Kabarett Wellküren in Münsingen

Die „Wellküren“ mit Burgi, Bärbi und Moni Well (von links) begeisterten in der Alenberghalle.
Die „Wellküren“ mit Burgi, Bärbi und Moni Well (von links) begeisterten in der Alenberghalle. © Foto: n
Maria Bloching 17.02.2018

Endlich gibt es ein Mittel gegen den ganzen verrückten Wahnsinn: „Stugida“. Mit Hackbrett, Harfe, Gitarre, Tuba, Nonnentrompete, Posaune, Saxophon und Gesang geht es dank des „Leitkulturmarschs“ oder des „Morgen- und Abendlandlers“ streng gegen Rechtsaußen. Die Wellküren sind das beste Mittel, um mit viel Ironie, hausgemachter Volksmusik und einem gepflegten oberbayerischen Dialekt der AfD, den männlichen Wechseljahren oder der Laktoseintoleranz zumindest verbal restlos den Garaus zu machen.

„Griaß eng Gott alle mitanand“, begrüßten die drei Schwestern Moni, Bärbi und Burgi Well,  die auf Einladung des SV Böttingen bereits zum zweiten Mal  in Münsingen gastierten, am Donnerstagabend die zahlreichen Besucher in der Alenberghalle. Was hätte man am Tag nach Aschermittwoch auch Besseres zu tun? „Dohoim romsitza ond der Ma agugga? Schöner wird der au net“. Und deshalb lassen auch die Wellküren „zwecks em Sepp ond seiner unbändiga Lust“ weder Messer noch Silikon an ihre Brust. Lieber greifen sie zu Globuli, denn die helfen in jedem Fall. Zum Beispiel bei der „hormonellen Demenz“ ihrer Männer, wenn das Testosteron aufs Gehirn drückt: „Das letzte, was a Frau will, sind Männer im Wechsel. I will koin alta Maxel, sondern a jongs Mäxle“.

Die drei Schwestern verloren sich in der Grundsatzfrage, ob Frau Mann überhaupt braucht. Er bringt „en Haufa Bügelwäsch“, schaut im Trainingsanzug Bundesliga und meint, er treibe Sport: „Ond mit viel Pech hosch en Pflegefall dohoim“. Schöner werden´s a net: Auf´m Kopf koine Hoor, sonsch kommet se überall raus: „Do lob ich mir das Tierreich und die Gottesanbeterin. Aber onsere Männer wollt i net essa“. Natürlich sind auch an ihnen selber die Jahre nicht vorbei gegangen, wie sie höchst selbst­ironisch einräumten. Deshalb an die Männer im Publikum gerichtet: „Seid´s froh, dass ihr mit eure Fraua wieder heimgehen könnt“.

Diese weibliche Synthese aus Volksmusik und Kabarett aus Bayern machte vor keinem brisanten Thema Halt, sie spielte, sang und scherzte für alle Überlebenden und Hinterbliebenen, zeigte, woher der Wind in Bayern weht und erklärte mit Spott und Ironie, wie man in Würde altert. Aufgewachsen in einer 17-köpfigen Familie haben Moni, Bärbi und Burgi gelernt, sich durchzusetzen.

Der typische Frauen-Dreigesang ist geblieben, doch sie singen nicht mehr vom Fensterln, dr Liab, von de Buam, de Bacherl und Wiesen oder Marienlieder, schließlich kann man jenseits der 50 nicht mehr vom Fensterln singen: „Es kimmt jo koiner mehr“. Bis sie die Stubenmusik schätzen lernten, hätten sie ein gespaltenes Verhältnis zu ihr gehabt. Und würden die Politiker Stubenmusik machen, hätte Deutschland schon längst eine Regierung und die Welt sähe besser aus mit Putin an der Harfe, Erdogan an der Zitter und Trump an der Triangel („mehr schafft der net“).

Stubenmusik beruhigt, trotzdem hatte Moni allen Grund, sich aufzuregen: Über des „fiese Gschau“ von Markus Söder („Ihr könnt´s froh sei mit euerm Kretschmann“), über den „Revolutionsführer“ Alexander Dobrinth („Der will die 68er überwinden – tut mir leid, des seid Ihr mit Frauenbewegung und der Verdrängung der Nazis aus den Ämtern – dann gute Nacht Abendland“) und die „Kasperlköpf“, die eine Mauer bauen wollen („Die einzige Mauer, die funktioniert hat, war die Abwehrmauer Italiens, wenn sie gegen Deutschland gespielt haben“). Manche Frauen hätten Haare auf den Zähnen, aber bei Alice Weigel von der AfD hat jeder Zahn eine eigene Frisur: „Wenn diese Bagage das Volk wird, werden wir Flüchtlinge“.

Die Wellküren spannten  am Donnerstag in der Alenberghalle den Nonnengeigen-Bogen weit von Mozart bis Ennio Morricone, sie streuten satirischen Pfeffer mit ihrer revolutionierten Stubenmusik und boten bayerisches Volksmusik-Kabarett auf höchstem Niveau.

Auf die Melodie von „Spiel mir das Lied vom Tod“ kreierten sie genial ein „Stubenmusical“ für Harfe, Hackbrett und Nonnentrompete, in dem sich Markus Söder und Horst Seehofer bis aufs Blut duellierten. Urbayerisch sorgten sie immer wieder mit ihrer unaffektierten Natürlichkeit für Wortwitz und höchstes Amüsement. Sie ließen wortgewandt Traditionen hochleben und nahmen sie gleichzeitig schamlos auf die Schippe. Mit einer tollen Version von „Auf einem Baum ein Kuckuck“  sorgten sie für restlose Begeisterung.

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