Gute Nachrichten aus der kenianischen Provinz brachten Marit Wiest und Christine Scheiberg vom Arbeitskreis Maralal mit zurück auf die Alb. Drei Wochen lang waren die beiden Frauen Anfang des Jahres zu Gast im afrikanischen Land, wobei es für Christine Scheiberg eine Premiere war.

Seit 2014 existiert der Arbeitskreis Maralal, der es sich zur Aufgabe gesetzt hat, die Arbeit der Kenianerin Grace N. Kiboi zu unterstützen, die 2004 das Kinderheim „Springs of Hope“ gegründet hatte, aus dem Wunsch heraus, Waisenkindern aus Maralal und Umgebung beizustehen. Vor Ort wird das Kinderheim von zwei Kirchengemeinden und einigen Privatpersonen unterstützt.

Die Hilfe aus Münsingen dient vor allem der Verbesserung der Infrastruktur des Waisenheimes. Mit Spendengeldern wurde so bis Anfang 2016 ein Küchengebäude mit Lagerraum und Speisesaal fertiggestellt. Nächstes Projekt und nicht weniger wichtig war jetzt die Sicherstellung der Wasserversorgung des Kinderheims. Immer häufiger fallen Regenzeiten in Kenia aus und Wasser musste teuer zugekauft werden. Deshalb stand für Marit Wiest und ihre Mitstreiter und Mitstreiterinnen fest, dass man in den Bau eines Brunnens investieren muss. Dieser wurde tatsächlich im August vergangenen Jahres gebohrt, wobei man das Glück hatte, schon bei der ersten Bohrung in knapp 100 Metern Tiefe auf Grundwasser zu stoßen.

Hochbehälter mit Wassertank

Im Anschluss an den Brunnenbau wurde ein Hochbehälter errichtet, an dessen Spitze ein 10 000 Liter-Wassertank angebracht ist. Es sprudelt zum Glück reichlich Wasser aus dem Untergrund, bis zu 2000 Liter in der Stunde sind es. Das Wasser hat gute Qualität, wenngleich es etwas zu viel Fluorid aufweist, was langfristig gesehen zu gesundheitlichen Schäden in Form poröser Knochen führen kann. „Das Wasser wird jetzt erst einmal drei Monate lang laufen gelassen, ehe zu entscheiden ist, ob es einer Osmose-Filteranlage bedarf, die etwa 5000 Euro kosten würde“, erklärt Marit Wiest. 33 Kinder leben derzeit in „Springs of Hope“. Ihre Freude über das Wasser, das „von der Decke regnet“, wie es ein Knirps ganz aufgeregt Grace N. Kiboi mitteilte, war riesengroß. Die Dusche ist derzeit noch provisorisch eingerichtet, wird aber rege frequentiert. Und Handtücher zum Abtrocknen haben die Kinder inzwischen auch. Die gab es nämlich noch nicht, als erstmals der Duschhahn aufgedreht wurde. Eilig machten sich Marit Wiest und Christine Scheiberg auf den Weg in die Stadt und kauften drei Dutzend Handtücher. Die überreichten sie den Kindern. Für die meisten von ihnen war dies ein ganz besonderer Moment, erhielten sie doch erstmals im Leben etwas, das ihnen gehört.

Mit der Realisierung der Wasserversorgung sind die Aufgaben für den Arbeitskreis Maralal längst nicht erledigt. Die Schaffung guter sanitärer Verhältnisse steht jetzt auf der Agenda, auch ein weiterer Schlafraum soll entstehen, um Jungen und Mädchen trennen zu können. „Jetzt schlafen die Kinder zum Teil noch zu Zweit im Bett“, berichtete Christine Scheiberg.

Sie hatte auch einigen Unterrichtsstunden beigewohnt, war überrascht, dass schon in der „Babyklasse“ mit den Drei- und Vierjährigen Frontalunterricht gegeben wurde, den ganz Kleinen bereits Englisch beigebracht wird, und zwar von 8 bis 15 Uhr, wobei die Kinder stundenlang ruhig auf ihren Plastikstühlen sitzen bleiben. Scheiberg: „Da werden keine Faxen gemacht“.

In der dritten Klasse mit den Fünf- bis Sechsjährigen erlebte Scheiberg, wie Rechnen gelehrt wird mit Steinen, die vom Lehrer hin- und hergeschoben werden. Mehr als 50 Schüler besuchen den Unterricht, viele kommen von auswärts. Während des Besuchs der Münsingerinnen waren die staatlichen Schulen übrigens geschlossen. Wegen Wassermangels.

Reis mit Saubohnen

Zum Essen erhalten die Kinder morgens Porridge, mittags Reis mit Saubohnen oder Maisbrei. Zum Personal der Schule zählt auch ein Koch. Noch ist die Schule im Aufbau, am Ende soll sie sieben Klassen umfassen.

Am morgigen Donnerstag ist Marit Wiest zu Gast in der Schillerschule, wo ein Projekt startet, in dem die Schüler soziales Engagement zeigen. Jede Klasse möchte Geld erwirtschaften, das dem Arbeitskreis Maralal zugute kommen soll.

Info Informationen über den Arbeitskreis Maralal gibt es unter www.ias-intl.org/de oder direkt bei Marit Wiest (07381)8389 oder maritwiest@web.de