Hund "Fido", die "Hauptperson" dieser Hardtschul-Eltern-AG, stieß erst ein wenig später zur Gruppe, die dieses Mal nur aus Mädchen bestand, wie es im Pressebericht heißt. Vorher erfuhren die teilnehmenden Kinder von Klemer viele spannende Fakten über den Vorgänger des Hundes, den Wolf. Bereits zum zweiten Mal wurde die AG aus aktuellem Anlass, der Einwanderung der Wölfe nach Deutschland, um das Thema Wolf erweitert. Klemer erklärte, wie es dazu kommen konnte, dass der Wolf mit dem Menschen ursprünglich zusammenlebte. Interessant war auch die Frage, wie die Menschen damals vielleicht auf die Idee gekommen sein könnten, Wölfe zu züchten und nach welchen Kriterien die Wölfe ausgewählt wurden.

Der Wolf lebte auch schon früher in Deutschland, wurde dann aber als Nahrungskonkurrent des Menschen ausgerottet. Inzwischen ist er geschützt und wandert wieder nach Deutschland ein. Auf einer Landkarte zeigte Klemer den Kindern, wo Münsingen liegt und wo es bisher schon Wölfe gibt: Vornehmlich in Nord- und Ostdeutschland, aber auch in Frankreich, der Schweiz und östlich von München wurden schon einzelne Wölfe gesichtet. Da ein Wolf bis zu 1500 Kilometer zurücklegen kann, ist es denkbar, dass auch hier in Münsingen in den nächsten Wochen, Monaten oder vielleicht auch Jahren der erste Wolf gesichtet wird. Deshalb war es Andrea Klemer wichtig, mit den Kindern Verhaltensregeln zu erarbeiten, sollten sie einem Wolf begegnen. Grundsätzlich sind die meisten Wölfe sehr scheu, aber die Jungwölfe könnten auch auffallend neugierig sein und in die Nähe von Wohngebieten, Autos, Traktoren oder Menschen kommen. In der Regel ist es ein seltener und faszinierender Anblick, wenn ein Wolf gesichtet wird. Durch Händeklatschen oder Rufen, ein paar Schritte auf den Wolf zugehen, sich groß machen, die Arme nach oben strecken oder ähnliche Dinge werde der Wolf aber in der Regel bereits die Flucht ergreifen, betonte Klemer. Tue er das nicht, könne man auch langsam zurückgehen, jedoch dabei niemals rennen, denn dies löse den Jagdtrieb aus. In diesem Zusammenhang ging es auch um die Frage, ob der Wolf wirklich grundsätzlich ein böses Tier ist, so wie er im Märchen Rotkäppchen dargestellt wird. Klemer verneinte dies. So ernährt sich der Wolf in Deutschland hauptsächlich von Rehen, Rotwild und Wildschweinen, Haustiere wie Schafe spielen kaum eine Rolle. Doch die Kinder erarbeiteten auch gleich gute Lösungsmöglichkeiten, um den Wolf von den Haustieren fernzuhalten: Genau wie bei ihren Kaninchen daheim, die die Kinder zum Schutz vor dem Fuchs abends in den Stall bringen, sollte der Bauer die Schafe und andere Tiere nachts in einen Stall treiben. Falls das nicht möglich sei, kamen die Kinder auf die Idee, Zäune zu nutzen. Andrea Klemer zeigte den Kindern Fotos von Stromzäunen, die zur Wolfsabwehr genutzt werden und erklärte ihnen, dass es sogar extra gezüchtete Herdenschutzhunde gibt, die mit den Schafen leben und diese vor Wölfen schützen können. Aber auch Esel, Lamas und sogar Gänse helfen, Schafsherden vor Wölfen zu schützen. Dann wurden die lebensgroßen Pappwölfe betrachtet, die einzelnen Körperteile benannt und die Besonderheiten beim Wolf erläutert: Die besondere Nase mit dem unglaublichen Geruchssinn, das gute Hören und Sehen, die vorne und nicht seitlich angeordneten Augen, die typisch sind für einen Jäger. Der Wolf verfügt über dichtes Fell, das vor jedem Wetter schützt und hat im Vergleich zu den meisten Hunden viel längere Beine und wird damit als ausgewachsenes Tier überraschend groß. Lustig war für die Kinder der Begriff für den Schwanz, der beim Wolf und beim Hund "Rute" heißt.

Anschließend ging es um den Hund. Zur Sprache kamen verschiedene Rassen, Wesensunterschiede zum Wolf und seine Aufgaben für den Menschen. Neu war für die Kinder zum Beispiel, dass der Hund besonders große Gehirnregionen entwickelt hat, die für Zutraulichkeit und Lernfähigkeit genutzt werden. Der Wolf dagegen kann zum Beispiel Gerüche besser verarbeiten, bleibt aber eher scheu und misstrauisch und weit weniger trainierbar als ein Hund.

Dann kam endlich Hund "Fido" dazu und erhielt erstmal eine Geruchsprobe jeder Kinderhand und ein "Leckerli" zur Begrüßung. Nun konnten die Kinder die Pfoten betrachten und anfassen, die sich wie Leder anfühlen. Dazu auch die Krallen und die kleine Wolfskralle ansehen und natürlich das Gebiss mit seinen großen Reißzähnen. Nach einigen Streicheleinheiten und strahlenden Kindergesichtern folgte die Praxis: Während die eine Hälfte mit Andrea Klemer und "Fido" einen Spaziergang machte, baute die andere Hälfte schon mal einen Agilityparcour auf, also einen Hindernisparcour für Hunde. Diesen durfte jedes Kind mehrere Male mit "Fido" ablaufen. Es gab Sprünge, Slalomabschnitte und Tunnel. "Fido" wurde jeweils belohnt. Zum Abschluss gab es für die teilnehmenden Kinder noch Infobücher und Prospekte zum Wolf. Info Unter dem Titel "Vom Wolf zum Hund" ist am Samstag, 18. Juli, für Kinder ab 6 Jahren eine Veranstaltung mit Andrea Klemer geplant. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt, Informationen und Anmeldung ab sofort bei Helmut Attinger Telefon: 0 73 81/6 97 89.