenn der im Remstal aufgewachsene Filmemacher letztendlich jedem einzelnen Betrachter seinen ganz persönlichen Freiraum zum Suchen der besten Lösung lässt, wird schnell deutlich, dass er kein Freund der wachsenden Fleischfabriken ist. Unter anderem der Ackerflächen wegen, auf welchen eigentlich Essen für Menschen wachsen soll, stattdessen aber Futter für die Tiere produziert wird. Ziemlich unappetitlich sind die Bilder im Film, welche den enorm wachsenden Hühnerbedarf in Indien zeigen. Anders die Bilder, welche den deutschen Ökobauer zeigen, der Schweine, Rinder und Hühner gemeinsam weiden lässt und unter anderem bei den Hühnern auf Mischungen aus alte Rassen setzt, die sowohl Eier legen als auch Fleisch ansetzen. Fleisch, welches allerdings vier- bis fünfmal so teuer ist als solches vom Discounter.

An Science Fiction erinnert im Film der Anblick der Gemüsefabrik in Japan, in welcher auf 16 Etagen neun Mal im Jahr geerntet werden kann. Salat wächst hier in Lösungen ohne Erde, ohne Insekten und ohne Sonne. Zumindest schmackhafter wirkten die Szenen aus dem englische Städtchen Durham, wo es an allen Ecken und Enden unabhängig von der Industrie Essbares, wie Beeren oder Obst gibt.

Auf Unabhängigkeit von der Industrie setzt auch Fanny Nanjiwa, die Thurn in Malawi getroffen hat. Die afrikanische Bäuerin baut längst verschiedenste Gemüse- und Getreidesorten an, um sich von der Maiswirtschaft zu lösen. Ein Konzept, mit welchem die Unterernährung im Dorf drastisch reduziert werden konnte.

Auch wenn Thurn mit seiner Dokumentation keine klare, eindeutige Lösung für die Speisung von 10 Milliarden Menschen präsentieren konnte, wurde auch in der anschließenden Dokumentation klar, dass letztendlich jeder von uns mitbestimmen kann, indem er entscheidet, was auf den Teller kommt. „Würde jeder so viel Fleisch essen wie wir, bräuchten wir drei oder vier Planeten“, ist sich Thurn sicher.

Sicher ist auch, dass Essen für jeden bezahlbar sein muss, um alle Menschen satt zu bekommen. Auf die Stärkung der regionalen Landwirtschaft setzt Bürgermeister Mike Münzing, der in der anschließenden Diskussion unter anderem fürs Einmachen von heimischem Obst warb. Satt war bei der Filmvorführung übrigens jeder, denn im Vorfeld war ein leckeres „Tafelladen-Büfett“ aufgebaut, ganz im Sinne von „Taste the Waste“, dem ersten Filmthema von Thurn. Nachzulesen ist die ganze Thematik auch im Buch „Harte Kost“ von Valentin Thurn und Stefan Kreutzberger.