Münsingen Von Atzdatz bis Zipfelgsicht Putin

Furztrocken und auf Ourewellerisch: Kabarettist Rolf Miller begeisterte am Freitag das Münsinger Publikum.
Furztrocken und auf Ourewellerisch: Kabarettist Rolf Miller begeisterte am Freitag das Münsinger Publikum. © Foto: Sabine Zeller-Rauscher
Münsingen / SABINE ZELLER-RAUSCHER 07.09.2015
Licht aus, Spot an. Bei Rolf Miller braucht´s nicht viel, um das Publikum zu begeistern. So auch am Freitagabend in der proppenvollen Alenberghalle mit dem Stück "Alles andere ist primär".

. Alles andere als rückengesund - die Körperhaltung, mit welcher sich Rolf Miller in betont breitbeiniger lässiger Schräglage auf den einzigen Bühnenstuhl fläzt, um mit astreinen ourewellerischen Halbsätzen das Publikum zu begeistern. Zugegeben, mit dem Ourewellerisch, sprich dem reinfränkischen Dialekt aus dem Odenwald, hatte so mancher Schwabe im Publikum zunächst leicht zu kämpfen. "Ich musste mich erst fünf Minuten einhören, bis ich ihn verstanden habe", verrät eine junge Frau in der Pause.

Miller hingegen ist, "manchmal panikartig entspannt". Und genau den Eindruck hinterließ er auch beim begeisterten Publikum, das immer wieder in lautstarke Lachsalven verfiel und sich vor lauter Begeisterung fast schon blaue Schenkel klopfte. Bei nicht wenigen wurden während der zweistündigen Vorstellung, organisiert vom SV Böttingen, mehr als ein Papiertaschentuch benötigt, um die Lachtränen zu trocknen.

Furztrocken erzählt Miller vom Abbarat, also von Achims Schwester, die sich vom Fruchtzwerg zur langbeinigen Schönheit gemausert hat und jetzt mit dem Serben Giotto zusammen ist. Giotto, der wenn er was aus seiner alten Heimat sehen will, einfach Aktenzeichen XY guckt. Bundesligaspiele wie Mainz gegen Paderborn gehen dem Kabarettisten komplett am Ding vorbei. Was bei Miller zählt, ist die WM - die Zeit in der man vier Wochen bis zur halbseitigen Lähmung auf dem Sofasessel entspannen kann.

Beim Streifzug durch die 80er, wo's von Atzdatz (AC/DC) Hells Bells auf die Glocken gab, stellt Miller fest: "In de 80er hats ned viel gegeäbba, aber des hat gereicht". Miami Vice, für den Odenwälder einst der Film zum Einschlafen, "die bede wared so dumm, die hättest bei uns in die Klass stecka könne, die wäred ned ufgfalla", erinnert sich der Kabarettist, der schon zahlreiche Preise abgeräumt hat, an Sonny Burnet und Ricardo Coopert.

Miller versteht es, in seinem Stück gesellschaftliche Themen querbeet abzuhandeln - in einer Art die seinesgleichen sucht. Gerade die Sätze, die er mit scheinbar großer Mühe fehlerfrei von sich geben will, dann doch von jetzt auf nachher ohne Punkt und Komma enden, sorgen immer wieder dafür, dass sich nahezu jeder im Publikum denkt: "Mein Eintrittsgeld hat sich auf jeden Fall gelohnt."

Selbst mit seinen vielen Pausen, in welchen er kein einziges Wort, höchstens ein kurzes, angespitztes Lachen von sich gibt, regt er den Lachtränenfluss der Zuschauer immer wieder an. Erika aus Zuschauerreihe Nummer eins hat in der Alenberghalle eine starke Vermutung wo sich der End-Vierziger die besten Ideen für seine Stücke holt. "Bestimmt im Fitnessstudio, denn der Waschbrettbauch und die Muckis an den Oberarmen zeugen vom häufigen Studiobesuch", ist sich die flotte 64-Jährige ziemlich sicher.

Stammtischgespräche querbeet, von den guten alten 80ern, Pep Guardiola und Putin, das Zipfelgsicht, bis hin zu aktuellen Themen. Zum Beispiel von den Kids, bei denen noch die Windel am Hintern pappt, die aber bewusstlos werden wenn man ihnen die Sim-Karte zieht. Miller bringt sie gespickt mit einer teils messerscharfen Komik und oft staubtrockenen Pointen rüber, verleiht seinem Auftritt so das gewisse Etwas . . .

Auf der Suche nach dem besonderen Etwas ist auch Hans-Ulrich Reich vom ausrichtenden Verein immer wieder. Der Öffentlichkeitsreferent hat sich neben dem Protokollschreiben auf der Generalversammlung seit einigen Jahren schon die Suche nach richtig guten Bühnenkünstlern auf die Fahnen geschrieben. Mit Erfolg, wie sich wieder einmal gezeigt hat. "Da hat sich unser Hans-Ulrich wieder richtig angestrengt", freut sich Vorstand Georg Knupfer beim Anblick der mehr als 400 begeisterten Besucher. Der nächste große "Publikumsfisch", den Reich bereits zum zweiten Mal an Land ziehen konnte, ist schon am Haken: Gerhard Polt wird am 21. Februar auf Einladung des Böttinger Sportvereins mit den Well-Brüdern aus dem Biermoos gastieren.

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