"Lasst uns gemeinsam Gott danken für die deutsche Einheit, für den Frieden und auch dafür, dass er hier so viele unterschiedliche Menschen zusammengeführt hat", forderte Pfarrer Salomon Strauß zu Beginn des Gebetstags am Donnerstagmorgen die zahlreichen Besucher auf und freute sich darüber, dass "Gott schon wieder mal meine Erwartungen deutlich übertroffen hat". So erwies es sich am Feiertag als ein Segen, dass der Ideengeber Fritz Pfleiderer von seinem ursprünglichen Gedanken, den Tag der Deutschen Einheit christlich im kleinen CVJM-Kreis zu begehen, abgekommen war und die breite Öffentlichkeit angesprochen hat. "Christen sollen hier als eine Einheit zusammenkommen, nicht getrennt und vor sich hinwurstelnd. Wir brauchen kein Volksfest, vielmehr wollen wir Gott heute die Ehre geben", betonte Pfleiderer.

In Bürgermeister Mike Münzing hatte er im Vorfeld sogleich einen Befürworter für diese Art, den Tag der deutschen Einheit zu feiern, gefunden. Denn für Münzing ist dies ein "Feiertag im wahrsten Sinne des Wortes". Viele Menschen hätten von Gott damals die Kraft für eine Revolution erhalten, ohne dass Blut vergossen wurde.

Münzing erinnerte an die deutsche Geschichte, an zwei große Kriege mit Millionen Menschenopfern und an die Alliiertenrunde, die zum Ende des Zweiten Weltkrieges das damalige Deutsche Reich besetzte und aufteilte. "Niemals sollte wieder aufgrund der Größe und Stärke des Landes ein solches Unheil über die Welt hereinbrechen. Die Aufteilung Deutschlands war ein Urteil über das Unrecht, das über viele Jahre an Europa und der ganzen Welt so unmenschlich begangen wurde", so Münzing, der den Mauerbau als "endgültige Manifestigung" bezeichnete.

Man dürfte dankbar dafür sein, dass schon die Politik früh versucht hätte, den Mauerblock aufzubrechen und eine Annäherung zwischen Ost und West, zwischen BRD und DDR zu erreichen. "Wir sind heute zum Dank verpflichtet, denn die Wiedervereinigung war keine Selbstverständlichkeit". Mit der Trennung zwischen Ost und West hätte sich die Schuld aus den Jahren 1933 bis 1945 fortgesetzt.

Mittlerweile gehe es nicht um das Tragen von Schuld, sondern darum, die Mitverantwortung nicht aus den Augen zu verlieren. Europa hätte nicht die Entwicklung genommen, wenn es keinen Abbruch des Ost-West-Konflikts gegeben hätte, es gäbe keinen derartigen Binnenmarkt ohne die Wiedervereinigung, keine Begegnung von Menschen und keine Schöpfung von Kräften. "Wer hätte wirklich geglaubt, dass wir das einmal erleben dürfen?", fragte Münzing.

Auch auf Münsingen hätte die Wiedervereinigung mit dem Abzug der Bundeswehr eine direkte Auswirkung gehabt und bei aller persönlicher Betroffenheit dürfte man auch dafür dankbar sein.

"Der Militarismus mit seiner Aufrüstung hat sein Mittel zum Zweck verloren und wir haben einige neue Bürger gewonnen". Seinem Dank schlossen sich viele Besucher an: Sie dankten für den Neuanfang ohne Blutvergießen, für Gottes Fingerzeig in der Geschichte, für das Wunder der friedlichen Wiedervereinigung und für die Gnade, dass die Last der Trennung vom Volk genommen wurde.

Bewegend waren die Ausführungen von Catrin Scheck aus Blaubeuren-Asch, die durch ihre Schilderungen über ihr Leben in der damaligen DDR persönliche Einblicke ermöglichte.

Wie schwierig es war, die Christenlehre und den Konfirmandenunterricht zu besuchen, 1987 einen Mann aus dem Westen zu heiraten und endlich ausreisen zu dürfen, dabei aber Familie und Freunde hinter sich lassen zu müssen.

Im Anschluss an den gemeinsamen Teil mit Beten, Singen und Danken schlossen sich kleine Gebetsgruppen zusammen, bevor Thomas Hagmaier die Wende aus ökonomischer Sicht beleuchtete. Nach dem Erfolg dieser Premiere soll es auch künftig am 3. Oktober solche "Gott sei Dank!"-Veranstaltungen geben.