Münsingen Viele wegweisende Projekte gefördert

Minister Franz Untersteller (Mitte) wurde gestern wie hier bei den Steighöfen über Projekte informiert, die von der Stiftung Naturschutzfonds unterstützt werden.
Minister Franz Untersteller (Mitte) wurde gestern wie hier bei den Steighöfen über Projekte informiert, die von der Stiftung Naturschutzfonds unterstützt werden. © Foto: Reiner Frenz
Münsingen / Reiner Frenz 29.06.2018

Seit nunmehr 40 Jahren stellt die Stiftung Naturschutzfonds Mittel für Verbände, Vereine, Hochschulen, Kommunen oder auch die Naturschutzverwaltung zur Verfügung, um sie bei der Umsetzung ihrer Naturschutzvorhaben zu unterstützen. „Viele innovative und auch wegweisende Projekte wurden von unseren Partnern erdacht und auf den Weg gebracht. Die Bilanz mit rund 3900 Projekten und 105 Millionen Euro Fördermitteln kann sich sehen lassen“ freut sich der Naturschutzminister und Vorsitzende der Stiftung Naturschutzfond, Franz Untersteller.

Aus Anlass des runden Geburtstags fand gestern eine Exkursion zu ausgewählten Förderprojekten statt mit Mitgliedern des Stiftungsrats und Medienvertretern. Erste Station war der Stuttgarter Stadtteil Wangen, wo man sich die Renaturierung historischer Wandelwege, Trockenmauern und Wasserstaffeln anschaute, die mit rund 80 000 Euro gefördert worden waren.

Im Anschluss ging es auf die Alb, zunächst nach Buttenhausen, wo Regierungspräsident Klaus Tappeser, Landrat Thomas Reumann, Bürgermeister Mike Münzing und MdL Karl-Wilhelm Röhm hinzustießen. Untersteller ging eingangs seiner Begrüßung auf die anstehende Rezertifizierung des Biosphärengebiets ein, ehe er zum Thema des Halts oberhalb des Dorfes kam, dem Biotopverbund von Kalkmagerrasen. Dr. Rüdiger Jooß von der Geschäftsstelle des Biosphärengebiets hatte alarmierende Zahlen parat. So sind im Raum Münsingen, Gomadingen und Hayingen seit 1980 etwa 50 Prozent der Wacholderheiden verschwunden. Im Bereich Tonhalde sowie Eichhalde und Machtolsberg seien in Zusammenarbeit mit dem Maschinenring Gehölze beseitigt und damit die Beweidung dieser Flächen wieder ermöglicht worden, so Jooß. In den nächsten beiden Jahre wird es in diesen und weiteren Bereichen weitergehen. Immerhin 288 000 Euro hat die Stiftung Naturschutzfonds von 2017 bis 2020 dafür zur Verfügung gestellt.

Biodiversitätscheck

Von Dr. Sabine Geißler-Strobel war zu erfahren, dass es 2013 einen Biodiversitätscheck für diesen Raum gegeben hat. Auch sie verwies auf die starke Gehölzzunahme der letzten Jahrzehnte, darauf dass bei den anstehenden Maßnahmen die schutzwürdigen Tierarten im Fokus stünden, wie der schwarzfleckige Ameisenbläuling.

Klaus Tappeser sprach in diesem Zusammenhang dem Naturschutzfonds, aber auch den Fraktionen der CDU und der Grünen seinen Dank aus, die ebenfalls Gelder zur Verfügung gestellt hatten.

Nächste Station war ein Feld zwischen den Steighöfen und Ehestetten. Hier ging es um die Bedeutung von Linsenäckern und Blühflächen zur Förderung der biologischen Vielfalt auf Ackerstandorten des Biosphärengebiets. Von 2017 bis 2019 untersucht die Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen in Kooperation mit der Universität Hohenheim auf insgesamt 48 Untersuchungsflächen im Biosphärengebiet, welchen Beitrag konventionell und ökologisch wirtschaftende Landwirte durch ihre Bewirtschaftung und Agrarumweltmaßnahmen im Hinblick auf die Förderung der Artenvielfalt leisten. Diese Thematik stellten vor Ort Prof. Dr. Konrad Reidl und Christoph Gayer aus Nürtingen sowie Prof. Dr. Martin Dieterich aus Hohenheim vor. „Wo gibt es mehr biologische Vielfalt?“ laute die Fragestellung, sagte Reidl. Es könne nicht mehr nur darum gehen, die Randstreifen zu beachten, sondern man müsse in die Fläche.

Einjährige Blühflächen werden mit 710 Euro je Hektar bezuschusst, der Ökolandwirt erhält für seine Linsen nur 230 Euro je Hektar. Möglicherweise würde der gleiche Effekt also teuer bezahlt, meinte Christoph Gayer. Noch sei man aber mittendrin in der Ergebnisaufarbeitung. Einige Zahlen nannte er dennoch bereits: Auf Äckern mit Winterweizen wachen nur fünf Prozent Wildpflanzen, die meisten davon sind Problemunkräuter. Auf Flächen mit Blühmischung gibt es 40 Prozent Ackerwildkräuter, die Hälfte davon Problemunkräuter. Im Ökolandbau mit Dinkel sei der Wildpflanzenanteil fünf Mal höher als beim konventionellen Weizen, auch bei der Linse gebe es rund 40 Prozent Ackerwildkraut. Laufkäfer würden von einjährigen Blühflächen nicht profitieren, aber von Linsen. Der Naturschutzfonds unterstützt die Forschungen mit rund 110 000 Euro.

Letzte Station der Reise gestern  war der Listhof in Reutlingen. Hier wird der Umbau und die Einrichtung eines bestehenden Gebäudes zu einem Ausstellungs- und Schulungsgebäude mit Krabbeltierhaus mit 175 000 Euro vom Naturschutzfonds gefördert.

Die Ziele der Stiftung Naturschutzfonds

Seit nunmehr 40 Jahren setzt sich die Stiftung Naturschutzfonds für den Erhalt der vielfältigen Kulturlandschaft im Bundesland  Baden-Württemberg ein. Sie schafft Perspektiven für Natur und Mensch. Ihre zahlreichen Partner unterstützt sie darin, vorbildliche, innovative und kreative Naturschutzprojekte umzusetzen. Gleichzeitig engagiert sie sich für eine Vielzahl eigener Projekte für die gemeinsamen Ziele. Die Stiftung Naturschutzfonds ist eine rechtsfähige Stiftung des öffentlichen Rechts, die auf der Grundlage des Naturschutzgesetzes Baden-Württemberg eingerichtet wurde. Ziel der Stiftung Naturschutzfonds ist es, vor allem neue, innovative Wege im Naturschutz anzustoßen und zu fördern sowie Projekte mit Modellcharakter zu unterstützen. Diese Projekte sollen übertragbar sein und zur Nachahmung anregen. Mit dem Engagement der Menschen im Naturschutz werden Arbeitsplätze geschaffen sowie nachhaltiger und zukunftsorientierter Natur- und Umweltschutz Schritt für Schritt auf den Weg gebracht. Die Stiftung Naturschutzfonds nutzt den Synergieeffekt der fördernden und operativen Tätigkeit. Dabei werden sowohl Anträge von außen entgegengenommen, als auch innovative Projekte ausgeschrieben oder in Eigeninitiative durchgeführt. Ein Großteil der Gelder des Fonds stammen aus Ersatzzahlungen, die bei Bauvorhaben wie Windkraftanlagen, Bahntrassen oder Autobahnen fällig werden.

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