Münsingen Von der Geburtshilfe bis zu Baugebieten

Bürgermeister Mike Münzing stellte sich am Samstag den Fragen der Bürgerinnen und Bürger.
Bürgermeister Mike Münzing stellte sich am Samstag den Fragen der Bürgerinnen und Bürger. © Foto: Reiner Frenz
Münsingen / Reiner Frenz 09.12.2018

Zum ersten Marktgespräch hatte am Samstagvormittag Bürgermeister Mike Münzing seine Münsingerinnen und Münsinger eingeladen. Gekommen sind sie nicht in Scharen, doch im Lauf der Zeit mögen es zwei Dutzend Bürger gewesen sein, die die heimelige Atmosphäre im Rathauscafé im Kleinen Sitzungssaal bei Kaffee, Tee und Brezeln genossen – und den Schultes auch mit Fragen eindeckten.

Dass es zum Marktgespräch gekommen ist, gehe auf die Initiative von Stefan Bader zurück, informierte Münzing, der ihm in Anlehnung an die regelmäßigen FDP-Stammtische gesagt habe, dass er die Lufthoheit über diese nicht besitze, „was auch nicht mein Anspruch ist“, wie Münzing gleich klarstellte. Ein Kamingespräch im Rathaus sei mangels Kamin nicht in Frage gekommen, so sei die Idee entstanden parallel zum Wochenmarkt das Marktgespräch ins Leben zu rufen.

Oft kämen Leute auf ihn zu, führte Münzing aus, die meinten, sie hätten Dinge nicht richtig mitbekommen. Kommunikation sei ein wichtiges Thema, wusste der Rathauschef, erinnerte an das kürzlich stattgefundene Wirtschaftsforum, an dem 180 Unternehmer teilgenommen hätten. Nicht nur für diese sei die neue Münsingen App gedacht, die ab Januar eingerichtet werde, und mit der Nutzer in Echtzeit beispielsweise erfahren können, welche Veranstaltungen anstehen. Es gebe allein aus den Handel und Gewerbe schon 84 Interessenten. Selbstverständlich werde die App für Vereine wie Bürger kostenlos sein. Die Stadt investiere immerhin 30 000 Euro in das Projekt, ließ Münzing wissen. Das Info-Anzeigesystem an den Ortseingängen sei geschaffen worden, auch um die Plakatflug einzudämmen, was allerdings noch nicht gelungen sei.

Die Diskussion eröffnete Stefan Bader mit der Frage nach dem Stand der Dinge bei der Geburtshilfe. Münzing erklärte, dass man jahrelang für die Einrichtung einer Geburtshilfe-Hauptabteilung an der Albklinik gekämpft habe. Als die Geburtshilfe in Bad Urach geschlossen wurde, hätten die beiden niedergelassenen Münsinger Ärzte gewünscht, dass man keine weiteren Gynäkologen für Münsingen suche. Die dann entstandene Überforderung sei ein absehbares Problem gewesen, so Münzing. Das Hausarztzentrum am Bahnhof sei eines der zehn größten im Land und ein Beispiel, wie Gesundheitsversorgung im Team funktioniere.

Die Gynäkologie-Hauptabteilung sei genehmigt worden, für die man allerdings sechs Fachärzte brauche, mit dreien könne man beginnen. Für Werbung nach Geburtshelfern habe die Stadt 17 500 Euro ausgegeben und es habe Resonanz gegeben, auch aus Spanien, wo viele Ärzte auf der Straße stehen würden. Auch Leihärzte seien ein Thema. Der zuständige Chefarzt in Reutlingen müssen aber die Bereitschaft aufbringen, auch Ärzte zu akzeptieren, die der deutschen Sprache noch nicht mächtig seien, forderte Münzing: „Wenn wir bei jedem Bewerber ein Fragezeichen machen, können wir kein Ausrufezeichen setzen.“

Der Wohnungsmarkt war ein weiteres Thema. Hier verwies Münzing auf das Schoell-Areal, in dem zentrumsnah 80 bis 90 Wohnungen entstehen sollen, bis zu 15 Prozent davon mit Sozialbindung. Vier bis fünf Baugebiete sollen erschlossen werden, in Münsingen, Auingen, Dottingen, Gundelfingen und Trailfingen. Langwierig seien freilich die Genehmigungsprozesse.

2019 werde es am Weißgerber weitergehen. Für die 32 Bauplätze dort gebe es bereits 107 Interessenten. Ein größeres Baugebiet könne auch in Auingen entstehen, wo das Dorf mit dem Vorlager zusammenwachsen könne. Es gebe allerdings noch Probleme mit den Grundstückseignern.

Weitere Themen in knapp zwei Stunden Marktgespräch waren die Biodiversität, das Abmähen des Bewuchses an den Straßenrändern, der Radweg Böttingen-Magolsheim und der Breitbandausbau.

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