Auingen Wert der Mitarbeiter schätzen

„Unternehmer im Gespräch“: Zum Auftakt der neuen Reihe der Volksbank Münsingen konnten die Vorstände Andreas Deiß und Christian Bückle den Burladinger Textilunternehmer Wolfgang Grupp (von links) im Württemberg Palais im Albgut in Auingen begrüßen.
„Unternehmer im Gespräch“: Zum Auftakt der neuen Reihe der Volksbank Münsingen konnten die Vorstände Andreas Deiß und Christian Bückle den Burladinger Textilunternehmer Wolfgang Grupp (von links) im Württemberg Palais im Albgut in Auingen begrüßen. © Foto: Ralf Ott
Auingen / Von Ralf Ott 08.11.2018

Erfolgreiche Premiere: Die Volksbank Münsingen ging am Mittwochabend mit der neuen Veranstaltungsreihe „Unternehmer im Gespräch“ an den Start. Rund 160 Gäste konnte das Kreditunternehmen im Württemberg Palais im Albgut begrüßen. Im Fokus stand der Vortrag des Burladinger Texilunternehmers Wolfgang Grupp, der informativ, prägnant und unterhaltsam zugleich seine Gedanken über das Thema „Deutschland – noch ein Standort mit Zukunft“ präsentierte.

Mit der neuen Reihe möchte die Volksbank „den Dialog zwischen den Unternehmern in der Region“ in den Mittelpunkt rücken und eine Plattform für den Meinungsaustausch bieten, wie Vorstand Christian Bückle in seiner Begrüßung sagte.

Der Unternehmer und das Produkt entscheiden über den Erfolg, so Grupp, dessen Firma zu einer „ausgestorbenen Branche“ gehört, wie er eingangs sagte. Und doch sehr erfolgreich am Markt agiert. „Der Standort Deutschland ist besser als sein Ruf, vorausgesetzt, die Unternehmer erfüllen ihre Pflicht“. Die Tatsache, dass viele Deutsche das Vertrauen in die soziale Marktwirtschaft verloren haben, sei unmittelbar dem Verhalten einer Reihe von Managern geschuldet. „Wer in der Verantwortung steht, muss sie auch tragen“, betonte Grupp. Es sei falsch, die Globalisierung für den Verlust von Arbeitsplätzen verantwortlich zu machen. „Wir können in die ganze Welt liefern, brauchen aber ein Produkt, das nachgefragt wird“. Und das müsse in Deutschland „innovativ“ sein – Erfolg sei nicht über die Masse erreichbar. So habe es 2001 bei Trigema letztmals eine Kapazitätserweiterung gegeben. „Flexibilität, Schnelligkeit und Qualität“ seien die entscheidenden Vorteile, die Trigema biete. „Wir sind zu 100 Prozent ausgelastet, die Fertigung von 20 000 bis 30 000 Stücken pro Tag geht aufs Lager“, sagte Grupp, „somit können wir innerhalb von 48 Stunden jedes im Katalog angebotene Produkt liefern“. Bei einer Fertigung im Ausland sei dies schon aus logistischen Gründen unmöglich. „Voll ausgelastete Arbeitsplätze sind auch in Deutschland nicht zu teuer“, betonte er. Qualität hat für ihn ihren Preis, über den er nicht verhandelt. Wer bei Trigema einkaufen will, muss das akzeptieren.

Das Unternehmen stellt die benötigten Stoffe selbst her, anschließend werden diese veredelt und sodann zugeschnitten bevor sie zur Konfektionierung in die Näherei kommen. „Vor 20 Jahren ist als fünfter Schritt der Handel hinzugekommen“, sagte Grupp mit Blick auf das Internet. Er habe nie daran gedacht, mit dem Unternehmen Burladingen zu verlassen. Er wohne hier und habe hier seine Pflicht zu erfüllen. Und: „Kein Unternehmer ist durch die Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland reicher geworden“. Trotz vieler Krisen habe es bei Trigema nie auch nur eine Stunde Kurzarbeit gegeben und keine Entlassungen. Im Gegenteil: Trigema garantiert den Kindern von Mitarbeitern eine Ausbildung und spätere Anstellung im Unternehmen. Letztlich ist dies Ausdruck der „Trigema-Familie“, von der Grupp spricht und so arbeiten zum Teil drei Generationen unter einem Dach.

Auch der 76-Jährige hat seine beiden Kinder – Tochter Bonita und Sohn Wolfgang – vor rund fünf Jahren zum Einstieg in die Firma bewogen. Als er selbst 1969 ins väterliche Unternehmen eingestiegen ist, sah es damit nicht gut aus. Zu Hilfe kam ihm der Trend aus den USA, T-Shirts als Kleidungsstück zu tragen. „Ich konnte die damals eigentlich unverkäuflichen Unterhemden färben und wurde sie los“, berichtete Grupp schmunzelnd.

Seit 46 Jahren leitet er nunmehr als alleiniger Geschäftsführer und Inhaber die Geschicke von Trigema. „Ich sitze im Großraumbüro mit den Mitarbeitern der Verwaltung und bin da um Fragen zu beantworten, Probleme zu lösen und Entscheidungen zu treffen“. Ein Unternehmer habe Vorbildfunktion und müsse die eigenen Mitarbeiter wertschätzen. „Wir haben alle Mitarbeiter, auch in der Geschäftsleitung, selbst ausgebildet“. Das seien die Säulen, auf denen Trigema ruhe. Dennoch sei er egoistisch, kapitalistisch und wolle Geld verdienen. Aber: „Ich bin davon überzeugt, dass es mir nur gut gehen kann, wenn es meinem Umfeld gut geht“. Dann seien die Mitarbeiter auch bereit, sich voll für die Firma einzusetzen.

Trigema-Chef Wolfgang Grupp

In dritter Generation ist Wolfgang Grupp (Jahrgang 1942) alleiniger Geschäftsführer und Inhaber des Textilwarenherstellers Trigema (Mechanische Trikotwarenfabriken Gebr. Mayer KG, 1919 gegründet) aus Burladingen. Der Jahresumsatz liegt bei rund 100 Millionen Euro, 1200 Beschäftigte hat Trigema. Sein Vater Franz Grupp begann 1939 als Schwiegersohn von Eugen Mayer bei Trigema. Wolfgang Grupp trat 1969 in die Firma ein und leitet diese seit 1972. Er ist Träger des Ehrenrings seiner Heimatstadt Burladingen, 1998 erhielt er aus den Händen des damaligen Ministerpräsidenten Erwin Teufel die Stauffermedaille in Gold und Grupp ist zudem auch Träger des Cicero-Rednerpreises des Verlags der Deutschen Wirtschaft. rot

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