Die Zukunftspläne waren geschmiedet, die junge Frau aus dem Unterland wollte mit ihrem Partner zusammen eine Wohnung beziehen. Doch dann kam es anders, das Paar trennte sich und die Mutter von zwei Kindern stand von einem Tag auf den anderen als Alleinerziehende da. In dieser Situation kam sie bei Verwandten in Münsingen unter. Doch das Platzangebot war begrenzt und so war sie froh, als sie immerhin eine Zweizimmerwohnung gefunden hatte. Ihre beiden Kinder teilten sich ein Zimmer, der andere Raum wurde als kombiniertes Wohn- und Ess- sowie von ihr selbst noch als Schlafzimmer genutzt.

Die junge Familie musste jedoch nicht nur im Hinblick auf die Größe der Wohnung sondern auch in finanzieller Hinsicht mit dem Allernötigsten auskommen. In dieser Situation wurde sie auf die Diakonische Bezirksstelle aufmerksam. Dort fand sie mit Isolde Rauscher eine versierte und ihr zugewandte Ansprechpartnerin, die ihr in den vergangenen beiden Jahren seit sie in Münsingen lebt in vielfältiger Weise als profunde Ratgeberin zur Seite stand. So konnte die gebürtige Kroatin, die in Deutschland aufgewachsen ist und viele Jahre in Italien gelebt hat, vor kurzem eine größere Wohnung beziehen. „Ohne Frau Rauscher hätte ich das nicht geschafft“, freut sich die inzwischen dreifache Mutter.

Miethöhe und Realität stimmen nicht überein

Ein Zufall hat ihr die neue Wohnung beschert. Zuvor hatte sie lange im Internet gesucht, hatte aber angesichts ihres niedrigen Einkommens keine Chancen. „Das Jobcenter kalkuliert mit einer bestimmten Anzahl von Quadratmetern pro Person und legt eine Höchstgrenze für die Kaltmiete fest“, erläutert Rauscher die geltenden Regeln. „Allerdings entsprechen diese Sätze nicht mehr den Realitäten auf dem heutigen Wohnungsmarkt“. Umso mehr freut sich die Frau darüber, jetzt vier Zimmer für ihre Kinder und sich zur Verfügung zu haben. Um die Kaution bezahlen zu können, hat sie genauso einen Antrag beim Jobcenter gestellt wie für die Umzugsbeihilfe oder beispielsweise einen Schreibtisch als Erstausstattung. Als Folge einer Erkrankung hat sie ein Auge verloren. Sie kann nicht mehr dreidimensional sehen und durch den in der Augenhöhle platzierten Kunststoffball verspürt sie ein Druckgefühl im Kopf, das sich verstärkt, wenn sie etwas Schweres trägt. Natürlich kann sie sich mit ihrem Einkommen kein Auto leisten und war auch deshalb auf die Umzugshelfer angewiesen. „Ich war wirklich froh, dass mir hier geholfen wurde, die Anträge richtig zu stellen“. Auf die immer wieder erforderliche Fahrt in die Klinik nach Tübingen nimmt sie die Kinder mit – auch das belastet das knappe Budget.

500 Euro müssen für zwei Wochen reichen

Das ihr zur Verfügung stehende Einkommen, das sich aus dem Regelbedarf – von dem der Unterhaltsvorschuss abgezogen wird – sowie dem Kindergeld zusammensetzt, liegt im Monat bei 1500 Euro. Davon muss die vierköpfige Familie sämtliche Ausgaben bestreiten. Sind Gas, Wasser, Strom und Versicherungen bezahlt, dann bleiben ihr rund 500 Euro für zwei Wochen, in denen sie mit drei Kindern über die Runden kommen muss. „Das ist eng gestrickt und funktioniert im Alltag überhaupt nur dann, wenn keine besonderen Ausgaben hinzukommen“.

Doch die gibt es oft. Das Spektrum reicht vom Besuch auf dem Weihnachtsmarkt über den Schulausflug bis zum Schullandheimaufenthalt. „Es ist ein unheimlicher Druck, der auf mir lastet, denn ich will ja, dass die Kinder bei den Unternehmungen mitmachen können“, betont sie. „Wir haben ihrem Kind die Teilnahme am Skischullandheim mit Sachspenden und einem kleinen Geldbetrag ermöglicht“, erinnert sich Rauscher. Das zeigt, dass tatsächlich schon „Kleinigkeiten“ wie Handschuhe oder eine Skibrille das genau kalkulierte Budget sprengen, denn der Schullandheimaufenthalt selbst wird durch das Jobcenter finanziert und Ski sowie Stiefel können ausgeliehen werden.

Unterstützung in besonderen Fällen

Und natürlich gibt es auch größere Dinge wie jetzt beispielsweise den Umzug oder das eine oder andere technische Gerät, das kaputt geht und ersetzt werden muss. Genau dafür dient der Nothilfefonds der Diakonischen Bezirksstellen. Für die Bewilligung gibt es genaue Richtlinien und einen Maximalbetrag pro Familie. Und die vorhandenen Gelder sind natürlich begrenzt. „Wir sind in jedem Fall auf Unterstützung angewiesen“, betont Rauscher. Im Bedarfsfall kann sie auch einen Antrag beim Diakonischen Verband stellen oder Unterstützung bei der Landesstiftung, wenn es um etwas größere Summen geht. Unbürokratisch und schnell funktioniert das allerdings nicht, erforderlich ist ein 16-seitiger Antrag und die Bezirksstelle muss 10 bis 20 Prozent des Betrags aus eigenen Mitteln hinzufügen.

Trotz der Schwierigkeiten bleibt die junge Mutter optimistisch. Sobald das jüngste Kind etwas älter ist, möchte sie wieder arbeiten gehen, um finanziell unabhängig zu sein. Der ausgebildeten Erzieherin dürfte zumindest die Stellensuche keine größeren Probleme bereiten.

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Weihnachtsaktion: „Die gute Tat“


Liebe Leser, dank Ihrer Spenden konnten das Metzinger-Uracher-Volksblatt/Der Ermstalbote, die Reutlinger Nachrichten und der Alb Bote in den vergangenen Jahren viele soziale Projekte oder Einrichtungen in unserer Region unterstützen. Das WIM-Haus etwa, die Diakonische Bezirksstelle, das Ferientagheim in Metzingen, die Tafelläden in Metzingen, Bad Urach und Münsingen, die Matizzo-Stiftung sowie die Afrika-Hilfe des Kirchenbezirks Bad Urach/Münsingen und auch das DRK konnten schon mit Ihren Spenden bedacht werden. Im Vorjahr war die Kindergruppe der Oberlin-Jugendhilfe für Kinder psychisch kranker Eltern an der Reihe. Dieses Mal gehen die Spenden an den Nothilfefonds der Diakonischen Bezirksstellen in Metzingen, Bad Urach und Münsingen.

Spenden für die Weihnachtsaktion „Die gute Tat“ richten Sie bitte an Georg Hauser GmbH & Co KG unter dem Stichwort „Weihnachtsaktion“ an die VolksbankErmstal-Alb, IBAN: DE 03 6409 1200 0233 4340 03, oder an die Kreissparkasse Reutlingen, IBAN: DE 33 6405 0000 0000 900 5 40.

Eine Spendenbescheinigung wird nach Ende der Aktion ausgestellt. Dazu muss bei der Spende oder Überweisung unbedingt die vollständige Adresse des Spenders angegeben werden. Bei einer Spende bis 200 Euro reicht fürs Finanzamt allerdings der Kontoauszug.