Die drei Biodiversitäts-Exploratorien wurden vor acht Jahren im Biosphärengebiet Alb, im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin in Brandenburg und im Nationalpark Hainich in Thüringen eingerichtet. Auf Grünland und im Wald gibt es jeweils 50 Untersuchungsflächen mit einer Abmessung von maximal 100 mal 100 Metern. Jeder dieser sogenannten Experimentierplots ist mit einer Klimastation zur Messung von Temperatur, Windstärke und Feuchtigkeit ausgestattet. In allen drei Exploratorien sorgen lokale Managementteams für die Koordination der wissenschaftlichen Aktivitäten, stellen Kontakte zur Landeigentümern, dem Forst und Behörden her und sind für die Instandhaltung der Geräte verantwortlich.

Rund 45 Vertreter von Gemeinden und Institutionen nahmen am Mittwoch die Gelegenheit wahr, sich aus erster Hand von einigen der Wissenschaftlern, die an Forschungsprojekten beteiligt sind, über Ergebnisse informieren zu lassen. In der aktuellen Förderphase gibt es 48 Forschungsprojekte an denen rund 330 Mitarbeiter beteiligt sind, berichtete Professor Dr. Manfred Ayasse von der Universität Ulm, der dem Leitungsgremium der Biodiversitäts-Exploratorien angehört und für das Biodiversitäts-Exploratorium Schwäbische Alb verantwortlich ist. Im Kern geht es um die Frage, inwieweit sich unterschiedlich intensive Formen der Landnutzung auf die Biodiversität und sogenannte Ökosystemprozesse wie zum Beispiel Pflanzenwachstum, Bestäubung, Bodenbildung oder Nährstoffeintrag auswirken. Als großen Vorteil wertete Projektsprecher Professor Dr. Markus Fischer die Möglichkeit, Forschungsprojekte zusammenzuführen und die Untersuchungen unter realen Bedingungen durchführen zu können. "Zu Beginn haben wir nicht geglaubt, dass wir alle 300 Flächen so lange behalten können", berichtete er. "Aber", freute sich Fischer, "wir haben immer noch alle 300 Experimentierplots". Das sei der Kooperationsbereitschaft der Landbesitzer zu verdanken.

Auf einer Skala vom "Schlagweisen Hochwald" (nach Altersklassen getrennt) über den "Schlagfreien Hochwald" (alle Altersklassen auf einer Fläche) bis zum "unbewirtschafteten Wald" findet sich der stärkste Grad an Biodiversität in der letztgenannten Form: So zumindest lautete die Eingangshypothese für das Forschungsprojekt von Professor Dr. Christian Ammer von der Universität Göttingen. Die Ergebnisse der Untersuchungen, die sich auf das Gebiet im Hainich beziehen, brachten dafür keine Bestätigung. Vielmehr zeigt sich bei "einer Heterogenität der Betriebsformen die höchste Biodiversität", so Ammer und verwies auf den schlagweisen Hochwald mit einem Verjüngungszeitraum von 20 bis 30 Jahren. Überdies habe sich gezeigt, dass auch "größere Störungen" nicht unnatürlich sind und von daher empfahl er den Forstleuten ab und zu den "Mut zu kräftigen Eingriffen", um die Heterogenität des Gesamtbestandes zu erhöhen. Eine Mischung von Baumarten sei nicht nur mit Blick auf den Gesamtwald vorteilhaft, sondern auch bei Einzelbäumen. So profitiere zum Beispiel die Buche immer von andersartigen Nachbarbäumen "Unterm Strich haben mich die Ergebnisse selbst überrascht", räumte Ammer ein.

Demgegenüber befasste sich Dr. Timo Kahl mit dem Abbau von Totholz. Dazu wurden im Forschungsprojekt "BE Long Dead" im Jahr 2009 1140 Stämme von 13 Baumarten mit einer Länge von jeweils vier Metern und einem Durchmesser von 25 Zentimetern in drei Stammlagern auf 30 Experimentierplots ausgelegt. Bisheriges Fazit: "Die Diversität der Pilze hat positiven Einfluss auf die Abbauprozesse", so Kahl. Nur Pilze können Totholz vollständig abbauen, sagte der Biologe. Auf den Baumstämmen konnten von Seiten der Mykologen 145 Pilzarten und durch die Molekularbiologen noch weitere 105 Arten identifiziert werden. Vorteilhaft sei Totholz von unterschiedlichen Baumarten in verschiedenen Größen, da ein bestimmter Pilz oft nur auf einer Baumart vorkomme. Großes Totholz sei jedoch zumeist nur in unbewirtschafteten Wäldern zu finden.

Bodenorganismen standen im Blickpunkt von Dr. Ellen Kandeler von der Universität Hohenheim. In allen drei Exploratorien wurden 2011 und 2014 zur gleichen Zeit Bodenproben genommen. Voraussetzung für eine Analyse ist die Kenntnis über die Bedingungen im Habitat, wie zum Beispiel der ph-Wert des Bodens oder die Bodendichte. Untersucht wurden die Menge an Organismen, die Vielfalt an Bakterien und Pilzen sowie deren Funktion. Gezeigt hat sich dabei auch eine "funktionelle Redundanz", so Kandeler. Das heißt: "Eine bestimmte Funktion bleibt erhalten, auch wenn einzelne Bakterien verschwinden, da unterschiedliche Organismen daran beteiligt sind". Das sei eine sehr neue Erkenntnis und lasse hoffen, dass das Ökosystem Boden gegen Störungen zum Beispiel durch Landnutzung zumindest teilweise gepuffert sei.

Doch die Tagung bot nicht nur theoretische Fakten sondern am Nachmittag auch die Möglichkeit, zwei der Untersuchungsflächen zu besichtigen und dort die praktische Vorgehensweise kennen zu lernen.