Kreisverkehrswacht Verkehrswacht braucht Geld und Mitglieder

Die neue Vorstandschaft der Kreisverkehrswacht Reutlingen-Münsingen (v.l.n.r): Franz-Bernd Sautter, Andreas Ott, Margit Mette, Thomas Steigenberger, Valentin Lisiecki und Harry Zilz.
Die neue Vorstandschaft der Kreisverkehrswacht Reutlingen-Münsingen (v.l.n.r): Franz-Bernd Sautter, Andreas Ott, Margit Mette, Thomas Steigenberger, Valentin Lisiecki und Harry Zilz. © Foto: Joachim Lenk
Münsingen / Joachim Lenk 25.02.2018

Die Jahreshauptversammlung der Kreisverkehrswacht Reutlingen-Münsingen am Freitagabend hatte es in sich. Für viele völlig unerwartet kündigte gleich zu Beginn der Versammlung Vorsitzender Dirk Endler nach nur einer Amtsperiode an, „aus zeitlichen und beruflichen Gründen“ das Ehrenamt an den Nagel zu hängen. Seine Geschäfte übernimmt die nächsten vier Jahre sein bisheriger Vize Thomas Steigenberger. Das hat die Mitgliederversammlung bei der anschließenden Wahl ohne Gegenstimme entschieden.

Sein künftiger Stellvertreter heißt Valentin Lisiecki, der bisherige Geschäftsführer im Verein. Dieser Posten wurde „aus Sparmaßnahmen“ gestrichen. Die Aufwandsentschädigung betrug 600 Euro pro Monat. Nach Auskunft der Vereinsführung werde die ehrenamtlich arbeitende Vorstandschaft die Aufgaben des Geschäftsführers gemeinsam übernehmen. Ein Steuerberater erledigt in Zukunft die Buchungen der Ein- und Auszahlungen.

Sparen tut gut. Laut Kassenbericht betrug der Schuldenstand zum 31. Dezember 2017 rund 45 200 Euro. Ein Jahr zuvor waren es noch knapp 60 300 Euro. Diese positive Meldung wurde durch den weiteren Mitgliederschwund von 135 auf 107 Mitglieder etwas getrübt. Zu Spitzenzeiten hatte der Verein, den  es seit 55 Jahren gibt, knapp 260 Mitglieder.

Darauf ging der alte und neue Schriftführer Harry Zilz ein. „Wir brauchen dringend neue Mitglieder. Gefragt sind Städte, Gemeinden, Firmen, Institutionen und Einzelpersonen“, sagte er gleich zu Beginn seines Jahresberichts. „Wir können jede helfende Hand und jeden Euro gut gebrauchen.“ Dazu merkte der neue Vorsitzende Steigenberger an: „Wir sind bettelarm, wir sind auf Unterstützung angewiesen.“

Zilz bedauerte, dass die Ausbildungszeit für junge Fahrradfahrer an Schulen vom Kultur- und vom Innenministerium von fünf auf vier Übungseinheiten heruntergefahren worden sei. Nicht nur auf die jüngsten, auch auf die ältesten Verkehrsteilnehmer hatte die Verkehrswacht 2017 ein Auge. „Angebote gibt es viele, genutzt werden sie allerdings noch zu wenig“, sagte Zilz, der daran erinnerte, dass drei Viertel der Ü 74 die Hauptschuld an Verkehrsunfällen hätten.

Auch sprach er die Zunahme der Unfälle an, die durch Smartphone-Nutzung während des Fahrens verursacht wurden. „Handy ist der neue Alkohol“, so Zilz. Kürzlich wurden bei einer Kontrolle innerhalb einer Stunde 20 Verstöße festgestellt.

Am Ende der zweistündigen Versammlung erinnerte Vorsitzender Steigenberger an das neue Angebot „Motorik und Mobilitätsförderung“ für Schulen, das die Verkehrswacht seit knapp einem halben Jahr auf dem Verkehrsübungsplatz Reutlingen anbietet. „Der erschreckende Anstieg von Bewegungsmangel hat weitreichende Folgen für die körperliche, geistige und seelische Entwicklung bei Kindern“, sagte Steigenberger. Deshalb machte er Werbung für die Kurse mit Fahrrädern und Rollern, die speziell auf die Bewegungs- und Gleichgewichtsförderung ausgerichtet sind. Einige Schulen im Landkreis haben bereits Interesse bekundet.

Dafür gab es ein großes Lob vom Landtagsabgeordneten Andreas Glück. Verkehrserziehung im Land sei wichtiger denn je, sagte der FDP-Politiker und verwies auf die aktuellen Zahlen der Verkehrsunfälle in Baden-Württemberg. 2017 habe es „mehr Unfälle und mehr Verkehrstote“ als im Jahr zuvor gegeben. Und: Schafften im Schuljahr 2012/2013 im Landkreis noch knapp 93 Prozent der Kinder den sogenannten Fahrradführerschein, waren es 2017/2018 nur noch 80 Prozent. Übrigens. Der passionierte Motorradfahrer meldete sich gleich noch zum Sicherheitstraining auf zwei Rädern an.

Mitglieder geehrt

Ehrungen standen bei der Kreisverkehrswacht Reutlingen-Münsingen ebenfalls auf dem Programm. Der scheidende Vorsitzende Dirk Endler ehrte zusammen mit seinem Vorgänger und Vater Franz vier langjährige Mitglieder. 40 Jahre mit dabei sind die Münsinger Bäckerei Hoffmann und Martin Bühle. Für 30 Jahre Vereinszugehörigkeit gab es das goldene Treueabzeichen samt Urkunde für Wilhelm Zirkel. Seit zwei Jahrzehnten ist Armin Kächele dem Verein treu. Krankheitsbedingt konnten nicht alle Geehrten der Versammlung beiwohnen. lejo