Andrea Klemer, NABU Wolfsbotschafterin, und Felix Böcker, Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt, informierten in einem gemeinsamen Vortragsabend der Volkshochschule Münsingen und des Biosphärenzentrums Schwäbische Alb über den Wolf und über aktuelle Forschungsergebnisse.

Der Besucherandrang war groß und mehrmals mussten weitere Stühle geholt werden: Mit so einem Andrang hatte Martin Hikel, Leiter der Volkshochschule Münsingen-Urach, nicht gerechnet; etwa 50 Besucher wollten sich vergangene Woche über den Wolf und seine Rückkehr nach Baden-Württemberg informieren. Andrea Klemer, Wolfsbotschafterin beim NABU, die erste der beiden Dozenten, stammt aus einer Reiter- und Jägerfamilie.  Sie arbeitet im Haupt- und Landgestüt Marbach als Gestütsführerin,  auf selbständiger Basis als mobile Reitlehrerin, ist Hundehalterin und lebt mit ihrer Familie samt dreier Kinder in Münsingen.

 Sie ist seit einigen Jahren für den NABU aktiv und bietet schwerpunktmäßig Informationsveranstaltungen und Exkursionen für Familien und Kinder rund um das Thema „Vom Hund zum Wolf“ an. In ihrem Vortrag informierte sie in vielen anschaulichen und bebilderten Folien über die Biologie des Wolfes, also über sein Aussehen, seine Verbreitung, sein Leben im Rudel und sein Nahrungsspektrum.

Auch wenn der Wolf in der hiesigen Gegend bisher noch nicht sesshaft geworden ist, so gab Andrea Klemer schon mal einige Hinweise zum richtigen Verhalten für Menschen in einem Wolfsrevier weiter. Besonderes Interesse riefen die Verbreitungskarten des Wolfes in Deutschland und der visuelle Vergleich zwischen Wolf und wolfsähnlichen Hunden hervor.

Den zweiten Vortrag an diesem Abend hielt Felix Böcker: Er arbeitet bei der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) Baden-Württemberg in Freiburg, einer Forschungsstelle des Ministeriums für Ländlichen Raum. Felix Böcker hat seine Bachelor- und seine Masterarbeit über den Wolf geschrieben.  Die FVA ist mit dem Monitoring,  also der Beobachtung, Datensammlung  und Überprüfung von Wolfsnachweisen in Baden-Württemberg beauftragt. Felix Böcker bestätigte, dass es  immer wieder auch zu Verwechslungen von wolfsähnlichen Hunden mit Wölfen kommt. Daher wird, soweit möglich, auch DNA untersucht. Das ist auch dann wichtig, wenn Risse gemeldet werden, bei denen man einen Wolf vermutet.  Auch zu den drei in Baden-Württemberg nachgewiesenen Wölfen in Lahr, Merklingen und auf der Baar konnte er einiges aus der Forschung berichten. So waren die beiden überfahrenen Wölfe aus Lahr und Merklingen Brüder, welche aus dem schweizerischen Calandarudel stammten. Um aufzuzeigen, wie ein möglicher Schutz von Nutztieren aussehen könnte, zeigte er Fotos und  technische Daten wolfsabwehrender  Zäune als möglichen Grundschutz und erläuterte zusätzliche optionale Maßnahmen, wie das Flatterband und den Einsatz von Herdenschutzhunden. Letztere leben mit den Schafen zusammen und werden speziell zur Wolfsabschreckung eingesetzt.

Weiterhin stellte Felix Böcker das „Regionale Forum zum Umgang mit Großraubtieren auf der Schwäbischen Alb“ vor, in dem sich Vertreter verschiedener betroffener Verbände und Institutionen, hauptsächlich aus der Landwirtschaft, der Jägerschaft und der  Naturschutzverbände, regelmäßig treffen und sich austauschen.

Im Anschluss an die beiden Vorträge, die sich thematisch ergänzten, schloss sich eine Fragerunde an. Diese wurde von den Besuchern, welche sich aus Jägern, Schafhaltern, Rinderhaltern, Naturschützern, Hundehaltern und anderen interessierten Bürgern zusammensetzte, auch rege genutzt.

Die Fragen umfassten Themen zu Themen wie Wolfsspuren, Verhalten als Spaziergänger mit Hund im Wolfsrevier, sowie Fragen zum Nutzen des Wolfes und der Unterstützung von Schaf- und Nutztierhaltern beim Herdenschutz. ab

Infos und Veranstaltungen


Wissen rund um den Wolf gibt es unter folgenden Adressen: Im Internet unter www.nabu.de/wolf, bei der NABU Ortsgruppe Münsingen unter www.nabu-muensingen.de und beim Forum Großraubtiere Schwäbische Alb: www.forum-grossraubtiere.wildtiere-bw.de. Wolfssichtungen können bei der FVA unter ☎. 0761-4018-274 gemeldet werden. Im Biosphärenzentrum Schwäbische Alb, www.biosphaerengebiet-alb.de.werden alle Veranstaltungen  zum Thema Wolf mit NABU Wolfsbotschafterin Andrea veröffentlicht.