. Wo gibt es Wölfe? Wie groß sind Wölfe? Was fressen Wölfe? Kann man Wölfe streicheln? Was unterscheidet sie von Hunden? Gibt es Wölfe auch bei uns? Was tun, wenn man einem Wolf begegnet? Diese und viele andere Fragen versuchte Andrea Klemer, NABU-Wolfsbotschafterin, im Rahmen einer Eltern-AG für Kinder der zweiten Grundschulklasse Auingen zu beantworten.

Bisher kannten die meisten Kinder Wölfe nur aus dem Märchen und dort wird er grundsätzlich als ein schreckliches und angsteinflößendes Wesen geschildert. Um den Kindern ein realistisches Bild vom Wolf zu vermitteln und ihnen die Angst zu nehmen, führte Andrea Klemer die Kinder durch die Sonderausstellung des Biosphärenzentrums Schwäbische Alb in Auingen. Anhand lebensgroßer Wölfe aus Pappe konnten sich die Kinder das genaue Aussehen der Wölfe besser vorstellen. "So groß hab ich mir einen Wolf gar nicht vorgestellt!", die Welpen sind ja süß! Sehen aus wie Hundewelpen", waren einige der Kinderkommentare.

In der Ausstellung ging es um die Domestizierung der Wölfe. Wie wurde der Wolf zum Haustier? Wie könnte es vor sich gegangen sein, als die Menschen zum ersten Mal Wölfe (oder wahrscheinlich eher Wolfswelpen) zu sich in die Höhlen nahmen? Wie kam es zur Zucht von Wölfen? Nach welchen Kriterien suchten sich die Menschen die passenden Wölfe aus? Welche Schädel- und Zahnunterschiede gibt es zwischen Wolf und Hund? Anhand der anschaulichen Exponate in der von Kuratorin und Archäologin Andrea Skamletz gestalteten Ausstellung "Die Zähmung des Wolfes" konnten viele dieser Fragen anschaulich erklärt werden. Es waren Schädel von Wölfen zu sehen, so konnten auch die Zähne und die Schädelform genau begutachtet werden. Auch ein echtes Wolfsfell konnten die Kinder streicheln. "Fühlt sich weich an", meinten die einen Kinder, "Fühlt sich eher borstig an", meinten die anderen; da blieb man sich uneins. Eines aber wurde klar: Der Wolf ,beziehungsweise Hund, begleitet den Menschen seit vielen tausend Jahren, wie auf historischen Abbildungen und Figuren zu sehen war. Dass der Wolf ausgerottet wurde, lag daran, dass er ein Nahrungskonkurrent des Menschen ist. Damals wie heute wurden Wölfe gejagt. Heute sind Wölfe zwar geschützt, werden aber immer noch illegal geschossen oder durch Unfälle mit Autos tödlich verletzt.

Jetzt kommen sie wieder aus anderen Teilen Europas zu uns nach Deutschland und es kann sehr schnell gehen, bis auch bei uns hier auf der Schwäbischen Alb Wölfe auftauchen. Sie sind nur noch 25 Kilometer weg von Baden-Württemberg. "Ein Wolf kann weite Strecken laufen; in einer Nacht zwischen 20 und 50 Kilometer," erklärte Klemer, "von daher könnte er theoretisch innerhalb weniger Tage bei uns sein". Das erhöhte sichtlich die Spannung bei den Kindern. Hier kann sich der Mensch dann den Nachfahre des Wolfs zunutze machen: Ausgebildete Herdenschutzhunde könnten z.B. Schafe gegen Wölfe schützen. Eine wichtige Erkenntnis für die Kinder war jedoch, dass der Wolf keine Menschen angreift. "Der Wolf ist ein sehr scheues Tier, welches meist sofort flüchtet, wenn er einen Menschen sieht, daher braucht Ihr Euch nicht vor ihm fürchten", erläuterte Klemer. Wenn man tatsächlich mal einem wilden Wolf begegnet, sollte man nicht weglaufen, sondern sich ruhig verhalten und seinen eigenen Hund angeleint lassen.

Viel Wissen brachten die Kinder bereits mit, als es um den Einsatz von Hunden in heutiger Zeit als Rettungs-, Schutz- oder Begleithund ging. Auf Fotos sah man in der Ausstellung, dass Hunde früher sogar zum Ziehen von Wagen (Milchverkauf) wie ein Kutschpferd eingesetzt wurden. Im anschließenden Quiz durften die Kinder dann ihr Wissen nochmals testen. Dann gab es den Oscar-prämierten Film "Peter und der Wolf" zu sehen und anschließend kam ein richtiger Hund zu Besuch. Der schwarz-weiße Hund "Fido" begrüßte aufgeregt die Kinderschar. Jeder wollte ihn zuerst streicheln. Nach einer Kennenlernrunde (Schnuffeln lassen zum "Grüß-Gott" sagen und ein "Leckerchen" verabreichen) folgte ein gemeinsamer Spaziergang, bei dem die Kinder den Hund abwechselnd führen durften. Die Begeisterung war groß, und die Kinder konnten es kaum erwarten, bis sie mit dem Führen dran waren.

Zu guter Letzt bedankte sich Andrea Klemer ausdrücklich bei Jochen Rominger vom Biosphärenzentrum Schwäbische Alb (www.biosphaerenzentrum-alb.de) der die Sonderausstellung und die Räumlichkeiten außerhalb der normalen Öffnungszeiten zur Verfügung stellte, sowie dem NABU für die Bereitstellung verschiedenster Lehrmaterialien. Wenn man am Ende der Veranstaltung in die strahlenden Augen der Kinder blickte, war klar, dass sie viel Faszinierendes über den Wolf gelernt hatten. Gleichzeitig schienen sie nun zwar Respekt, aber keine Angst mehr vor einem Wolf zu haben. Im Gegenteil: Nun warten alle Kinder gespannt darauf, bis es heißt: In Münsingen ist der erste Wolf gesichtet worden.

Info Mehr Information zum Wolf: www.nabu.de/aktionenundprojekte/wolf/