Heute fällt der Startschuss für das erweiterte Busangebot auf der Alb. „Das ist ein erfreulicher Tag für den ÖPNV“, sagte der Reutlinger Landrat Thomas Reumann jetzt bei der Vorstellung des neuen Buskonzepts „Südlicher Landkreis“. Doch nicht nur die Informationen über die beiden neuen Hauptachsen sowie die „neue Generation“ des Anmeldeverkehrs standen am Montag im Landratsamt im Blickfeld, sondern die Verträge wurden offiziell unterschrieben. Neben dem Landrat unterzeichneten Geschäftsführer Dieter Unseld und Regio-Chef Martin Pöhler als Vertreter der Regionalverkehr Alb-Bodensee GmbH sowie Geschäftsführer Horst Bottenschein als Vertreter der Süddeutschen Verkehrslinien GmbH die Dokumente. Beide Unternehmen hatten sich in einer Bietergemeinschaft beworben und vom Kreistag den Zuschlag erhalten.

32 Millionen Euro

„Damit konnten wir die Arbeit der vergangenen Jahre zu einem guten Ergebnis bringen“, freute sich Reumann. Rund 32 Millionen Euro hat der Kreistag für die nächsten zehn Jahre bewilligt, um die zusätzlichen 160 000 Fahrplankilometer, die jetzt angeboten werden, zu finanzieren. Allerdings handelt es sich um Bruttokosten, da dem Kreis sämtliche Erlöse aus dem Fahrkartenverkauf sowie die Zuschüsse des Landes für den neuen Regiobus, der Bad Urach und Münsingen miteinander verbinden wird, zufließen. Die Kosten selbst lassen sich mit den bisherigen Ausgaben nicht vergleichen, da die bisherigen Busverbindungen von den Betreibern „eigenwirtschaftlich“ gefahren wurden, wie der Erste Landesbeamte Hans-Jürgen Stede in Erinnerung rief und folglich auch das betriebswirtschaftliche Risiko bei ihnen lag. Das jedoch war mit den zusätzlichen Angeboten nicht mehr machbar, betonte Unseld. Mit dem neuen Angebot trägt der Kreis nach Einschätzung von Reumann dem geänderten Mobilitätsverhalten unter dem Stichwort „on demand“ genauso Rechnung wie dem Ziel, die CO2-Bilanz zu verbessern. Das „integrierte und vernetzte Mobilitätskonzept“ des Kreises ruht Reumann zufolge auf drei Säulen: Die Schiene werde mit dem Ausbau der Regionalstadtbahn gestärkt. Weiterhin umgesetzt werde das Radwegekonzept einschließlich der geplanten Radschnellwege sowie die Stärkung des Busverkehrs.

Galt auf der Alb bislang der Schülerverkehr als die entscheidende Messgröße, so gibt es künftig auch in den Ferien sowie an Wochenenden und Feiertagen regelmäßige Busverbindungen. Der turnusgemäße Ablauf der Konzessionen für die Linien von Bad Urach nach Münsingen und die Verbindung Trailfingen-Münsingen bot einen guten Zeitpunkt für die Neuordnung. Künftig verkehrt die Regiobuslinie X2 zwischen Bad Urach und Münsingen zwischen 5 – sonntags 6 – und 23 Uhr stündlich. Damit wird gewährleistet, dass Fahrgäste den ersten Zug der Ermstalbahn in Richtung Metzingen genauso erreichen wie sie umgekehrt noch einen Anschluss nach dem letzten Bus aus Metzingen in Richtung Münsingen haben. Die Buslinie 265 fährt künftig im Zwei-Stundentakt durchs Lautertal nach Riedlingen, die Linie 260 von Reutlingen über Engstingen und Pfronstetten ebenfalls nach Riedlingen. In Zwiefalten kreuzen sich beide Angebote zeitversetzt, so dass in der Münstergemeinde nun stündlich ein Bus nach Riedlingen abfährt, erläuterte Nahverkehrsberater Simon Niemann.

In Verbindung mit dem neuen Buskonzept werden bis zum kommenden Frühjahr 16 neue Busse mit barrierefreiem Einstieg, WLAN und Klimaanlage angeschafft. Zwischen Bad Urach und Münsingen können nun ebenfalls täglich kostenlos – abgesehen von den Stoßzeiten zwischen 6 und 9 Uhr – Fahrräder mitgenommen werden.

Fahrplangebundene Angebote

Als Ergänzung zu den beiden Hauptachsen wurde die nach den Worten von Reumann „neue Generation des Anmeldeverkehrs“ eingerichtet. Die fahrplangebundenen Angebote sind als Ergänzung abends, in den Ferien und in kaum genutzten Tageszeiten gedacht. Der Bedarf muss mindestens eine Stunde vorher unter einer zentralen Rufnummer gemeldet werden (siehe Infokasten).

Mit dem neuen Angebot „kann man seine Planung auf den ÖPNV ausrichten“, freute sich der Münsinger Bürgermeister Mike Münzing und Vesna Trost von der Stadt Bad Urach unterstrich die Vorteile der neuen Möglichkeit, Fahrräder mitzunehmen.

Neuregelung des Anmeldeverkehrs


Alle im Fahrplan angebotenen Fahrten müssen telefonisch mindestens eine Stunde vor Fahrtbeginn unter der einheitlichen Telefonnummer (0 73 71) 15 50 515 angemeldet werden. Möglich ist dies von Montag bis Samstag von 6.30 bis 23 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen von 8 bis 23 Uhr. Fahrten vor 8 Uhr und mit Rollstuhltransport müssen am Vorabend gemeldet werden. Bei Gruppen ab neun Personen ist eine Anmeldung mindestens 24 Stunden vorher erforderlich. Es gilt der Naldo-Tarif und Naldo-Zeitfahrkarten werden anerkannt. Im Schülerverkehr ist keine Anmeldung der Fahrten notwendig. Alle Informationen zum neuen Buskonzept und dem erweiterten Linienangebot gibt es auch im Internet unter www.kreis-reutlingen.de/bus-info sowie unter www.naldo.de. rot