Auingen Von Onkelz bis Petry

Schlagzeuger Flo von Willkuer überzeugte bei der Auinger Rocknacht mit einem gigantischen Solo. Foto: Zeller-Rauscher
Schlagzeuger Flo von Willkuer überzeugte bei der Auinger Rocknacht mit einem gigantischen Solo. Foto: Zeller-Rauscher
SABINE ZELLER-RAUSCHER 22.01.2013
Bei der 17. Rocknacht des MTM, die am Samstag gleich drei Bands in der Turnhalle abrocken ließ, war auch der Wandel der Zeit, der weg vom knallharten Bikerklischee führt, deutlich spürbar.

Coole Bikergrüße und schwarzes Leder waren einst. Zumindest bei der Rocknacht des Motorradteams Münsingen (MTM) welche nun schon zum 17. Mal gleich zu Beginn des Jahres für kernigen Sound und gute Unterhaltung in der Turnhalle sorgte. Nur noch vereinzelt fanden sich "echte Biker" mit langen Haaren und Lederwesten, so wie man sie aus den 80er Jahren in Erinnerung hat. "Von Jahr zu Jahr werden die weniger, das ist der Wandel der Zeit", so einer der Gäste, der sich seit Jahren schon als "Normalo" ohne Führerscheinklasse 1 sauwohl bei der Rocknacht fühlt.

Fürs Einheizen sorgte Granny´s Nightmare. Keine leichte Aufgabe für die regionale Band, die zu Beginn, wo eben noch tote Hose herrschte mit Songs wie "Hier kommt Alex" von den Toten Hosen für Stimmung sorgen wollte. So richtig in Fahrt kamen zu dieser frühen Zeit des Abends allerdings die wenigsten der Gäste, die noch einen deutlichen Sicherheitsabstand zur Bühne einhielten. Anders dann bei Willkuer, die in Auingen ihr vorletztes Konzert gaben. Zumindest unter dem Namen Willkuer, denn der soll sich ändern, verraten Basser Andy und Drummer Flo. Der Rechtsstempel, der häufig mit Deutschrock in Verbindung gebracht wird, soll weg. "Wir spielen schon ewig das Gleiche und wollen jetzt mehr", meinte Flo, der unter anderem mit einem herrlichen Schlagzeugsolo überzeugte. Alles was rockt, auch englische Texte sollen künftig zum Repertoire gehören. Ob´s allen Fans gefällt, wird sich zeigen.

In Auingen jedenfalls waren nahezu alle begeistert von dem was die Jungs um Moritz Hermle hauptsächlich von den Onkelz und Freiwild ablieferten. Nur ein Satz von Hermle hat gereicht, und das rockige Volk, wagte sich ganz vor zur Bühne. "Manchmol muas ma halt mit de Leid schwätza", so einer der Fans, der sich gleich einen Platz in der ersten Reihe sicherte.

Auch bei Boiz Bänd, der letzten Band des Abends, stand Hermle in trendiger Chinohose und mit hängenden Hosenträgern auf der Bühne. Seit fünf Jahren schon spielen die sechs jungen Männer und Sängerin Stefanie Wurst so ziemlich alles. Von Wolfgang Petry bis hin zu den Onkelz. "Wir gehen aufs Publikum ein und reagieren auch auf neue Songs", so Boiz-Bänd-Chef Matthi Wurst. Das gelang der Römersteiner Band auch in Auingen.

Und bei keiner anderen Band war der Wandel der Zeit, im Bezug auf die Rocknacht deutlicher zu spüren. Keine wilden Headbanger, sondern ausgelassenes Partytanzen war überwiegend auf der Tanzfläche angesagt. Klar, dass bei "Born to be wild", dem Klassiker von Steppenwolf, bei so manchem, der die gute alte Bikerzeit noch hautnah miterleben durfte, ein wenig Wehmut aufkam. Die Easy Rider-Zeiten waren dann aber beim "Sternenhimmel" von Hubert Kah oder bei "Ich will Spaß, ich geb Gas" von Markus schnell wieder vergessen. So hat´s nicht nur dem Bremelauer Fanblock um Josch Häbe auf der Tanzfläche mächtig Spaß gemacht.

Kissin Dynamit, der Publikumsgarant der letzten Jahre gönnte sich heuer, nach ihrer "Money, Sex & Power-Tour" quer durch Europa eine kreative Auszeit, die zum Schreiben neuer Songs genutzt wird. Eine kleine Unterbrechung der kreativen Phase fürs neue Album wird"s im Februar geben. Dann nämlich rocken die einstigen "Rocknachtlieblinge" auf japanischem Boden. Die Auinger Rocknacht genossen Hannes, Andy und Jim mal ohne Mikro, Gitarre und Schlagzeug.