Riedlingen Von Sana wird Bekenntnis erwartet

Wiedergewählt wurde der Vorstand der Bürgerinitiative „Freundeskreis zum Erhalt der Riedlinger Klinik“ mit Christoph Selg als Vorsitzendem, Axel Henle als seinen Stellvertreter und den Beiräten Dr. Hans-Peter Schreijäg, Dorothea Kraus-Kieferle und Markus Mark (von links).
Wiedergewählt wurde der Vorstand der Bürgerinitiative „Freundeskreis zum Erhalt der Riedlinger Klinik“ mit Christoph Selg als Vorsitzendem, Axel Henle als seinen Stellvertreter und den Beiräten Dr. Hans-Peter Schreijäg, Dorothea Kraus-Kieferle und Markus Mark (von links). © Foto: Waltraud Wolf
Riedlingen / Waltraud Wolf 18.05.2018

Vieles wurde seit der Privatisierung des Krankenhauses auf den Weg gebracht von der Bürgerinitiative (BI) „Freundeskreis zum Erhalt der Riedlinger Klinik“, doch sei man „leider noch nicht am Ziel“, stellte ihr Vorsitzender Christoph Selg bei der Mitgliederversammlung der Interessengemeinschaft fest, die rund 1000 Frauen und Männer in ihren Reihen weiß. Rund 20 waren gekommen, um das Resümee des alten und auch neugewählten Vorstandes mit Selg an der Spitze, Axel Henle als seinem Stellvertreter und den Beiräten Dorothea Kraus-Kieferle, Dr. Hans-Peter Schreijäg und Markus Mark zu hören.

Doch zunächst hatte der externe Riedlinger Wirtschaftsförderer Alexander Leitz das Wort, der verkündete, dass sieben Arztpraxen ihr Interesse an einem neu zu bauenden Ärztehaus auf dem Krankenhaus-Areal bekundet haben. Dazu gehört auch das Zentrum für Psychiatrie Bad Schussenried mit einer Tagesklinik. Insgesamt ergab sich ein Flächenbedarf von 2500 Quadratmetern, wobei von allen Beteiligten deutlich gemacht wurde, dass ein Ärztehaus nur gemeinsam mit einer stationären Bettenstation Sinn macht. Hierzu ist neben dem des Krankenhausträgers Sana und  der Stadt Riedlingen auch das finanzielle Engagement des Landkreises Biberach gefragt. Als bis Ende 2018 „zwingend erforderlich“ wird eine Entscheidung von Sana zugunsten der Bettenstation und das Bekenntnis zum Standort Riedlingen genannt.

Als nicht durchführbar wurde das Ansinnen des Krankenhausträgers erachtet, vor einer Entscheidung zwei Jahre lang den Erfolg einer ärztlichen Ambulanz zu beobachten. Die Beteiligten aus Riedlingen sind – analog zum erfolgreichen Betrieb der Chirurgie mit 12 000 Patienten pro Jahr  – von jenem einer internistischen Abteilung im Gesamtsystem überzeugt, wobei als positiv gewertet wurde, dass die Sana Kliniken GmbH einen internistischen Facharzt für Riedlingen gewinnen konnte. Jetzt richtet sich die Hoffnung auf die Kassenärztliche Vereinigung (KV), zwei halbe Facharztsitze zuzulassen, wie von ihrem stellvertretenden Vorsitzenden Dr. Johannes Fechner signalisiert. „Sana und KV müssen sich positionieren und Worten Taten folgen lassen“, unterstrich Bürgermeister Marcus Schafft bei der Sitzung.

Als Standort für das Ärztehaus zur Umsetzung des „Runde“-Konzeptes auserkoren wurde der Platz an der Stelle des bisherigen Schwesternwohnheimes oder – sollte es stehen bleiben - unmittelbar davor. Die schöne Aussicht ins Donautal will man nutzen. Christopher Selg vom Büro ArcheWohna stellte den Entwurf vor, der auch eine Etage für die stationäre Versorgung von Patienten sowie Räume für eine Apotheke und ein Sanitätshaus vorsieht. Im Herbst soll seitens der Stadt der Bebauungsplan auf den Weg gebracht werden, zumal die Sankt Elisabeth Stiftung mit ihrem Pflegeheim bereits in den Startlöchern steht. Es soll sich an die Krankenhauskapelle angliedern, die erhalten bleibt.  Dass sich das bisherige Krankenhaus durchaus für Wohnzwecke eignet, führte Architekt Christopher Selg aus.

In ihrem Resümee über die vergangenen drei Jahre, in denen sie an der Spitze der Bürgerinitiative Verantwortung trugen, hoben Christoph Selg und Axel Henle hervor, dass mit allen Entscheidungsträgern der Stadt und der Raumschaft Riedlingen, erweitert um die Gemeinden Zwiefalten und Pfronstetten ein geschlossenes Auftreten und Handeln hergestellt werden konnte.  Dies empfanden sie als eine „sehr markante Entwicklung“. Vorurteile und Vorbehalte abzubauen – gerade auch im Biberacher Kreistag – und eine „Kultur des Ermöglichens“ zu schaffen, nannte Selg als Ziel vieler Gespräche, 59 hat er aufgelistet. Erreicht worden sei das Einvernehmen für den Standort eines Gesundheitszentrums am bisherigen Krankenhaus-Areal, das Bekenntnis zum „Runde“-Konzept. Die Beseitigung der ablehnenden Haltung des Sozialministeriums gegenüber einer Krankenhausversorgung in Riedlingen. Es wurde ein Weg für einen internistischen Facharztsitz aufgezeigt. „Jetzt fehlt nur noch Sana“, wurde die passive Haltung des Krankenhausträgers beklagt und von ihm verlangt, sich aus der Deckung heraus zu begeben und unternehmerische Haltung zu zeigen. „Wir brauchen ein Bekenntnis“, betonte Henle, „auch als Planungssicherheit für die Ärzte. „Sonst verlieren wir wichtige Partner“.

Wichtig für Alleinstehende

Der Vorsitzende der Seniorengenossenschaft Josef Martin machte bei der Sitzung auf eine dringend notwendige Einrichtung für alleinstehende Menschen aufmerksam, die sich nach einem  Krankenhaus-Aufenthalt noch nicht selber versorgen können. Er könnte sich dazu eine „Pflege-Wohngemeinschaft“ vorstellen, die in der Betten-Etage des Gesundheitszentrums Platz finden könnte und sieht hierzu die „kommunale Familie“ gefordert.